Kirchengemeinden wollen Energie sparen

Projekt „Winterkirche“ und weitere Maßnahmen im Kirchenkreis Rotenburg

Kirchengemeinden wollen Energie sparen

Das Weihnachtsfest ist vorüber, das neue Jahr steht vor der Tür. Da wird es wieder ruhiger in den Kirchen und viele Gemeinden im Kirchenkreis Rotenburg starten in die sogenannte „Winterkirche“: Aus Verantwortung gegenüber den gestiegenen Energiekosten und angesichts der Klimakrise bemühen sich alle Kirchenvorstände darum, Wasser, Strom und Gas einzusparen. In den bevorstehenden kalten Monaten werden viele Gemeinden deshalb aus ihren alten Kirchengemäuern in effizienter beheizbare, kleinere Räume umziehen. „Winterkirche“ nennen sie dieses Konzept.

In Neuenkirchen beispielsweise hat man damit schon seit vielen Jahren Erfahrung. Vom 8. Januar bis Gründonnerstag, 6. April, geht es in den großen Saal des Gemeindehauses. „Während der Corona-Krise mussten wir zwei Jahre damit aussetzen, um die größeren Abstände zwischen den Menschen einhalten zu können. Nun ist die Hoffnung, dass Corona dies nicht mehr erfordert“, sagt Pastorin Maren Zerbe. Sie mag diese besonderen Gottesdienste, in denen der morgendliche Sonnenschein den Raum und die Menschen im Gemeindesaal mit Licht durchflutet.

Auch Johanna Schröder, Pastorin in der Scheeßeler St.-Lucas-Gemeinde, freut sich auf die Winterkirche, die zwischen dem 31. Dezember und 19. März in der Friedhofskapelle an der Peterstraße geplant ist. „Andere Orte sind eine Chance, die Gottesdienste anders zu gestalten. Der Raum bietet Nähe untereinander und andere Blickwinkel“, sagt die Theologin. „Gute Entdeckungen im gottesdienstlichen Leben“, erhofft sich Pastor Harm Cordes durch den Umzug ins Gemeindehaus. Seine Peter-und-Paul-Gemeinde in Schneverdingen geht vom 2. Januar bis 31. März in die Winterkirche. Manche Gemeinden ziehen nur für einen oder zwei Monate in andere Räume. Die genauen Zeiten sind in den jeweiligen Gemeindebriefen nachzulesen. Darüber hinaus gibt es auch Gemeinden, die aus verschiedenen Gründen keinen Umzug planen. Dazu gehört beispielsweise die Michaelsgemeinde in Rotenburg. Dort gibt es aufgrund der baulichen Einheit von Gemeindehaus und Kirchengebäude keine Möglichkeit, den einen Teil weniger zu heizen als den anderen, denn sonst würde eine Kältebrücke entstehen. „Wir heizen den ganzen Komplex derzeit auf 16 Grad. Diese Temperatur herrscht auch bei Gottesdiensten und Veranstaltungen“, sagt Pastor Christian Relius.

Ebenfalls in ihrer Kirche bleiben die Finteler. Im Rahmen des Neubaus des Hauses der Begegnung vor rund zehn Jahren wurde sowohl im Gemeindehaus als auch in der St.-Antonius-Kirche auf Wärme aus einer Biogas-Anlage umgestellt. „Das zur Verfügung stehende Kontingent wird nicht einmal ausgeschöpft“, sagt Pastorin Andrea Zickler. Auch die Kirchengemeinde in Ahausen deckt ihre Wärme zum Teil durch Biogas.

Insgesamt drehen die Kirchenvorstände an vielen kleinen und großen Stellschrauben, um Energie zu sparen. Niedrigere Temperaturen in den Räumen und kaltes Wasser an den Waschbecken gehören dabei genauso dazu wie Biogas und Fernwärme. So plant die Kirchengemeinde Lauenbrück, ihren Gebäudebestand an das im Ausbau befindliche lokale Fernwärmenetz anzuschließen. In Kirchwalsede wird im kommenden Jahr im Pfarrhaus eine Hohlwandisolierung eingebracht. „Dafür gab es bisher kein geeignetes Material. Nun sind wir fündig geworden“, berichtet Pastor Hermann Detjen.

Superintendent Michael Blömer freut sich über die vielfältigen Bemühungen in den Kirchengemeinden. „Die Mitglieder der Kirchenvorstände haben wirklich eine große Verantwortung – für die Umwelt und für den Gebäudebestand in ihren Gemeinden.“ Da ist viel bautechnisches Wissen und Umsicht gefordert. Beispielsweise reagieren Orgeln sehr empfindlich auf schnell und stark schwankende Luftfeuchtigkeit. Auch Bilder und Altäre gilt es zu schützen. Die Energiesparmaßnahmen müssen deshalb in jeder Kirchengemeinde den individuellen Gegebenheiten angepasst werden. „Wir sind da auf einem guten Weg, aber noch nicht am Ende“, sagt Blömer.

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