„Büchertürmchen“ ein feuerroter Blickfang: Lesestoff zum Mitnehmen

Verein „Schönes Oerrel“ weiht neue „Tauschstation“ für Bücher ein

„Büchertürmchen“ ein feuerroter Blickfang: Lesestoff zum Mitnehmen

Es gab Zeiten, da standen sie fast an jeder Straßenecke: Telefonzellen. Doch im Zuge der Digitalisierung sie sind aus den Städten und Dörfern verschwunden. Wer jemanden anrufen möchte, fischt einfach das Mobiltelefon aus der Tasche, in Sekundenschnelle ist der gesuchte Kontakt angewählt. Vorbei die Zeiten, als sich die Verbindungssuchenden in den räumlich arg beengten öffentlichen Fernsprecher-Boxen durch zentimeterdicke Telefonbücher blättern mussten. Heute sind Telefonzellen ein Relikt aus vergangenen Zeiten, haben aber in der Welt der Fantasie Spuren hinterlassen. Comic-Held Clark Kent zum Beispiel nutzte sie als „Umkleidekabine“, um sich in Supermann zu verwandeln und Dr. Who aus der britischen Science- Fiction-Fernsehserie verwendete ein Exemplar als Raum-Zeit-Maschine. Apropos britisch: Telefonzellen aus dem Vereinigten Königreich sind bekannt für ihre rote Farbe. Eine solche „telephone box“ wird jetzt in der Munsteraner Ortschaft Oerrel an exponierter Stelle zweckentfremdet. Statt Münzfernsprecher und Telefonbüchern enthält sie nämlich interessanten Lesestoff zum Ausleihen und Austauschen, wartet sozusagen mit reichlich Literatur „to go“ auf.

„Büchertürmchen“ haben die Initiatoren des Vereins „Schönes Oerrel“ ihren kleinen kulturellen Leuchtturm genannt, um damit an den ehemaligen Feuerwehrturm zu erinnern, der rund fünf Jahrzehnte in unmittelbarer Nachbarschaft ein Hingucker war. Alle Beteiligten haben viel Herzblut und Arbeit in die „Mini-Bücherei“ gesteckt. Da bot es sich natürlich an, die Einweihung am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, zu feiern. Dazu begrüßte Werner Heidrich, 1. Vorsitzender des Vereins, Mitglieder, Helfer und Gäste, darunter Munsters Bürgermeisterin Christina Fleckenstein und Ortsbrandmeister Tobias Zerbe. Die Verwaltungschefin und der Vertreter der Feuerwehr hatten zur Feier des Tages Lesestoff mitgebracht, um das Angebot des „Büchertürmchens“ gleich zum Auftakt zu ergänzen. Nicht nur die Bürgermeisterin und Zerbe freuten sich über die neue Anlaufstelle für literaturliebende „Laufkundschaft“, auch Oerrels Ortsvorsteher Torsten von Scheffer zeigte sich begeistert und würdigte das Engagement aller, die sich in diesem kleinen, aber feinen Projekt engagiert hatten.

Die Idee, in der Ortschaft eine Büchertauschstelle einzurichten, gab es schon seit längerem. Zunächst war ein Bauwagen als „Tauschzentrale“ im Gespräch, doch dann bot sich die Gelegenheit, eine alte Telefonzelle der früher in Munster stationierten britischen Garnison umzufunktionieren.

In Absprache mit der Feuerwehr wurde zunächst der Standort festgelegt, dann wurde die Telefonzelle mit Hilfe des Bauhofes in die Ortschaft gebracht. Die Ehrenamtlichen bauten Regale in die „telephone box“ und hübschten das gute Stück mit einem frischen Anstrich auf. Zudem musste der Standort vorbereitet werden. Nach entsprechenden Pflasterarbeiten steht das „Türmchen“ jetzt sicher auf dem „Underground“, Anpflanzungen verschönern das Umfeld. So pflanzte Stefan Sorge, der im Projekt auch tatkräftig mit angepackt hatte, unter anderem zwei Kirschbäume.

Und so ist das „Türmchen“ in seinem gepflegten Umfeld nun ein Blickfang und bietet, wie auf den Scheiben der Telefonzelle zu lesen ist, „Bücher für alle“. Ob Krimi, Thriller, Liebesroman oder Kinderbuch - unter dem Motto „Bringen, leihen, lesen, tauschen“ können sich hier Schmökerfreunde jeden Alters mit Lesestoff versorgen und mit eigenen „Buchanlieferungen“ für ein sich stetig änderndes Angebot sorgen.

Einmal mehr haben die Mitglieder des Vereins „Schönes Oerrel“ (www.schönes-oerrel.de) unter Beweis gestellt, dass es sich lohnt, an einem Strang zu ziehen und dass es Spaß macht, ehrenamtlich gemeinsam etwas für „ihren“ Ort auf die Beine zu stellen. Weitere Veränderungen im Dorf werfen ihre Schatten voraus: „Vielleicht können wir im Jahr 2022 am Beginn des Wonnemonats unser Bürgerhaus einweihen“, so Ortsvorsteher von Scheffer.

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