Pfarrstellen bleiben erhalten

Kirchenkreissynode Rotenburg gibt Richtung für Jahre 2023 bis 2028 vor

Pfarrstellen bleiben erhalten

Neues gibt es aus dem Kirchenkreis Rotenburg, zu dem auch Neuenkirchen und Schneverdingen gehören: „Nach einem Jahr Beratungsprozess mit Diskussionen in zahlreichen Gremien, Ausschüssen und Arbeitsgruppen hat die Kirchenkreissynode Rotenburg die Weichen für die zukünftige Ausrichtung der kirchlichen Arbeit gestellt. Konzepte aus elf Arbeitsfeldern waren in den vergangenen Monaten vor dem Hintergrund sinkender finanzieller Mittel intensiv und zum Teil auch kontrovers diskutiert und überarbeitet worden. Jetzt hat das Gremium die Planungen abgeschlossen“, so die Mitteilung aus dem Kirchenkreis Rotenburg.

Das fiel deshalb besonders schwer, weil in dem genannten Zeitraum die finanziellen Zuwendungen von der Landeskirche Hannovers jedes Jahr sinken werden. Ausgangspunkt sind fünf Millionen Euro im Jahr 2023. Im Jahr 2028 sind dann noch 4,5 Millionen Euro zur Verfügung, zehn Prozent weniger als im Ausgangsjahr. Unter diesen Voraussetzungen galt es für die rund 50 Delegierten aus 16 Kirchengemeinden genau zu überlegen, welche Schwerpunkte gesetzt werden sollten und wo es Einsparungen geben musste.

Die zentrale Entscheidung der Kirchenkreissynode fiel zugunsten der Stärkung der Kirchengemeinden vor Ort. Keine einzige der 19 Pfarrstellen im Kirchenkreis soll in den Jahren des nächsten Planungszeitraums gestrichen und auch die weiteren Personal- und Sachkosten nicht verändert werden. Gottesdienst, Verkündigung und Seelsorge sind in den Augen der Synode ein so wichtiger Kernbestand kirchlicher Arbeit, dass dafür den Pastorinnen und Pastoren genügend Raum und Zeit gewährt werden soll – gerade auch, weil neue Gottesdienstformate entwickelt und vorbereitet werden müssen, die viele Menschen mehr ansprechen als die traditionellen Formen.

In den ersten Jahren soll ein Teil der Kosten durch Vakanzmittel aufgefangen werden. Das sind Gelder, die die Landeskirche für Pfarrstellen zahlt, wenn diese nicht besetzt sind. Das kam in den vergangenen Jahren immer wieder vor, so dass sich hier ein kleines Polster angesammelt hat. Im weiteren Verlauf sollen Gelder aus Rücklagen verwendet werden. Ab 2029 werden sich dann allerdings Kürzungen im Umfang von zweieinhalb Stellen im gesamten Kirchenkreis nicht mehr vermeiden lassen.

Die Stellenanteile von Diakoninnen und Diakonen und in der Kirchenmusik werden nicht geändert. Gekürzt werden dagegen einige Budgets, die in der Vergangenheit kaum abgefragt wurden, beispielsweise für Fortbildungen oder für Partnerschaftsarbeit mit evangelischen Kirchen im Ausland. Außerdem wird sich das Diakonische Werk bei zukünftigen Neuausschreibungen der Beratungsstellen, die zu den Pflichtaufgaben des Landkreises gehören und für die das Diakonische Werk von dort Mittel bekommt, mit geringeren Eigenmitteln bewerben.

Die Synode des Kirchenkreises Rotenburg hat sich auf ihrer jüngsten Sitzung dafür ausgesprochen, einen Appell zur Covid-19-Schutzimpfung zu unterstützen. Darin heißt es, dass diese Impfung ein Ausdruck von Solidarität und christlicher Nächstenliebe sei. Wer sich bereits habe impfen lassen, habe für sich selbst und für andere eine verantwortungsvolle Entscheidung getroffen. Wer trotz Bedenken noch eine Impfung erwägt, solle wissen, dass er sich selbst und andere damit schützen wird. Wer bis jetzt dem weit überwiegenden Konsens der Wissenschaft widerspreche oder gar aktiv unwahre Inhalte über die Pandemie verbreite, solle sich klar werden, dass die Meinungsfreiheit zwar die abweichende Haltung schütze, sich aber alle Meinungen vernunftbezogen prüfen lassen müssten. „Freiheit ist nicht nur die Freiheit der Lauten, sondern insbesondere die Freiheit der Schwachen“, heißt es in dem Papier, das ursprünglich aus der Landessynode von Kurhessen-Waldeck stammt, und dem sich die Landessynode Hannovers auf ihrer jüngsten Sitzung ebenfalls angeschlossen hatte.

