„Kulturlandschaft massiv gefährdet“

Geplante Neufassung der NSG-Verordnung: Kritik am Landkreis Harburg

„Kulturlandschaft massiv gefährdet“

Harsche Kritik am Landkreis Harburg gibt es von Seiten des VNP und zweier Bürgerinititativen. Die Kritik bezieht sich auf das Vorgehen des Landkreises im Rahmen der Neufassung der Naturschutzgebiets-Verordnung für das Naturschutzgebiet (NSG) Lüneburger Heide. „Im Beteiligungsverfahren von betroffenen Behörden und Verbänden ist es zu einem Vorgehen des Landkreises Harburg gekommen, das den Erhalt der historischen Kulturlandschaft rund um den Wilseder Berg nicht nur infrage stellt, sondern massiv gefährdet“, heißt es in einer Pressemitteilung der VNP Stiftung Naturschutzpark. Auch zwei „Bürgerinitiativen für wolfsfreie Dörfer“ sehen die Gefahr.

Stein des Anstoßes ist ein Passus im Entwurf zur Begründung für die neu zu fassende Naturschutzgebiets-Verordnung, der auf Bestreben der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Harburg unter Paragraph 3 „Schutzwürdigkeit und Schutzbedarf“ eingefügt wurde: „Sofern es zu Zielkonflikten zwischen der Weidetierhaltung und anderen Zielen des Naturschutzes oder Gesetzesgrundlagen wie beispielsweise dem Artenschutzrecht kommen sollte, müsste das Ziel der Nachahmung der Heidebauernwirtschaft gegebenenfalls zurückstehen. Beispielsweise ist es nicht Zweck der Verordnung, eine Wolfsentnahme durch die Erhaltung der Heidebauernwirtschaft zu rechtfertigen.“

Die VNP-Stiftung warnt: „Ohne die Landschaftspflege mit insgesamt acht Heidschnuckenherden sowie mit Robust-Pferde- und Rinderrassen im Naturschutzgebiet ist der Erhalt der historischen Kulturlandschaft nicht umsetzbar. Wenn der genannte Passus Einzug in die Begründung der NSG-Verordnung erhalten sollte, ist diese Form der Landschaftspflege durch die VNP Stiftung und private Heidschnuckenhalter kaum länger aufrecht zu erhalten.“ Und weiter: „Wie zahlreiche Beobachtungen und Angriffe von Wölfen auf am Tage gehütete Heidschnucken im Naturschutzgebiet oder der Riss eines „Dülmener“ Fohlens vor einigen Wochen vermutlich durch Wölfe belegen, ist der Druck auch auf die VNP Stiftung mittlerweile an der Grenze des Zumutbaren angekommen. Der niedersächsische Umweltminister Lies hat dies erkannt und ist bestrebt, mit der gezielten Entnahme von Einzelwölfen zu handeln.“

Auch die „Bürgerinitiativen für wolfsfreie Dörfer“ aus dem Raum Uelzen und Celle haben sich zu dem Thema zu Wort gemeldet: „Mit Befremden haben wir die Informationen gelesen“, heißt es in einer Pressemitteilung von Anne Friesenborg und Günther Winkelmann als Sprecher der beiden Initiativen. „Die Schutzziele in der noch gültigen Verordnung dürfen nicht verändert werden“ lautet ihre Forderung und auch sie weisen darauf hin, dass die unter Schutz stehende Heidelandschaft ohne Beweidung durch Schafe und Ziegen nicht erhalten werden könne: „Der Schutz des Wolfes in der vorgesehenen Form würde die bestehende Landschaftsform mit den dort bestehenden Schutzzielen gefährden oder zerstören.“ Die Beweidung der Heide in freier Hut als essentieller Teil der extensiven Bewirtschaftung sei aufgrund der zunehmenden Tagaktivität und abnehmender Scheu der Wölfe aus Tierschutzgründen nur noch bedingt vertretbar, wenn nicht kurzfristig Maßnahmen ergriffen würden, die zu Verhaltensänderungen der Wölfe führten „von der gezielten Vergrämung bis hin zur Entnahme.“

„Die Lüneburger Heide ist ein ganz besonderes Erholungsgebiet für viele Menschen aus Stadt und Land. Vergessen werden darf nicht, dass dieses Gebiet gerade mit dem Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region darstellt. Wölfe genießen den höchsten Schutzstatus und sollten/müssen in der Neuverordnung keine Erwähnung finden“, so die Unterzeichner.

Aus Sicht der VNP Stiftung wird der Landkreis Harburg seiner eigentlichen Aufgabe nicht gerecht: Es sei „völlig inakzeptabel, wenn die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Harburg Aufgaben wahrzunehmen scheint, die der EU, dem Bund und dem Land Niedersachsen obliegen. Dieses Vorgehen kritisiert die VNP Stiftung Naturschutzpark auf das Schärfste, stellt es doch den Erhalt sowie den Schutzzweck des Naturschutzgebietes Lüneburger Heide grundsätzlich infrage – und den Schutzzweck durch das EU-Diplom, welches der VNP im Jahr 1967 für das Naturschutzgebiet als Erstes in der Bundesrepublik Deutschland erhalten hat.“

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