„Umfragebasiertes Neonbett“

Installation „What I Never Thought“ von Verena Issel geht auf eine Umfrage unter den Bewohnern des Heidedorfs Neuenkirchen und den Mitgliedern des Kunstvereins zurück

„Umfragebasiertes Neonbett“

Leuchtend schwingen sich die Umrisse eines rosa Kopfkissens und einer Bettdecke über die Scheunenwand des Kunstvereins Springhornhof in Neuenkirchen, daneben ist auf den Doppelflügeln der Eingangstür ein aufgeschlagenes Buch in Hinterglasmalerei zu sehen. Die Installation „What I Never Thought (umfragebasiertes Neonbett)“ von Verena Issel geht auf eine Umfrage unter den Bewohnern des Heidedorfs und den Mitgliedern des ländlichen Kunstvereins zurück.

Die Künstlerin erkundigte sich per Mailing, Facebook und Zeitungsaufruf nach nervigen Situationen, die Menschen in Zeiten der Corona-Pandemie unverhofft vermissen (HK berichtete). Einige der Antworten wie „Die stinkenden kleinen Freunde meines Sohnes“, „ergebnislose Besprechungen“, „Enkel, die einem die Luft abdrücken“ können Interessierte nun außen am Domizil des Kunstvereins nachlesen. Die ehemalige Pastorin des Ortes, die mittlerweile in Mailand lebt, vermisst „Das Waschen der Bettbezüge, nachdem Besuch da war und man eigentlich eher die Nächte durch geredet anstatt geschlafen hat.“ Damit lieferte sie das Motiv der Neonbettwäsche, die am schönsten bei einem Spaziergang in der Dämmerung zu erleben ist.

„Selbstverständlich sehnt man sich während eines Lockdowns nach Feiern mit vielen Menschen, nach Restaurantbesuchen, nach Fernreisen – man vermisst aber auch viele Dinge, von denen man selber nie gedacht hätte, dass man sie jemals vermissen würde“, schreibt Verena Issel über ihre Installation. Und weiter: „Vielleicht ist es eine schöne Idee, sich diese Gedanken mitzunehmen, als eine Aufwertung und Wertschätzung der kleinen und großen Dinge, die wir immer für selbstverständlich gehalten haben, die ein normaler Teil des Alltags waren und die uns jetzt so besonders und weit entfernt und exotisch erscheinen.“

Vom 17. April bis 13. Juni 2021 zeigt der Kunstverein Springhornhof in der Ausstellung „Klapp Klapp“ weitere Arbeitender Künstlerin. Issel ist bekannt für ihre vielteiligen, teils begehbaren Szenarien aus Objekten, Filmen, Zeichnungen und Wandmalereien, deren gesellschaftspolitische und kulturhistorische Bezüge trotz ihrer bunten Verspieltheit eine eindringliche Ernsthaftigkeit entfalten können.

Issel wurde 1982 in München geboren und ist in Norwegen aufgewachsen. Sie hat Freie Kunst und klassische Philologie in Hamburg studiert und lebt heute in Berlin. Arbeitsaufenthalte führten sie unter anderem nach Russland, Taiwan, Südkorea, Japan, Litauen und Papua-Neuguinea.

Die Volksbühne Berlin, das Zarya Center for Contemporary Art in Russland, die Trafo-Kunsthall in Norwegen, der Westfälische Kunstverein / LWL Museum Münster und der Kunstverein Jesteburg widmeten ihr Einzelpräsentationen. Im Jahr 2020 war Verena Issel Gastprofessorin an der HfbK Hamburg.

Die Ausstellung und die Ausseninstallation werden gefördert durch das Land Niedersachsen, die Stiftung Niedersachsen und den Lüneburgischen Landschaftsverband.

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