Zolldann folgt auf Körner

Förderverein Städtepartnerschaft Munster - Mitschurinsk

Zolldann folgt auf Körner

20 Jahre wird der „Förderverein Städtepartnerschaft Munster - Mitschurinsk“ in diesem Sommer. Die Planung dieses runden Geburtstages obliegt aber nicht mehr Uwe Körner: Seit der Jahreshauptversammlung am vergangenen Mittwoch hat der Verein mit Hans-Gerd Zolldann einen neuen Vorsitzenden. Mit Blick auf sein Alter und vor allem aus gesundheitlichen Gründen hatte Körner, „Vater“ des Fördervereins, beschlossen, den Vorsitz abzugeben und bei der Wahl in diesem Jahr nicht erneut anzutreten. Aber: „Mir ist um die Zukunft des Fördervereins nicht bange“, betonte Körner im Gespräch mit dem HK, auch wenn der Abschied nach 20 Jahren an der Vereinsspitze nicht leicht fiel. Jedoch „hat es mir die Sache leichter gemacht, dass der neue Vorstand personell gut aufgestellt ist.“

Es begann als - so nannte es laut Körner der damalige Munsteraner Stadtdirektor Klaus Westerkowsky - „spinnerte Idee“ beim Joggen und führte zu spektakulären Hilfsaktionen; vor 20 Jahren hat Uwe Körner den „Förderverein Radtour Munster - Mitschurinsk“ gegründet. Dabei sollte dem Verein, ins Leben gerufen lediglich zur rechtlichen Absicherung der ungewöhnlichen Radtour von der Örtzestadt zur russischen Partnerstadt Mitschurinsk im Jahr 2001, eigentlich nur eine kurze Dauer beschieden sein. Doch von der Auflösung spricht schon lange niemand mehr.

Seit 1991 besteht die Städtepartnerschaft zwischen Munster und Mitschurinsk, und Uwe Körner war in diese von Anfang an stark eingebunden, nicht nur durch die Unterstützung der Hilfstransporte, die in den ersten Jahren auf dem Plan standen. Diese Städtepartnerschaft war für ihn von Beginn an eine Herzenssache. Denn die russischen Menschen hätten die deutschen Partner stets „uneingeschränkt herzlich begrüßt“, von Privatpersonen habe er „nie ein negatives Wort gehört“, wie der langjährige Fördervereinsvorsitzende und derzeitige Partnerschaftsbeauftragte der Stadt Munster betont.

Und so kam Körner 1999 auf die Idee, zum zehnjährigen Bestehen der Städtepartnerschaft 2001 eine humanitäre Radtour zu organisieren. Sie wurde, wie Körner sich erinnert, „abenteuerlich, aber erfolgreich“. Um offizielle Spendenbescheinigungen ausstellen zu können, war es erforderlich, einen gemeinnützigen Verein zu gründen.

Gesammelt wurde in diesem Rahmen für medizinisches Gerät - eine der vielen Hilfen, die aus der Lüneburger Heide den Partnern in Russland zugute kamen. Unter anderem konnte auch die Kinderklinik komplett mit neuen Betten ausgestattet werden, und da die vor Ort gekauft wurden, sei, freut sich Körner, sogar doppelt Gutes getan worden.

Nachdem die Radtour zum zehnjährigen Partnerschaftsbestehen abgeschlossen war, hätte der Förderverein jedoch eigentlich aufgelöst werden sollen. Doch das wurde herausgeschoben, schon aufgrund der starken Beziehung, die die Mitglieder untereinander entwickelt hatten. Und bereits im Jahr 2003 sei der Gedanke aufgekommen, zum 15jährigen der Städtepartnerschaft eine weitere Radtour, wiederum mit humanitärem Hintergrund, zu unternehmen. Und diese Idee wurde tatsächlich umgesetzt, allerdings auf einer etwas anderen Streckenführung, nämlich durch die Ukraine, und nicht mehr, wie bei der „Premiere“, als Staffel. Eine dritte - und letzte - Tour auf einer ganz neuen Route folgte schließlich 2013.

Inzwischen hatte sich jedoch einiges geändert: So wurde der Vereinszweck „die Radtour nach Mitschurinsk zu fördern und zu unterstützen“, im Jahr 2007 ebenso wie der Name ausgetauscht. Ab sofort hieß er „Förderverein Städtepartnerschaft Munster - Mitschurinsk“, sein Zweck unter anderem die Unterstützung des Schüler-, Jugend- und Studentenaustauschs.

Doch auch andere Aufgaben übernimmt der Förderverein: So hat er die Aufstellung des Gedenk-Kreuzes in Tjapkino unweit von Mitschurinsk unterstützt (HK berichtete), das an die dort gefallenen und in Kriegsgefangenschaft verstorbenen Soldaten erinnern soll.

Auf russischer Seite ist Partner der Deutschen inzwischen, seit November 2018, der Bürgermeister M.W. Charnikow. Den Kontakt mit ihm wird nun der neue Vorstand um den bisherigen Tourenleiter Hans-Gerd Zolldann halten. Unterstützung geben ihm seine Stellvertreter Dr. Armin Richert und Artur Kurz, wobei letzterer auch zu einer „Verjüngung“ des Vorstands beiträgt - der Verein ist, wie Zolldann betont, darauf bedacht, auch in Zukunft personell weiter gut aufgestellt zu sein. Noch zwei weitere Jahre aktiv bleibt Körners Ehefrau Barbara als Schatzmeisterin und Schriftführerin.

Die derzeit 42 Vereinsmitglieder haben in diesem Jahr nicht nur die Feier des 20. Geburtstages, im „kleinen Kreis“ im Gründungs- und Vereinslokal „Zur Wassermühle“ auf dem Plan. Erwartet wird in Munster im Mai eine Delegation aus Mitschurinsk, und wie gewohnt bringt der Förderverein sich hier wieder „mit Manpower und Naturalien“, wie Körner es nennt, ein. Besonders freuen sich der alte und der neue Vorsitzende insbesondere darüber, dass sich die Partnerschaft nun offenbar auch auf kirchlicher Ebene entwickelt: Die russisch-orthodoxe Eliaskirche und die evangelisch-lutherische Urbanikirche hätten, wie das Ehepaar Körner zu berichten weiß, Kontakt zueinander aufgenommen. Auch wenn er ab sofort der erste Mann des Fördervereins ist, ist Zolldann bei allen anstehenden Aufgaben aber froh, dass Körner ihm weiterhin seine Unterstützung zugesagt hat, vor allem angesichts dessen langjähriger Erfahrungen: „Es ist wichtig, dieses Wissen zur Verfügung zu haben.“ Als Partnerschaftsbeauftragter bleibt Körner der Stadt Munster zudem vorerst noch erhalten, so dass für ihn die Verbindung nach Mitschurinsk auf allel Fälle weiter fortbestehen wird.

Körner selbst ist froh über das, was in den vergangenen zwanzig Jahren - hervorgegangen aus einer Idee beim Laufen im Wald - auf die Beine gestellt worden ist: „Es sind schon gewaltige Leistungen, die der Verein vollbracht hat“, unterstreicht er, und betont, dies sei vollem auch „Friedensarbeit“ gewesen. „Die Mitglieder können stolz sein auf das, was dieser kleine Verein aus dieser kleinen Stadt für die deutsch-russischen Beziehungen getan hat.“

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