Ein Blaumann als „Schatz“

NDR zeigt alte Einsatzuniform einer der ersten Frauen bei der Feuerwehr

Ein Blaumann als „Schatz“

Anlässlich des 75-jährigen Landesjubiläums hat der NDR Niedersachsen die Programmaktion „Unser Schatz für Niedersachsen“ initiiert und das ganze Jahr über dazu aufgefordert, sich mit ganz persönlichen „Schätzen“ an der Aktion zu beteiligen. Eine, die sich daran beteiligt hat, ist Karin Berg aus Oerrel. Sie meldete ihren „Schatz“ – einen Blaumann – bei der NDR-Redaktion an. Das Besondere daran: Dieser Blaumann ist ihre ehemalige Feuerwehr-Einsatzuniform, die sie erstmals 1973/1974 angezogen hatte. Am kommenden Freitag, dem 8. Oktober, berichtet das NDR Fernsehen um 20.15 Uhr in der 90-minütigen Sendung „Unser Schatz für Niedersachsen“ über die von der Jury bewerteten und ausgewählten Schätze. Einer davon dürfte der „Blaumann“ von Karin Berg aus Oerrel sein.

Karin Berg ist nämlich eine von den neun Frauen, die 1974 aktiv in die Feuerwehr Oerrel eingetreten ist. Und das hatte es in Niedersachsen vorher noch nicht gegeben, auch weil es im damals noch geltenden Feuerschutzgesetz nicht vorgesehen war. Erst 1978 wurde diese Möglichkeit mit dem Inkrafttreten des neuen Brandschutzgesetzes ganz offiziell in Niedersachsen eingeführt. Wie ernst es den neun Frauen damals war, beweist die Tatsache, dass drei davon - Karin Berg, Ingrid Simontowski und Bärbel Brockmann - bis heute dabei geblieben sind und immer noch in der Altersgruppe mitmachen.

Warum die Frauen zuerst in Oerrel in Initiative ergriffen und sich darum bemüht haben, aktiv in die Freiwillige Feuerwehr einzutreten, hängt unter anderem mit der Orkankatastrophe vom 13. November 1972 zusammen. Der Orkan hatte auch in den Oerrel umgebenden Wäldern erhebliche Schäden angerichtet. Unzählige Bäume waren umgestürzt und lagen kreuz und quer in den Wäldern. Das Aufräumen erstreckte sich über mehrere Jahre, so dass ab 1973 in den Sommermonate eine sehr große Waldbrandgefahr bestand. Wie realistisch diese Gefahr in Niedersachsen war, wurde 1975 durch die Waldbrandkatastrophe auf dramatische Weise bestätigt.

Zehn Monate nach dem Orkan - im September 1973 - feierte die Freiwillige Feuerwehr Oerrel ihr 25-jähriges Bestehen. Der Tag wurde unter anderem mit den damals üblichen Feuerwehrwettkämpfen - heute oft als „Eimerspiele“ bezeichnet - begangen. Als besondere Einlage nahm an diesen „Eimerspielen“ eine rein weibliche Gruppe teil, die sich beachtenswert schlug. Den Frauen hatte nicht nur dieser erste öffentliche Auftritt gefallen, sondern auch das in den Wochen davor erforderliche Üben. Jetzt wollten sie dabei bleiben und wurden mit dieser Idee von ihren männlichen Kameraden unterstützt.

Aufgrund der damals hohen Waldbrandgefahr war auch das Dorf selbst gefährdet. Viele der aktiven Feuerwehrmänner arbeiteten auch seinerzeit schon auswärts, so dass tagsüber nicht immer ein schneller Einsatz der Oerreler Ortsfeuerwehr sichergestellt war. Dies wollten die Frauen nun durch ihren aktiven Dienst in der Feuerwehr sicherstellen. Und mit diesem Argument setzen sie sich zusammen mit den Feuerwehrführungskräften schließlich durch und wurden dabei auch von der Stadt Munster unterstützt. Am 17. Mai 1974 war es soweit. Die Damen-Gruppe der Feuerwehr Oerrel wurde offiziell gegründet. Vor diesem historischen Hintergrund hat sich Karin Berg mit ihrer ehemaligen Einsatzuniform als „Schatz“ an der Schatzsuche von NDR Niedersachsen erfolgreich beteiligt. In mehreren Etappen hat sie ihre Geschichte immer wieder den NDR-Reportern erzählt. Zuletzt am 23. August im Niedersächsischen Landesmuseum in Hannover. Dort präsentierte sie ihren Schatz vor laufender Kamera vor einer Jury, die sich aus der Direktorin des Niedersächsischen Landesmuseums, Professorin Katja Lembke, der Historikerin Professorin Dr. Gunilla Budde und dem „geborenen Niedersachsen“, Moderator und Komiker Wigald Boning zusammensetze.

Mit der Ausstrahlung der Sendung am 8. Oktober verbunden ist eine am gleichen Tag von Ministerpräsident Stephan Weil im Landesmuseum in Hannover eröffnete Ausstellung zum 75. Landesjubiläum, in der alle von der Jury ausgewählten „Schätze“ präsentiert werden. Darunter auch die erste Einsatzuniform von Karin Berg. Die Ausstellung ist für alle vom 9. Oktober 2021 bis zum 2. Januar 2022 jeweils dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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