Eine ungewöhnliche Betonfläche am Ortsrand von Neuenkirchen wird zur neuen Erinnerungslandschaft: Am Freitag, dem 28. August, um 18 Uhr wird das gemeinsam mit dem Hamburger Künstler Marcel Große entstandene Kunstprojekt eingeweiht. Beteiligt waren elf Jugendliche aus Taiwan, Armenien, Großbritannien, Spanien, Mexiko, der Türkei, der Ukraine und Russland.
Mitten in einer Wiese liegt eine kreisrunde Betonfläche mit einem Durchmesser von 16 Metern. Sie war ursprünglich das Fundament einer Kunstinstallation von Valerij Bugrov, die vor zwei Jahren abgebaut wurde. Statt das ungewöhnliche Relikt aus der Landschaft zu entfernen, wurde der Ort nun neu künstlerisch aktiviert.
Im Mittelpunkt des Projekts standen Fragen nach Erinnerung, Verschwinden und den Spuren, die Menschen und Geschichten an Orten hinterlassen. Gemeinsam mit Marcel Große setzten sich die Jugendlichen zunächst mit eigenen Erfahrungen, Erzählungen und Recherchen auseinander. Dabei ging es sowohl um Orte des Verschwindens als auch um persönliche und gesellschaftliche Formen des Erinnerns.
Aus dieser Auseinandersetzung entwickelten die Jugendlichen eigene Figuren und Symbole. Ihre Zeichnungen wurden auf die Betonfläche übertragen und anschließend mit Handwerkszeugen direkt in den Beton eingraviert. Die dabei verwendete Technik orientiert sich an historischen Petroglyphen – und bildet zugleich einen bewussten Gegenpol zur digitalen Flüchtigkeit der Gegenwart.
So ist ein vielstimmiges Kunstwerk entstanden, in dem persönliche Erinnerungen, unterschiedliche kulturelle Perspektiven und die Geschichte des Ortes zusammenkommen. Die Motive der Jugendlichen werden zu dauerhaften Spuren in der Landschaft und geben der ehemaligen Betonfläche eine neue Bedeutung.
Marcel Große ist für Skulpturen und Rauminstallationen bekannt, die häufig an wissenschaftliche Versuchsanordnungen erinnern und Verbindungen zwischen Kunst und Naturwissenschaft herstellen. Beim gemeinsamen Kunst-Workcamp wurde dieser experimentelle Ansatz mit den persönlichen Geschichten und Ideen der Jugendlichen verbunden.
Das Kunst-Workcamp wurde in Zusammenarbeit mit den Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten (ijgd) organisiert.
Zur Einweihung sind alle Interessierten eingeladen. Sie können den neuen Kunstort kennenlernen und die entstandenen Arbeiten gemeinsam mit den Beteiligten entdecken. Eine Parkmöglichkeit befindet sich auf dem Wanderparkplatz bei der Skulptur „ankommen“ an der Bundesstraße 17 – von Soltau kommend kurz vor Neuenkirchen. Von dort ist die Kunstfläche in wenigen Schritten zu Fuß erreichbar.
Das Projekt wird unterstützt vom Lüneburgischen Landschaftsverband, der EWE-Stiftung sowie dem Rotary-Club Walsrode und dem Rotary-Club Hannover Leineschloss.