„Zusammenarbeit ist wichtig“

Übung für Rettungskräfte: Schwierige Schadenslage an Dethlinger Teich

„Zusammenarbeit ist wichtig“

Wenn‘s kommt, dann kommt‘s richtig dicke - so hätte die Einsatzübung überschrieben sein können, an der am vergangenen Freitag zahlreiche Rettungskräfte teilnahmen: Sie mußten eine Großschadenslage in der Umgebung des Dethlinger Teiches an der B 71 bei Munster in den Griff kriegen, bei der es gleich um mehrere, miteinander zusammenhängende Unglücke ging. Hintergrund war hier natürlich auch die ab Mitte September zu erwartende Öffnung des Teiches mit seinen militärischen Altlasten - und da will der Landkreis Heidekreis nichts dem Zufall überlassen, was vorher geübt werden kann.

Das Szenario: Über dem Dethlinger Teich mit Leichtbauhalle über dem Schacht (symbolisiert durch ein Zelt) kollidiert ein NH 90 im Anflug auf den Fliegerhorst Faßberg mit einer Drohne. Während der Hubschrauber Trümmerteile verliert und in einiger Entfernung jenseits der B 71 niedergeht, stark qualmt, aber nicht offen brennt, durchschlagen Bruchstücke der Drohne das Dach der Leichtbauhalle. Dort war der Schacht am Vortag wegen des Ausfalls der Videoüberwachung vorübergehend verschlossen worden, weshalb auch nur zwei Mitarbeiter zugegen sind. Sie werden nicht schwer verletzt, einer ist aber zwischen Teilen der Leichtbauhalle eingeklemmt und kann sich nicht selbst befreien, während der andere, von Trümmern getroffen, zwischenzeitlich das Bewußtsein verliert. Gemeldet wird der Absturz durch einen Förster, während sich auch der Fliegerhorst einschaltet, als der NH 90 vom Radar verschwindet. Als wäre dies nicht genug, gerät auch noch ein Waldstück an der Absturzstelle des Hubschraubers durch brennende Trümmerteile in Brand. Und ein schaulustiger Autofahrer auf de B 71 verliert die Kontrolle über sein Fahrzeug und rammt einen zweiten Pkw. Bei diesem Unfall werden die beiden Insassen schwer verletzt und in ihren Autos eingeklemmt.

Was dann angesichts dieser Großschadenslage in Gang gesetzt wird, läuft wie ein Uhrwerk: Der Flugsicherheitsoffizier des Transport-hubschrauberregiments 10 führt eine Notdienstgruppe zum Einsatzort, während die bereits eingetroffenen Feuerwehrleute eine Schutzzone um den Hubschrauber bilden, die nur mit Atemschutzgeräten betreten werden darf. Dies deshalb, weil bei einem Hubschrauberbrand gefährliche Stoffe - sogenannte fiese Fasern - freigesetzt werden können. Was die Ortswehren begonnen haben, setzt die Flugplatzfeuerwehr Faßberg fort: Sie retten Besatzung und Passagiere aus dem qualmenden NH 90. Außerhalb der Gefahrenzone waren andere Helfer nicht untätig. So hat sich das Rote Kreuz eingerichtet, um verletzte Soldaten aufzunehmen und für den weiteren Transport ins Krankenhaus zu versorgen.

Zunächst unklar ist die Lage am Dethlinger Teich mit den beiden Verletzten in der beschädigten Leichtbauhalle. Hier fordert die Ortswehr Trauen nicht nur den Rettungsdienst an, sondern auch den Fachzug „Messen und Spüren“ der Kreisfeuerwehrbereitschaft Umwelt aus Munster, da eine Gefährdung durch chemische Kampfstoffe nicht auszuschließen ist. Nachdem die Umgebung auf Schadstoffe untersucht und eine Not-Dekontamination eingerichtet worden ist, werden die verletzten Mitarbeiter geborgen.

Gut 30 Fahrzeuge mit Gerät und mehr als 100 Einsatzkräfte haben bei dieser Übung gezeigt, wie gut sie zusammenarbeiten können. Davon haben sich zahlreiche Beobachter, darunter auch Landrat Manfred Ostermann und Munsters Bürgermeisterin Christina Fleckenstein, überzeugt. Vor allem aber Ralf Quietmeyer, beim Landkreis für den Katastrophenschutz zuständig, hat genau hingesehen. Er hat die Übung nicht nur geleitet, sondern auch gemeinsam mit Oberst Olaf Bölting, Kommandeur des Transporthubschrauberregiments 10, ausgearbeitet.

Zwar steht die genaue Auswertung der Übung durch die offiziellen Übungsbeobachter noch aus, so Quietmeyer, doch die gesteckten Ziele seien erreicht worden: „Wichtig bei einer solch großangelegten Übung ist die gute Kooperation aller Einsatzkräfte. Wichtig ist auch das gegenseitige Kennenlernen, besonders dann, wenn - wie bei dieser Übung - zivile Einsatzkräfte mit Kräften der Bundeswehr zusammenarbeiten müssen und viele Helfer keine Ortskenntnisse haben. So waren viele Einsatzkräfte aus dem Heidekreis zum ersten Mal am Dethlinger Teich.“

Und weiter: „Außerdem wird ein Einsatz an einem ‚abgestürzten‘ Hubschrauber nicht alle Tage geübt. Da muß unter Vollschutz vorgegangen werden, was auch bei einem eventuellen Schadensereignis bei den Erkundungsarbeiten am Dethlinger Teich der Fall sein könnte.“

Quietmeyer räumt allerdings ein, daß eine Übung immer etwas anders verlaufe als ein realer Einsatz: „Auch wenn die ‚Verletzten‘ noch so echt aussehen, wissen die Übenden doch, daß es nicht so ist. Daher fehlt bei einer Übung die psychische Belastung, die bei einem realen Einsatz zu erheblichem Streß führen würde.“

Nichtsdestotrotz gilt aber: Übung macht den Meister, und das ist um so wichtiger, wenn die Rettungskräfte gut auf einen realen Einsatz vorbereitet sein wollen.

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