Wo sonst scharf geschossen wird entspannt in die Pedale treten

13. Volksradfahren in Munster am Sonntag, dem 17. Juli

Wo sonst scharf geschossen wird entspannt in die Pedale treten

„Halt! Scharfschießen - Stop Live firing“ steht auf dem weißen Schild mit rotem Rand, das an der Schranke hängt, die die Zufahrt zum Truppenübungsplatzgelände in Munster versperrt. Am vergangenen Mittwoch waren hier in der Mittagszeit unzählige Schüsse zu hören, der Übungsbetrieb war im vollen Gange. Etwas später kehrte Stille ein, zumal der Übungsbetrieb aufgrund des Brandes auf dem Truppenübungsplatz Munster Süd vorsorglich eingestellt wurde. Einen Tag später stellten sich Karen Jung, Leiterin der Munster-Touristik, und Hauptmann Dennis Issel, stellvertretender Kommandant der Truppenübungsplatzkommandantur Munster, mit einem Fahrrad vor die geschlossene Schranke, die am 17. Juli geöffnet wird. Dann nämlich steht das nunmehr 13. Volksradfahren auf dem Programm, für das die beiden im Rahmen eines Pressegespräches im Freien kräftig die Werbetrommel rührten.

„Bei gutem Wetter rechnen wir wieder mit rund 1.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern“, erklärte Issel. Mit großer Nachfrage ist auf jeden Fall zu rechnen, zumal die beliebte Veranstaltung coronabedingt zum letzten Mal im Jahr 2019 angeboten werden konnte. Nun heißt es endlich wieder „freie Fahrt“. Damit die „Pedalritter“ sorgenfrei auf die verschiedenen Strecken gehen können, hat sich das Vorbereitungsteam um Issel und Jung mächtig ins Zeug gelegt, unter anderem alle Strecken nach Munitionsresten abgesucht und versandete Abschnitte gefegt.

Am 17. Juli können Interessierte wieder von 9 bis 17 Uhr per Rad die Truppenübungsplätze Munster-Nord und Munster-Süd erkunden. Außerdem gibt es eine Strecke für Inline-Skater und Rollstuhlfahrer. Die Organisatoren haben auch diesmal wieder unterschiedliche Streckenabschnitte zwischen 20 und 112 Kilometern im Angebot.

Natürlich sei es für Interessierte reizvoll, sich mit Erlaubnis dort zu bewegen, wo Zivilisten ansonsten nichts zu suchen hätten, erklärte Hauptmann Issel, „dabei gibt es hier eigentlich nichts Geheimes.“

„Wer meint, beim Volksradfahren Panzer zu sehen, liegt falsch. Aber die meisten freuen sich darauf, die Natur mit ihrer Pflanzen- und Tierwelt, Heideflächen und Wäldern sowie das historische Lopau zu sehen. Durch die Abgeschiedenheit ist die Natur hier teils deutlich unberührter als auf öffentlichen Plätzen“, fügte Jung hinzu.

Im Großen und Ganzen gestaltet sich der Ablauf wie in den früheren Jahren. Start- und Endpunkt ist einmal mehr der Biwakraum Hornheide. Von dort aus gehen die Besucher mit dem Rad auf die unterschiedlich langen Strecken von 20 und 26 Kilometer über 55 Kilometer bis hin zu 80 und sogar 112 Kilometer auf Tour. Wer möchte, kann auch die 20 Kilometer lange Inliner-Tour „Rund um die Tribüne“ in Angriff nehmen. Darüber hinaus gibt es in diesem Jahr erneut eine geführte Radtour des ADFC: Start ist um 10 Uhr in Breloh Hornheide, die Strecke circa 50 Kilometer lang. Die Leitung übernimmt Harald Steinhoff.

Letzte Startmöglichkeit ist um 14 Uhr. Auf dem Gelände werden wieder drei Versorgungsstationen eingerichtet, an denen sich Teilnehmer mit Getränken und Speisen stärken können - eine im Bereich Hornheide, eine in Lopau sowie eine weitere an der Sültiger Mühle. Dort wird es jeweils auch Toiletten geben. Am Start- und Zielpunkt gibt es einen Parkplatz, der am Veranstaltungstag ab Ortsschild Munster ausgeschildert sein wird. „Es wird wieder Parkplatzeinweiser geben. Das hat sich bewährt“, so Issel.

Bevor Teilnehmer am Biwakraum Hornheide losradeln, erhalten sie eine Karte mit der von ihnen gewählten Route. So gerüstet können Radler, Inline-Skater und Rollstuhlfahrer individuell ab 9 Uhr starten. Bürgermeister Ulf-Marcus Grube und Munsters Weinkönigin Jessica werden die Teilnehmer zuvor begrüßen. Anmeldungen sind nicht erforderlich, die Teilnahme ist kostenfrei. Das heißt: Jeder kann starten, wann er möchte, und jeder bestimmt sein Tempo selbst.

Doch natürlich gibt es Regeln, die einzuhalten sind, weil sich die Aktiven durch ein Übungsgelände bewegen, auf dem häufig scharf geschossen wird. Das Verlassen der vorgegebenen Routen ist aus genau diesem Grund aus Sicherheitsgründen nicht gestattet, darüber hinaus müssen sich natürlich auch alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer an die Straßenverkehrsordnung halten. Hunde dürfen nur angeleint mitlaufen und die Strecken ebenfalls nicht verlassen.

Mehrere Helferinnen und Helfer aus den Reihen der Bundeswehr und der Munster-Touristik kümmern sich um einen reibungslosen Ablauf und um die Sicherheit der Teilnehmer. Die Streckenposten stehen auch bereit, um Radlerinnen und Radler bei Problemen wie Erschöpfung, Pannen oder einem Sturz zu unterstützen. Das Deutsche Rote Kreuz wird ebenso vor Ort sein wie Sanitäterinnen und Sanitäter der Bundeswehr. Am Ende der Veranstaltung fahren die sogenannten „Lumpensammler“ nochmals die Strecken ab, holen mögliche Liegengebliebene und deren kaputte Fahrräder zurück.

Auch wer kein eigenes Rad hat oder seinen „Drahtesel“ nicht mitbringen möchte, kann beim Volksradfahren starten, denn „Fahrrad Sandau Munster“ bietet an diesem Tag wieder einen Verleih an. Wer diesen nutzen möchte, muss sich allerdings bis zum Vortag der Veranstaltung unter der Telefonnummer (05192) 2458 anmelden.

Der jüngste Brand auf dem Übungsplatz hat einmal mehr gezeigt, wie schnell die Flächen bei großer Hitze Feuer fangen. Deshalb ist Rauchen verboten. Nur an den Versorgungspunkten, wo auch hierfür entsprechende Zonen mit Aschenbechern eingerichtet sind, darf geraucht werden.

Logo