Klimakönner im Embser Wald

Pflanzsaison im Forstamt Oerrel wird durch Schülerinnen und Schüler der Freien Waldorfschule Apensen unterstützt

Klimakönner im Embser Wald

In der zu den Niedersächsischen Landesforsten gehörenden Revierförsterei Wettenbostel, genauer im Waldgebiet Embsen, haben Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer in den vergangenen Jahren immer wieder kleine Lücken in den Wald gerissen. Vor allem war die Fichte betroffen, sie ist vorzeitig ausgefallen und hat Lücken im Waldgefüge hinterlassen. Bereits vor zehn Jahren hat Sönke Meyer, Leiter der Revierförsterei Wettenbostel, auf einer dieser kleinen Lichtungen von etwa einem halben Hektar Größe, mit gutem Erfolg Baumhaseln pflanzen lassen. Angrenzend daran pflanzten Schülerinnen und Schüler der Freien Waldorfschule Apensen Ende Februar auf einer kleinen Fläche 50 Edelkastanien. Die Schülerinnen und Schüler absolvierten zu der Zeit einen Jugendwaldeinsatz im Waldpädagogikzentrum Ostheide, im Haus Oerrel.

Baumhasel und Edelkastanie gelten als Baumarten, die gut an den Klimawandel angepasst sind. Waldbaulich könnten diese Baumarten daher zukünftig eine größere Rolle spielen. „Die in Embsen vorkommenden Standorte kommen beiden Baumarten sehr entgegen. Im Gegensatz zur Fichte, einer klassisch flachwurzelnden Baumart, sind sowohl die Edelkastanie als auch die Baumhasel Tiefwurzler, die stabile Pfahlwurzeln ausbilden. Das bedeutet eine bessere Durchwurzelung des Bodens, eine gute Erreichbarkeit von Wasser auch in tieferen Schichten und eine deutlich höhere Sturmfestigkeit. Außerdem lassen sich beide Baumarten gut in unsere hier bereits vorhandenen Mischwälder integrieren“, erklärt Sönke Meyer.

Er hat sich daher versuchsweise für die Pflanzung dieser Baumarten entschieden. Die Edel- oder Esskastanie gehört zur Familie der Buchengewächse. Sie ist nicht mit der in Deutschland häufiger vorkommenden Gewöhnlichen Rosskastanie verwandt. Es wird vermutet, dass sie von den Römern eingeführt und vor allem in den Weinbauregionen Südwestdeutschlands eingebürgert wurde. Der Baum ist in Norddeutschland noch relativ selten anzutreffen. Er kommt vor allem vereinzelt in wärmeren und milden Regionen wie der Rheinebene, an der Mosel und am Main vor, dort vor allem in Eichen-Mischwäldern.

Haselnusssträucher sind den Meisten bekannt. Weniger bekannt ist die mit der kleinen Hasel verwandte Baumhasel. Diese wächst zu einem richtigen Baum heran. „Die vor zehn Jahren hier gepflanzten Bäume haben teilweise heute bereits eine Höhe von bis zu acht Metern erreicht. Die Bäume gedeihen hier prächtig“, freut sich Meyer. „Die Baumhasel ist eine in Deutschland noch recht unbekannte Baumart. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom Balkan, über die Türkei und den Nordiran bis nach Afghanistan. Meist wächst sie dort einzeln oder in kleinen Gruppen eingemischt in Laubholzbeständen.“

Der Förster weißt noch auf eine Besonderheit der neu angepflanzten jungen Edelkastanien auf der Pflanzfläche hin: „Waldbesucher wundern sich vielleicht darüber, dass sie auf der Pflanzfläche merkwürdig aussehende Holzgebilde sehen aber keine frisch gepflanzten Bäume entdecken. Die jungen Edelkastanien wurden mit einem sogenannten Einzelschutz ummantelt, damit Rehe oder Hirsche die jungen Bäume nicht Abfressen oder sie mit ihrem Geweih beschädigen können. Damit sind die Bäumchen für ein paar Jahre gut geschützt. Und wir können auf den Bau eines Zaunes verzichten. Die vor zehn Jahren gepflanzten Baumhasel haben wir damals mit Einzelschutz aus Kunststoff geschützt. Das Plastik müssen wir in diesem Jahr abbauen und aufwendig entsorgen. Daher habe ich mich diesmal für einen unbehandelten, hölzernen Einzelschutz entschieden, der rückstandslos im Wald verrottet und keine Folgekosten verursacht“.

Meike Habermann, Leiterin des Waldpädagogikzentrums Ostheide freut sich, dass sie mit den derzeit im Haus Oerrel untergebrachten Schülerinnen und Schülern diese Arbeiten ausführen darf. Sie erklärt: „Seit mehr als 50 Jahren finden in unseren Waldpädagogikzentren sogenannte Jugendwaldeinsätze statt, die keine Klassenfahrten im herkömmlichen Sinne sind, sondern bei einem zweiwöchigen Aufenthalt sogar als Betriebspraktikum anerkannt werden. In wahlweise einen- oder zweiwöchigen Einsätzen bekommen sie Einblick in eine oft sehr fremde Arbeitswelt und lernen ihre Fähigkeiten auf ganz neue Weise einzusetzen.“

Mit der Begleitung und Unterstützung von Forstwirten lernen die Klassen am Vormittag in Kleingruppen den Wald als Arbeitsplatz kennen. So werden wie hier Bäume gepflanzt und geschützt, aber es werden im Oerreler Wald auch andere Arbeiten gemacht wie Hochsitze gebaut, Zäune aufgestellt, Kulturpflanzen gepflegt und vieles mehr. So kann ein nachhaltiges Naturverständnis bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern entstehen.

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