Wisent-Kalb ist topfit und erfreut Besucher und Tierpfleger

Jungtierzeit im Wildpark Lüneburger Heide

Wisent-Kalb ist topfit und erfreut Besucher und Tierpfleger

Tierbabys sind mal tollpatschig, mal scheu und dann wieder ganz frech. Eines haben sie gemeinsam: Sie begeistern Jung und Alt gleichermaßen. Mit Einzug des Frühlings füllen sich im Wildpark Lüneburger Heide in Nindorf-Hansted die Gehege mit Nachwuchs. Bei vielen Tierarten gibt es mal Einzelkinder und mal eine große Kinderstube zu entdecken. Gämsen, Schweine und Dachse haben zusammen mit den Wisenten den Anfang gemacht. Die Wisente, die auch als Europäische Bisons bezeichnet werden, waren vor rund 100 Jahren akut vom Aussterben bedroht. Durch die Bemühungen von Tierparks konnten zahlreiche Tiere erfolgreich nachgezüchtet und ausgewildert werden - in Deutschland lebt seit 2013 eine Herde im nordrhein-westfälischen Rothaargebirge.

Das erste von drei Mini-Wisenten - ein noch namenloses Weibchen - kam vor einigen Tagen zur Welt. „Früh morgens, pünktlich zum Dienstbeginn der Tierpfleger, begann die Geburt“, berichtet Obertierpfleger Lukas Feyen. Nach knapp 20 Minuten sei das Kälbchen auf der Welt gewesen und habe eine halbe Stunde später schon auf den eigenen Beinen gestanden. „Die ersten Schritte waren etwas wackelig, aber die Kleine ist topfit, hat sofort getrunken und ist bei bester Gesundheit“, freut sich Feyen.

Seit der ersten Minute weicht die Mutterkuh ihrem Nachwuchs nicht mehr von der Seite. Aber auch der Rest der Herde zeigt einen erstaunlichen Beschützerinstinkt. Selbst der mächtige Altbulle, der rund eine Tonne Gewicht auf die Waage bringt, nähert sich dem knapp 40 Kilo leichten Kalb zwar neugierig, aber mit der nötigen Vorsicht. Allein der zur Herde gehörende Jungbulle und eine Jungkuh erwiesen sich als ein wenig zu übermütig und müssen zur Sicherheit des Nachwuchses erstmal auf einer anderen Weide grasen. Bis das kleine Wisent-Mädchen ausgewachsen ist und sein Endgewicht von bis zu 500 Kilo erreicht hat, vergehen etwa drei Jahre.

„Das Schöne an unserer Wisent-Herde ist, dass alle Tiere wenig Scheu haben und sehr menschenbezogen sind“, sagt Lukas Feyen: „So können unsere Besucher den Nachwuchs aus allernächster Nähe beobachten und sich an dem Anblick erfreuen.“

Nicht selten sieht man den Altbullen mit den Vorderbeinen in der Futterraufe stehen, wie er sich mit seinem breiten Kopf mit der feuchten Nase und der fleischigen Zunge über die Absperrung streckt, um an frische Zweige und mit jungen Trieben zu kommen. Ein imposanter Anblick ist es, wenn sich die mächtigen Tiere auf den Boden werfen, ein Sandbad nehmen und ordentlich Staub aufwirbeln, denn zur Zeit „juckt ihnen der Pelz“. Die Wisente sind mitten im Fellwechsel und befreien sich so vom dicken Winterhaar.

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