Während der Synode des Kirchenkreises Rotenburg wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Appell zwar ausdrücklich unterstützt würde, Impfskeptiker und Impfgegner deshalb aber nicht aus den Veranstaltungen und der Gemeinschaft der Kirche ausgeschlossen würden. „Wir bleiben offen für alle Menschen“, hieß es aus dem Gremium. Den vollständigen Text des Appells zur Covid-19-Schutzimpfung ist unter www.rotenburg-kirchenkreis.de nachzulesen.

Auch in diesem Jahr war die Corona-Pandemie ein beherrschendes Thema des Berichtes, den der Superintendent einmal jährlich vor den Mitgliedern der Kirchenkreissynode abgibt. Um die Online-Sitzung der rund 50 Delegierten aus 16 Kirchengemeinden nicht über Gebühr in die Länge zu ziehen, hatte Superintendent Michael Blömer den Bericht im Vorfeld schriftlich vorgelegt. Dass es Gottesdienste an Heiligabend im vergangenen Jahr und auch über die Osterfeiertage kaum in Präsenzform und wenn, dann nur in sehr eingeschränkter Form, gegeben hatte, fand die erklärte Zustimmung des Theologen. „Ich glaube, dass es richtig war, dass wir als Kirche hier nicht alle Rechte ausgenutzt haben, die uns die Corona-Verordnung des Landes gegeben hat. Es wäre für viele Menschen kaum verständlich gewesen, wenn das gesamte öffentliche und private Leben stark eingeschränkt wird und nur die Kirchen einen Sonderweg gehen“, schrieb er.

Dabei hob Blömer in besonderem Maße die Last der Entscheidungen hervor, die die Kirchenvorstände und Hauptamtlichen bezüglich der Gottesdienste zu fällen hatten. Auch derzeit würde wieder in den Dienstrunden und Kirchenvorständen darüber diskutiert, wie die Gottesdienste an den anstehenden Feiertagen aussehen könnten. Blömer dankte für Vorsicht und Zurückhaltung sowie für die vielen kreativen Ideen, die entwickelt wurden und werden, um das Evangelium trotz Corona zu den Menschen zu bringen.

Auch auf die Personalveränderungen in den vergangenen zwölf Monaten ging der Superintendent in seinem Bericht ein. Insgesamt waren 14 Pfarr- und Diakonenstellen von Veränderungen betroffen. Bisher hätten alle Stellen noch recht zeitnah besetzt werden können, doch das könnte in Zukunft schwieriger werden. „Eine zunehmende Herausforderung für uns als Kirche ist die Suche nach Fachkräften auf allen Ebenen“, schrieb Blömer. Dazu gehörte nicht nur Personal für die Pfarrstellen, sondern auch im Bereich der diakonischen Arbeit, der Beratung, der Kirchenmusik, der Kindertagesstätten und Diakoniestationen, sowie im Kirchenamt.

Für das neue Jahr sieht der Superintendent drei Bereiche, die besonderer Aufmerksamkeit bedürfen. Das ist zum einen weiterhin die Entwicklung der Pandemie. Zum anderen soll das Thema Prävention gegen sexuellen Missbrauch verstärkt in den Vordergrund rücken. Beispielsweise sollen Schutzkonzepte für die unterschiedlichen Bereiche kirchlicher Arbeit erstellt werden.

Mit höchster Priorität soll zudem auch im neuen Jahr die Frage nach einer zeitgemäßen Verkündigung des Evangeliums behandelt werden. „Wir haben eine Botschaft, die von größter Relevanz ist, und die gerade in diesen Zeiten Halt und Orientierung gibt“, schrieb Blömer.

Der vollständige Bericht von Superintendent Blömer ist auf der Homepage des Kirchenkreises unter www.rotenburg-kirchenkreis.de nachlesbar und veröffentlicht.

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