Wenn sanftes Blöken erklingt, frisch geschorene Wolle durch geübte Hände gleitet und kleine Lämmer neugierig ihre Welt entdecken, dann ist Tag der Schnucke im Wildpark Lüneburger Heide. Am Sonntag, 7. Juni, von 12 bis 17 Uhr dreht sich im Wildpark in Nindorf-Hanstedt alles um eines der bekanntesten Tiere Norddeutschlands: die Graue Gehörnte Heidschnucke.
Die traditionsreiche Schafrasse wurde im Jahr 2026 zur „Gefährdeten Nutztierrasse des Jahres“ ernannt – ein Anlass, dem der Wildpark einen besonderen Thementag widmet. Direkt am Heidschnuckengehege erleben Besucherinnen und Besucher hautnah, warum die Schnucke weit mehr ist als nur ein Symboltier der Lüneburger Heide: Sie ist Landschaftspflegerin, Kulturgut und unverzichtbarer Teil eines einzigartigen Ökosystems.
Mit ihren genügsamen Ansprüchen und ihrem besonderen Fressverhalten hält die Graue Gehörnte Heidschnucke seit Jahrhunderten die Heideflächen offen. Sie verhindert die Verbuschung der Landschaft und schafft damit Lebensräume für seltene Pflanzen, Insekten und bodenbrütende Vögel. Ohne die Schnucke gäbe es die weiten lilafarbenen Heideflächen, für die die Region weltberühmt ist und die jährlich tausende Besucher anzieht, in ihrer heutigen Form kaum noch.
Die Tierpflegerinnen und Tierpfleger des Wildparks geben am Tag der Schnucke spannende Einblicke in Haltung, Pflege und Alltag der Tiere und beantworten Fragen rund um die besondere Schafrasse. Ein Höhepunkt des Tages ist die Live-Schur der Heidschnuckenherde, bei der Besucher erleben können, wie aus dichter Wolle ein wertvoller Naturrohstoff wird. Wie aus der Schnuckenwolle schließlich Garn entsteht, zeigt der Spinnkreis Soltau an historischen Spinnrädern. Hier darf nicht nur zugeschaut, sondern auch selbst ausprobiert werden – eine seltene Gelegenheit, traditionelles Handwerk mit allen Sinnen zu erleben.
Auch die Naturzusammenhänge der Heidelandschaft werden anschaulich vermittelt: Imker Martin Orthmann erklärt das faszinierende Zusammenspiel von Schnucke, Heidepflanzen und Bienen. Lehrgläser, Schautafeln und spannende Geschichten machen sichtbar, wie eng Beweidung, Blütenvielfalt und Honigproduktion miteinander verbunden sind. Zusätzliche Einblicke in die besondere Kulturlandschaft der Region bietet der Naturpark Lüneburger Heide. Für Kinder warten kreative Bastelstationen, kleine Mitmachaktionen und liebevoll vorgelesene Schnuckengeschichten, die Groß und Klein in die Welt der Grauen Gehörnten Heidschnucke entführen.
Der Frühsommer ist im Wildpark traditionell auch die Zeit des tierischen Nachwuchses – und so gibt es derzeit überall junge Bewohner zu entdecken. Besonders niedlich präsentieren sich die Heidschnucken-Lämmer, die neugierig über die Anlagen tollen. Aber auch zwei Rentierbabys sorgen aktuell für Begeisterung bei den Gästen. Darüber hinaus freut sich der Wildpark über Nachwuchs bei den Girgentana-Ziegen, beim Muffel-Wild und bei den Frettchen. Im Streichelgehege wuseln außerdem zahlreiche kleine Zwergziegen und Ouessant-Schafe umher und erobern die Herzen der Besucher im Sturm.