„Wir haben gute Regeln“

Stadt Munster und Bundeswehr zu Corona und Vorhaben für 2021

„Wir haben gute Regeln“

Traditionell laden Stadt Munster und Bundeswehr gemeinsam zum Neujahrsempfang und nutzen diesen Rahmen auch, um Vor- und Rückschau zu halten. Während der Empfang diesmal coronabedingt ins Wasser fallen musste, hatten Bürgermeisterin Christina Fleckenstein und General Ullrich Spannuth dann doch für vergangenen Dienstag zum Pressegespräch geladen, um einen Blick in die Zukunft zu werfen, soweit die Pandemie das derzeit zulässt. Mit dabei auch General Dr. Christian Freuding, Kommandeur der Panzerlehrbrigade 9.

Auch auf die normalerweise häufigen Kontakte und das gute Miteinander zwischen Stadt und Bundeswehr hat die Corona-Pandemie eingewirkt: Sowohl Spannuth, Kommandeur des Ausbildungszentrums und Standortältester, als auch Fleckenstein bedauerten, dass hier im vergangenen Jahr vieles weggefallen sei: „Das fehlt uns“, meinte die Bürgermeisterin, und auch Spannuth betonte: „Uns fehlt damit ein Stück Alltäglichkeit, aber wir hoffen, 2021 wieder zur Normalität zurückkehren zu können.“

Derzeit allerdings sorgt Corona nicht nur für eingeschränkte Kontakte, sondern auch für ungewöhnliche Einsatzbereiche der Bundeswehr: „Wir sind hier als Truppe gefordert, unseren Beitrag zur Eindämmung der Pandemie zu leisten“, unterstrich Freuding. Deshalb sei die Panzerlehrbrigade mit mehr als 1.500 Soldatinnen und Soldaten im Bundesgebiet unterwegs, um bei Testungen, Nachverfolgungen und in Impfzentren Unterstützung zu leisten: „Wir sind dort, wo Not am Mann ist“, so der General. Es sei eine Frage des soldatischen Selbstverständnisses, der Bevölkerung zu helfen, wenn diese Hilfe gebraucht werde.

Um überhaupt helfen zu können, hob Spannuth hervor, müsse aber die Erhaltung der Einsatzbereitschaft im Vordergrund stehen - trotz der coronabedingten Einschränkungen: „Wir müssen deshalb weiter ausbilden und unseren Auftrag erfüllen.“ Um dies gewährleisten zu können, „nehmen wir die Schutzmaßnahmen sehr ernst und gehen verantwortungsbewusst mit der Lage um. So erhalten beispielsweise alle drei Masken pro Tag.“ Allein für diese Woche seien deshalb 100.000 Klinik- und FFP2-Masken geliefert worden. Und Freuding: „Wir haben gute Regeln, die diszipliniert eingehalten werden. Deshalb haben wir auch kein größeres Ausbruchsgeschehen verzeichnen müssen.“

Damit geht bei der Bundeswehr der Betrieb so normal wie möglich weiter, doch einiges, in das normalerweise die Öffentlichkeit einbezogen worden wäre, muss coronabedingt ohne Publikum auskommen: „So war der Verabschiedungsappell für die 500 Soldatinnen und Soldaten vor ihrer Verlegung nach Litauen vor dem Rathaus nicht möglich“, bedauerte die Bürgermei­sterin. Gleichwohl, so Freuding, versuche die Bundeswehr ihren Veranstaltungen in angepasster Form einen angemessenen Rahmen zu geben. Und Spannuth ergänzte: „Wir konzentrieren uns darauf, was geht, und knien nicht vor dem nieder, was nicht geht.“ So hat auch die neue Offiziersausbildung im Ausbildungszentrum begonnen, die am 22. April mit der Übergabe der Offiziersbriefe an die angehenden Fahnenjunker endet. Wie Spannuth in diesem Zusammenhang ankündigte, werde das Ausbildungszentrum umbenannt und wieder seinen alten Namen Panzertruppenschule erhalten.

Nicht nur die Übergabe der Offiziersbriefe, sondern auch andere Veranstaltungen seien geplant, „wobei wir sehen müssen, was möglich ist“, so der Standortälteste. So werde der Tag der Bundeswehr in diesem Jahr am 12. Juni nur digital laufen, auch mit einem Anteil aus Munster: „Die genaue Programmgestaltung wird in Berlin ausgearbeitet. Wir wollen damit deutlich machen, was unseren Standort ausmacht, nämlich die gute Zusammenarbeit zwischen der Stadt, ihren Bürgern und der Bundeswehr.“

Die gleiche Intention stehe auch hinter dem Lili-Marleen-Tag am 15. September: „Den möchten wir veranstalten und glauben, dass dies bis dahin auch möglich sein wird. Wie wollen auf jeden Fall etwas machen und entscheiden darüber auf Sicht.“

Nicht nur die Bundeswehr geht mit der Corona-Lage verantwortungsvoll um - auch die Stadt Munster, so die Bürgermeisterin, nehme sich den Aufruf der Kanzlerin, möglichst zu Hause zu arbeiten, zu Herzen: „Wo das möglich ist, setzen wir Homeoffice um. Allerdings geht das nicht in allen Bereichen“, so Fleckenstein.

Zu tun gibt es jedenfalls genug- und einiges steht in diesem Jahr bevor: „So warten wir auf den Baubeginn für die Grundschule Breloh und hoffen auf den ersten Spatenstich im Sommer.“ Weitergeführt werden solle zudem der Umbau der Mehrzweckhalle in Oerrel. Eine Herausforderung sei der weitere Bedarf an Kita-Plätzen: „Hier prüfen wir, ob bestehende Einrichtungen ihre Kapazitäten erweitern können“, so die Bürgermeisterin.

Fleckenstein nannte darüber hinaus auch anstehende Tiefbaumaßnahmen: So werde das Land an der B 71, also der Uelzener Straße weiterbauen. Auch in der Breloher Straße solle es noch 2021 losgehen, während Nordstraße und Umgebung zunächst beplant und Aufträge ausgeschrieben würden.

Weitergehen müsse es auch mit den Wohnbaugebieten: „Es ist unsere Aufgabe, Bauland zur Verfügung zustellen“, so die Bürgermeisterin. An Interesse mangele es hier nicht: „Wir haben schon Anfragen für den Rehrhofer Weg, wo es 14 Baugrundstücke gibt. Im April/Mai wollen wir dort in die Vermarktung gehen und hoffen, dort noch in diesem Jahr Baureife zu haben.“ Was das Baugebiet Breloh hinter der Schule betreffe, so könne der Grundstücksverkauf dort frühestens im Sommer 2022 beginnen.

Fleckenstein sei froh, das zudem Investoren Pendlerwohnungen für Soldaten schafften, die auf den Wohnungsmarkt drängten. Dazu Spannuth: „Wir möchten die Soldatinnen und Soldaten zeitgemäß in den Kasernen unterbringen. Es gibt aber immer mehr, die unabhängig wohnen wollen, oft möbliert. Wie gut es sich in Munster wirklich leben lässt, weiß man allerdings erst dann, wenn man in einer relativ großen Wohnung, einem Einfamilienhaus oder einer Doppelhaushälfte wohnt. Hier ist das Vermietungsangebot derzeit allerdings noch recht begrenzt.“

Logo