Sicherheitsabstand einhalten

ADFC wirbt derzeit in Neuenkirchen für die „nötige Distanz“

Sicherheitsabstand einhalten

Autofahrer und Radler haben nicht immer das beste Verhältnis, wobei es zumeist die Fahrradfahrer sind, die im Straßenverkehr den kürzeren ziehen - bis hin zu schweren Unfällen. Da erscheint es durchaus sinnvoll, beide auf seitlicher Distanz zu halten. Ganz in diesem Sinne wirbt der ADFC-Kreisverband Heidekreis derzeit in Neuenkirchen auf Bannern mit der Aufschrift „Sie fahren mit 1,5 Metern Abstand am besten … immer“.

Schon Ende Februar 2020 hatte der Allgemeinde Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) gemeinsam mit seinen Mitstreitern Fahrschule Brunkhorst, Volksbank Lüneburger Heide und Verkehrswacht Soltau diese Kampagne in der Böhmestadt gestartet (HK berichtete): Über mehrere Wochen waren die Banner über die Haupteinfahrtsstraßen der Stadt gespannt. Corona verlangsamte dann die weiteren Aktivitäten ein wenig, und so konnte der ADFC nicht gleich ein neues Ziel ins Auge fassen. „Zudem mussten die Banner, die von einem Sturm in Mitleidenschaft gezogen worden waren, erst einmal repariert werden“, berichtet ADFC-Pressewart Bernhard Matthies.

Jetzt also ist Neuenkirchen an der Reihe. Dort sind die Banner in Absprache mit der Gemeinde an der Abzweigung der B 71 in die Delmensener Dorfstraße, in der Visselhöveder Straße bei Edeka-Meyer und in der Frielinger Straße am Schützenplatz angebracht - allerdings nicht über der Fahrbahn, sondern am Straßenrand, auf zwei Bauzaunelement gespannt.

Mit dieser Kampagne appelliert der ADFC allerdings nicht unbedingt nur an den guten Willen von Pkw- und Lkw-Fahrern. Vielmehr macht er damit vor allem auf die neue Straßenverkehrsordnung (StVO) aufmerksam, die seit dem 28. April 2020 gilt. Und diese StVO-Novelle schreibt vor, dass Kraftfahrzeuge innerorts beim Überholen nicht nur von Fahrrädern, sondern auch von Fußgängern und E-Scootern einen Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten müssen. Außerorts erhöht sich der vorgeschriebene Seitenabstand auf zwei Meter.

Dazu Matthies: „Mit den Bannern möchten wir die Autofahrer sensibilisieren und daran erinnern, dass sie diesen Abstand einhalten müssen.“ Diese Regel, so der Pressewart weiter, sei nämlich noch lange nicht jedem bewusst.

Bisher mussten überholende Kraftfahrzeuge nur einen „ausreichenden Seitenabstand“ halten, was sich angesichts der heutigen Verkehrsverhältnisse in der Praxis offenbar als unzureichend erwiesen hat.

Sicherlich sind in gefährlichen Situationen und bei Unfällen nicht immer nur die Autofahrer schuld, doch der Radler oder die Radlerin braucht als „schwacher“ Verkehrsteilnehmer besondere Rücksicht. Schließlich ist das Fahrrad einspurig und damit auch anfällig etwa gegen Wind. Aber auch Unebenheiten oder Schlaglöcher können den Weg des Rades beeinflussen. Und wenn in einer solchen Situation ein Auto mit zu geringem Abstand überholt, kann das gravierende Folgen haben.

Doch es ist auch die schiere Menge der „Drahtesel“ im Straßenverkehr, die wirksamere Maßnahmen erfordert, denn es gibt immer mehr Radlerinnen und Radler - nicht zuletzt auch durch die stark wachsende Zahl der Pedelecs (nicht zu verwechseln mit dem schnellen E-Bike).

Diese Entwicklung hat sich leider auch in den Unfallzahlen niedergeschlagen: Im Jahr 2017 wurden in Niedersachsen 48 Radfahrer, davon 13 mit Pedelec, tödlich verletzt. Schwer verletzt wurden 1.230, davon 1.098 mit Fahrrad und 132 mit Pedelec. Die Zahl der Leichtverletzten lag bei 7.704 mit 7.228 Rad- und 476 Pedelecfahrern. Im Jahr 2018 waren 60 Tote zu beklagen, davon 41 Fahrradfahrer und 19 Pedelecfahrer. Schwer verletzt wurden insgesamt 1.376 - neben den 1.158 Radfahrern auch 218 Pedelecfahrer. Und die Zahl der Leichtverletzten stieg auf 8.501 mit 7.689 Radlern und 812 Pedelecfahrern.

Um hier die Straßen für alle sicherer zu machen, gibt es noch weitere neue Regeln: So dürfen Kraftfahrzeuge über 3,5 Tonnen, etwa Lkw und Busse, die innerorts rechts abbiegen, auf Straßen, auf denen mit Rad- oder Fußgängerverkehr gerechnet werden muss, nur noch Schrittgeschwindigkeit fahren. Und ein neues Verkehrsschild besagt, dass Zweiräder nicht überholt werden dürfen.

Der ADFC-Kreisverband möchte hier mit seiner Aktion zu einem sichereren Miteinander beitragen. So weisen die Banner in Neuenkirchen noch bis Ende Oktober auf die Abstandsvorschrift hin. Anschließend, so Matthies, „werden wir sie wieder in Soltau positionieren, später dann vielleicht auch noch in anderen Gemeinden.“

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