„Wir haben Angst, dass wir zu Fall kommen“

Munster: Rollatornutzerinnen klagen über zu starke Gehwegneigung

„Wir haben Angst, dass wir zu Fall kommen“

Eigentlich freuen sie sich jede Woche auf den gemeinsamen Seniorensport, die vier Munsteranerinnen - doch der Weg dorthin ist ihnen inzwischen vergällt. Der nämlich führt über den Bürgersteig des gerade neugestalteten Einmündungsbereichs der Breloher in die Lüneburger Straße. Hier - im Kurvenbereich zwischen Zebra-Übergang in der Breloher Straße und der Fußgängerampel in der Lüneburger Straße - weist der Gehweg eine deutliche Neigung zur Straße hin auf, die den vier Frauen mit ihren Rollatoren echte Probleme bereitet.

Wenn sie einen Grund habe, sich zu beklagen, dann tue sie das auch, meint Ingrid Downes (84) selbstbewusst. So ähnlich sieht es ihre Mitstreiterin Gisela Krähenbild (94). Die beiden anderen Seniorinnen halten sich da mit dem Gang an die Öffentlichkeit lieber zurück. Doch das Problem ist bei allen dasselbe: die Neigung des Bürgersteiges im genannten Bereich. „Das ist eine regelrechte schiefe Ebene zur Straße hin. Dass ein Gehweg eine gewisse Neigung haben muss, damit das Regenwasser abfließen kann, ist klar. Aber das hier würde ja für einen Monsun reichen“, meint die 84jährige.

Und Gisela Krähenbild beklagt: „Wir haben immer Angst, dass uns hier der Rollator wegrollt oder wir zu Fall kommen, weil wir nicht mehr so gut zu Fuß sind.“ Ingrid Downes befürchtet angesichts des Gefälles zudem weitere Risiken, „wenn es denn mal wieder schneien und frieren sollte.“

Für zusätzliche Verunsicherung - auch ohne Schnee und Eis - sorge in dieser Situation, dass Breloher und Lüneburger Straße recht stark befahren seien und dass Radler den anthrazitfarbenen Bereich auf dem Bürgersteig nutzen könnten. Vor der Fußgängerampel in der Lüneburger Straße dann werde es auch noch sehr eng, wenn mehr als eine Person, noch dazu mit Rollator, auf Grün warte: „Wir müssen dann eine Schlange bilden und kommen bei einer Grünphase nicht alle über die Straße.“

Ingrid Downes und Gisela Krähenbild fragen sich, ob die im Kurvenbereich an den Fußweg angrenzende Grünfläche nicht etwas kleiner hätte ausfallen können: „Dann wäre vielleicht Platz genug gewesen, um den Bürgersteig etwas breiter und oben weniger steil zu gestalten. Das ist vor der Straßensanierung besser gewesen.“

Die beiden Munsteranerinnen sehen allerdings nicht nur sich selbst mit diesen Problemen konfrontiert: „Das betrifft eigentlich jeden, der hier mit einem Rollator unterwegs ist. Und auch Leute mit Rollstuhl oder Kinderwagen dürften über diese Gehwegneigung nicht glücklich sein“, so Ingrid Downes.

Darüber bei der Stadt beklagt hat sich bisher aber offenbar noch niemand, wie Christina Fleckenstein auf Anfrage mitteilt: „Wir haben noch keine Beschwerde bekommen. Deshalb ist dies bei uns bis jetzt auch kein Thema gewesen“, meint die Bürgermeisterin der Örtzestadt.

Einen wirklichen Anlass dafür sieht auch Ottmar Harwege, Di­plom-Ingenieur bei der Stadt Mun­ster, nicht gegeben, zumindest nicht, was die Einhaltung baulicher Vorgaben betrifft. Der Bürgersteig müsse eine gewisse Neigung haben, um das Regenwasser abzuleiten: „Aber dieses Gefälle bewegt sich zwischen 2,5 und vier Prozent und entspricht der üblichen Norm.“ Etwas gewöhnungsbedürftig seien sicherlich die mit Noppen und Leisten versehene Pflasterung sowie die Kante an der Fußgängerampel, aber das diene Sehbehinderten zur Orientierung und sei vorgegeben.

Insgesamt, so die Stadt, bewege sich alles im grünen Bereich. Und was die Radler betrifft, meint Fleckenstein, seien sie auf dem Bürgersteig nur geduldet: „Sie müssen dort langsam und sehr vorsichtig fahren. Fußgänger haben immer Vorrang.“

Ingrid Downes und Gisela Krähenbild haben damit gerechnet, dass sie mit ihrer Kritik hier wahrscheinlich nichts ändern werden. Aber sie wollten dennoch zumindest darauf aufmerksam gemacht haben, dass selbst ordnungsgemäß ausgeführte Baumaßnahmen nicht automatisch auch für ein Sicherheitsgefühl sorgen, wie es für Senioren im Straßenverkehr wichtig ist.

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