Hausarztpraxis statt Klinikum

Medizinerin absolviert Weiterbildung zur Fachärztin bewusst im Heidekreis

Hausarztpraxis statt Klinikum

Seit November 2020 ist die junge Medizinerin Jana Arnold in der Arztpraxis Doreen Kleine Stegemann und Dr. Heino Feldbrügge in Neuenkirchen tätig. Sie absolviert dort eine zweijährige Weiterbildung, die für die Anerkennung als Fachärztin für Allgemeinmedizin erforderlich ist. Da die langfristige medizinische Versorgung der Menschen im Heidekreis, insbesondere im Bereich der Allgemeinmedizin, wie überall in ländlichen Gebieten gefährdet ist, gibt es verschiedene Bemühungen und Anreize, junge Ärzte für die Region zu gewinnen. So unterstützt der Heidekreis diese Ausbildung mit einer monatlichen Förderung.

Das indes ist nicht der ausschlaggebende Grund für Jana Arnold, warum sie sich für Neuenkirchen entschieden hat: „Das geschah primär aufgrund der Überzeugung, hier eine gute Ausbildung zu erhalten. Dennoch hilft mir die finanzielle Unterstützung, um mir im Heidekreis ein Leben aufzubauen und ich bin sehr dankbar dafür“, so die junge Ärztin

Nach ihrer Approbation Ende 2017 an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main hatte sie ihre erste Stelle am Heidekreis-Klinikum in Soltau, wo sie von Beginn an als Assistenzärztin für Allgemeinmedizin beschäftigt war. „Ich durfte in verschiedenen Fachrichtungen, besonders der Inneren Medizin und auch der Unfallchirurgie Erfahrungen sammeln“, erklärt Arnold.

Nach knapp drei Jahren Klinikalltag zog es die Medizinerin zur Weiterbildung in eine Praxis für Allgemeinmedizin. „Bereits im Studium reizte mich das Fach. Deshalb verbrachte ich auch meine erste Famulatur in einer Landarztpraxis in Rheinland-Pfalz.“ Nach diesem Monats-Praktikum war für die Medizinstudentin klar, dass sie Hausärztin werden wollte: „Besonders gefallen hat mir dabei das breite Spektrum an Patienten vom Kind bis zum Senior, die vielfältigen Krankheitsbilder und die langjährige Betreuung der Patienten.“

So kann die Ärztin sich gut vorstellen, später mit einem oder mehreren Kollegen eine Landarztpraxis zu führen. Ganz alleine möchte sie das hingegen nicht wagen, dafür ist die Arbeitsbelastung in einer solchen Praxis einfach zu hoch.

Um Ihrem Ziel näher zu kommen, muss Arnold zunächst die zwei Jahre Ausbildung in Neuenkirchen absolvieren, danach kommen noch drei Monate einer anderen Fachrichtung. Anschließend kann sie sich zur Facharztprüfung melden. Hat sie die bestanden, darf sie sich „Fachärztin für Allgemeinmedizin“ nennen und als solche niederlassen.

„Die Praxis in Neuenkirchen ist eine typische Landarztpraxis, wie ich sie mir auch für meine berufliche Zukunft vorstellen kann. Kolleginnen und Kollegen haben mir nur Gutes über die Praxis berichtet. Außerdem hat Dr. Feldbrügge schon früh aktiv Kontakt zu mir aufgenommen und über seine Arbeit berichtet“, erläutert Arnold ihre Beweggründen, ausgerechnet im kleinen Neuenkirchen tätig zu werden. Zudem habe sie der zusätzliche Schwerpunkt für Palliativmedizin gereizt und auch die Mitbetreuung von Pflegeeinrichtungen waren für sie von Interesse.

Dennoch war es eine erhebliche Umstellung von der Klinik in die Hausarztpraxis, unterscheidet sich das Arbeiten dort doch sehr von der klinischen Arbeit: „Neben bürokratischen Hürden musste ich mich auch daran gewöhnen, dass das Patientenkollektiv völlig gemischt und nicht fachlich vorsortiert ist. So kann man an einem Vormittag mit Krankheitsbildern aus einer Vielzahl von Fachgebieten konfrontiert sein“, so Arnold. Inzwischen hat sie sich jedoch eingelebt: „Die gute Zusammenarbeit im Team und das geduldige Beantworten meiner vielen Fragen haben es mir leicht gemacht.

Auch die meisten Patientinnen und Patienten waren sehr aufgeschlossen und natürlich interessiert, wie die neue Ärztin „so tickt“. „Manchmal war auch einige Überzeugungsarbeit nötig, um eine Vertrauensbasis schaffen zu können. Allgemein sind die Patientinnen und Patienten auch schon gewohnt, dass von Zeit zu Zeit eine neue Assistenzärztin oder ein neuer Assistenzarzt in die Praxis kommt. Das hat mir den Anfang erleichtert“, erläutert „die Neue“ im Team.

Die größte Herausforderung lag für sie darin, rasch eine vertrauensvolle Verbindung zu den Patientinnen und Patienten aufzubauen, denen sie völlig fremd war: „Zudem wurde ich mit Krankheitsbildern konfrontiert, die ich bislang noch nicht behandelt hatte. Da musste ich manches Mal meine Kollegen oder die Literatur befragen. Auch die Corona-Pandemie spielte - besonders im Rahmen der infektiologischen Sprechstunde - eine große Rolle. Die Sorgen und die Verunsicherung der Patienten in dieser Zeit stehen bei vielen Gesprächen im Vordergrund.“

Nach drei Monaten Arbeit in der Praxis ist Jana Anold sich sicher: „ich kann mir sehr gut vorstellen, langfristig als Hausärztin im Heidekreis tätig zu sein.“

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