Wenn Anni, Beeke, Franka und Flora beim Naturschutz in die Hufe kommen

Forstamt Oerrel setzt Vierbeiner zur Pflege der Örtze-Wiesen ein

Wenn Anni, Beeke, Franka und Flora beim Naturschutz in die Hufe kommen

Mehr als 15.000 Hektar Waldflächen bewirtschaftet das niedersächsische Forstamt Oerrel. Ein großer Teil der Forstamtsflächen sind als besondere Schutz- und Erholungsbereiche ausgewiesen. Es gibt mehr als 700 Hektar Naturschutzgebiete, knapp 400 Hektar Naturwälder, Waldschutzgebiete finden sich auf fast 1.700 Hektar, 970 Hektar sind Flora-Fauna-Habitat-Gebiete, 895 Hektar sind als Vogelschutzgebiete und 125 Hektar als Waldsonderbiotop deklariert. Neben ausgedehnten geschlossenen Waldflächen sind im Forstamtsbereich aber auch große waldfreie Flächen wie Grünland, Weiden, Acker- und Heideflächen zu finden. Außer den Naturwäldern müssen die Flächen allesamt gepflegt und bewirtschaftet werden.

Die Örtze-Wiesen liegen inmitten des Naturschutzgebietes „Tal der Kleinen Örtze“. In der Naturschutzgebietsverordnung wurde festgelegt, dass die Wiesen nach dem 1. August einmal jährlich gemäht werden müssen und das Mähgut von der Fläche zu schaffen ist. Vor dem Hintergrund des Insektensterbens und der Artenverarmung ist es das erklärte Ziel des Forstamtes, auch die Örtze-Wiesen durch angepasste Bewirtschaftungsmethoden weiter ökologisch aufzuwerten. Da die Wiesen stets sehr nass sind, ist das Befahren mit schweren Maschinen nur bei extremer Trockenheit oder starkem Frost möglich, sonst würden tiefe Fahrspuren entstehen. Das Forstamt Oerrel will durch den Pferdeeinsatz auf den 4,5 Hektar großen Wiesen das Bodenrelief schonen. Die Pferdegespanne leisten alleine dadurch bereits einen wichtigen Beitrag im Sinne des Naturschutzes.

Welf Einhorn, Leiter der Revierförsterei Lintzel erklärt: „Mit Blick auf den Pferdeeinsatz hier in der Grünlandpflege möchte ich betonen, dass wir einige für den Naturschutz sensible Bereiche haben. Dort ist der Einsatz von Pferden eine sinnvolle Alternative zum Maschineneinsatz. Die mit den Pferden zu bearbeitenden Grünflächen sind besondere Lebensgemeinschaften, auf denen seltene Amphibien, Insekten und Wildbienen leben. Das Mähen der Flächen im Pferdetempo erfolgt viel langsamer, die Tiere der Wiesenlebensgemeinschaft haben so bei der Mahd gute Überlebenschancen und Möglichkeiten zur Flucht oder zum Ausweichen. Ich habe während der Mahd beobachtet, wie Eidechsen, Wildbienen und Grashüpfer in aller Ruhe vor dem Balkenmähwerk flüchten konnten. Dies wäre bei einem schnellen Schlepper durch die Sogwirkung des Kreiselmähers oft nicht möglich gewesen. Wir möchten damit unseren Betrag dazu leisten, dem aktuell grassierenden Insekten- und Bienensterben entgegen zu wirken“.

Der Einsatz von Arbeitspferden wie Anni und Beeke sowie Franka und Flora im Wald ist auf Sonderaufgaben beschränkt; im Bereich des Naturschutzes in sensiblen Bereichen haben die Arbeitspferde im Vergleich zu modernen Maschinen echte Vorteile.

Peter Hagel, Landwirt aus Vahlde, der die Arbeiten im Forstamt Oerrel gemeinsam mit seinem Kollegen Matthias Ahrens übernommen hat, erklärt: „Die Pferde verdichten und verwunden den Boden weniger als schwere Maschinen und sie verbrauchen keine fossilen Brennstoffe, die bei Unfällen ins Erdreich gelangen könnten. Und mir ist der Aspekt wichtig, dass die Arbeit mit Pferden ein Kulturgut ist. Nicht nur die Arbeitspferde selbst, sondern auch das Wissen, wie man mit ihnen arbeitet, gilt es für nachfolgende Generationen zu erhalten.“

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