Polizisten hoch zu Ross, Sanitätsreiter und radelnde Naturwächter

Haupt- und Ehrenamtliche im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide unterwegs

Polizisten hoch zu Ross, Sanitätsreiter und radelnde Naturwächter

Erst kürzlich ist es passiert: Ein älterer Herr brach bei seinem Spaziergang durchs Naturschutzgebiet Lüneburger Heide zusammen. Er hatte bei großer Hitze viel zu wenig getrunken, ein Kreislaufkollaps war die Folge. Um bei Fällen wie diesem schnell helfen zu können, sind auch in diesem Jahr wieder Sanitätsreiter vom Kreisverband Harburg der Johanniter-Unfall-Hilfe in der Heide unterwegs, überwiegend im nördlichen Teil des Naturschutzgebietes. Zumindest Erste Hilfe können auch die insgesamt neun Mitarbeiter der VNP-Naturwacht leisten, zumal sie allesamt eine entsprechende Ersthelferausbildung absolviert haben. Sie sind allerdings nicht hoch zu Ross „im Einsatz“, sondern mit eigenen Fahrrädern. Auf Pferdestärken setzten hingegen die Freunde und Helfer, die ebenfalls in der Heide nach dem Rechten sehen: die Beamten der Polizeireiterstaffel Hannover. Es hat schon Tradition, dass die VNP-Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide die Sanitäter und Polizisten mit ihren Vierbeinern sowie die Naturwächter zum Auftakt der Heideblütensaison vorstellt. Am vergangenen Freitag war es wieder soweit.

Zwar bietet die blühende Heide direkt neben der VNP-Geschäftsstelle in Niederhaverbeck ohnehin eine tolle Kulisse für das obligatorische Pressefoto, doch Ralf Bachmann sorgte mit seiner Heidetaler Heidschnuckenherde für das i-Tüpfelchen. Kaum hatten sich alle Protagonisten mit dem erforderlichen Corona-Abstand für die Medienvertreter aufgestellt, da sorgte der hervorragend ausgebildete Hütehund des VNP-Schäfers für den passenden Hintergrund, in dem er die Schnucken und Ziegen routiniert an die richtige Stelle dirigierte.

Zuvor hatte Marc Sander, kaufmännischer Leiter der VNP-Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide, die Beteiligten und Gäste auf dem Gelände der VNP-Geschäftstelle in Niederhaverbeck begrüßt. „Die Heideblüte hält sich ans Drehbuch“, freute sich Sander mit Blick auf die in der Sonne in hellem Violett leuchtende Pracht. Weil es in den ersten Sommerwochen ergiebige Regenfälle gegeben habe, seien bislang kaum Trockenschäden zu beklagen: „Die Heide blüht sehr gut.“ Dabei dürfe jedoch nicht vergessen werden, „dass dies keine Selbstverständlichkeit ist, sondern das Produkt harter Arbeit.“ Einen wichtigen Beitrag neben Maßnahmen wie Plaggen und Entkusseln leisteten dabei die VNP-Schäfer mit ihren Herden.

Zur Zeit der Heideblüte ist das imposante Farbenspiel ein zusätzlicher Publikumsmagnet, die Zahl der Besucher steigt im Vergleich zum Rest des Jahres deutlich. Aber nicht alle Gäste verhalten sich so, wie sie es sollten. Und hier kommenden die radelnden Naturwächter ins Spiel. Sie achten auf die Einhaltung der ganzjährigen Anleinpflicht für mitgeführte Hunde sowie des Fahrverbotes für Kraftfahrzeuge im Naturschutzgebiet. Ebenso haben sie ein Auge darauf, dass kein Feuer gemacht wird und die Besucher die öffentlichen Wege nicht verlassen, damit die Natur ihre Ruhe hat. Apropos Ruhe: Diese werde zunehmend durch ferngesteuerte Fluggeräte gestört, berichtete Sander: „Drohnen sind hier aber nicht erlaubt. Sie sind für bodenbrütende Vogelarten eine Bedrohung, außerdem wird die Privatsphäre der anderen Besucher verletzt. Drohnen wollen wir hier nicht.“ Die Naturwächter kümmern sich also darum, dass die naturschutzrechtlichen Bestimmungen eingehalten werden. Außerdem stehen sie Einheimischen und Touristen mit Rat und Tat zur Seite, geben gern Informationen über Flora und Fauna sowie Land und Leute.

Einen guten Überblick über das Geschehen haben die Beamten der Polizeireiterstaffel Hannover, wenn sie auf ihren Dienstpferden in der Heide unterwegs sind. Zwei Zweierteams teilen sich den Dienst in der freien Natur - für Mensch und Tier eine willkommene Abwechslung zu den oft gefährlichen Einsätzen in der Großstadt. Bei Demonstrationen oder Fußballspielen etwa sind Zwei- und Vierbeiner großem Stress ausgesetzt, da geht es in der Heide doch weitaus entspannter zu. Während die Polizisten in Wilsede „stationiert“ sind, haben die Sanitätsreiter ihr Lager am Heide-Erlebniszentrum in Undeloh aufgeschlagen. Sie sind an den Wochenenden vor Ort und bringen jeweils ihre Privatpferde mit. Notärztin Dr. Ramona Gonsau zum Beispiel sitzt auf ihrem zwölf Jahre alten Hannoveraner „Ben Nevis“ fest im Sattel. An besonders heißen Tagen dürfte sie des öfteren gefordert werden, weil es immer wieder Spaziergänger und Radfahrer gibt, die nicht genug trinken, wie Martina Leffrang, Leiterin der Johanniter-Reiterstaffel des Kreisverbandes Harburg, betonte: „Zwei Liter Flüssigkeit am Tag sind bei solchen Temperaturen zu wenig.“

Dr. Jens Bülthuis zeigte sich erfreut, dass sich auch in dieser Saison „ein starkes Team“ um die Sicherheit der Heide-Besucher und um den Schutz der Natur kümmere: „Mit 1,2 Millionen Übernachtungen jährlich bei 6.500 Einwohnern sind wir ein touristisches Schwergewicht in der Lüneburger Heide“, so der Bispinger Bürgermeister. Zwar werde die Zahl der Übernachtungen wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr wohl geringer ausfallen, dennoch sei Bispingen mit zahlreichen Vermietern, Freizeitangeboten und touristischen Attraktionen auch in schwierigen Zeiten ein Publikumsmagnet. „Die Heide ist dabei der Motor, der uns hier alle weiterbringt“, unterstrich er. Als Tierarzt finde er es „großartig“, so Bülthuis weiter, dass die Dienstpferde aus der Großstadt in der Heide „eine Verschnaufpause“ bekämen. Dabei sei diese Abwechslung für die Vierbeiner durchaus auch eine Herausforderung, „weil sie das Pflastertreten gewohnt sind und ihre Sehnen im Heidesand anders belastet werden.“ Er hofft, dass das Naturschutzgebiet in den kommenden Wochen auch für die zahlreichen Einheimischen und Touristen wieder ein gutes Pflaster sein wird. Der Bürgermeister hob in diesem Zusammenhang das Engagement aller beteiligten Haupt- und Ehrenamtlichen hervor, ebenso „die enge Kooperation der Gemeinde mit dem VNP.“

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