13 Hektar Bruttobauland

Schneverdinger Rat tagt / Gewerbegebiet Südring soll erweitert werden

13 Hektar Bruttobauland

Sie hatte den Wechsel an der Fraktionsspitze bereits im Vorfeld der Schneverdinger Ratssitzung am vergangenen Donnerstag verkündet, die Schneverdinger CDU-Fraktion: Welf-Heinrich Klaer, von 2006 bis 2009 und von 2012 bis Mai dieses Jahres Chef der CDU-Ratsfraktion, will, was die politische Arbeit angeht, ein wenig kürzertreten. Sein Nachfolger ist Landtagsabgeordneter Dr. Karl-Ludwig von Danwitz (HK berichtete). Der neue Fraktionsvorsitzende würdigte in der Sitzung die Arbeit seines Vorgängers: „Du hast uns geführt - und wir sind sehr zufrieden mit Deiner Arbeit gewesen“, so von Danwitz zu Klaer. Lobende Worte gab es auch von der poltischen Konkurrenz. Rolf Weinreich (SPD), Sprecher der Mehrheitsgruppe SPD/Grüne, verwies auf die eine oder andere „Stichelei“ im Zuge der Haushaltsdiskussionen und Debatten um Anträge. Dabei sei es jedoch „nie unter die Gürtellinie gegangen“, betonte der Sozialdemokrat und sprach von einer „konstruktiven Zusammenarbeit“.

„Auch bei unterschiedlichen Ansichten gilt es, den Respekt voreinander zu wahren - und das hat gut geklappt“, unterstrich Klaer: „Das Gesprächsklima war gut“. Mit Blick auf aktuelle politische Ereignisse in den USA und in Europa zitierte der Christdemokrat die Forderung „Mehr Demokratie wagen“ des Sozialdemokraten Willy Brandt: „Ich hätte nie gedacht, dass wir die Demokratie mal verteidigen müssen“, so Klaer. Doch genau dies scheine jetzt der Fall zu sein - „und das müssen wir alle machen“, appellierte er an den Rat, in dem er auch weiterhin engagiert mitarbeiten werde. Mit dem Wechsel übernimmt von Danwitz den Sitz von Klaer im Verwaltungsausschuss. Klaer bleibt aber Vorsitzender des Ausschusses für Planen, Bauen und Verkehr.

Apropos Bauen: Einstimmig beschloss der Rat die „2. Änderung des Bebauungsplanes Nr. 22d Ortsmitte“. Hier geht es um das frühere Pfarrheim der katholischen Kirche in der Feldstraße 10, das umgebaut werden soll, um künftig von der Kreismusikschule genutzt werden zu können. Bislang nutzt die Kreismusikschule die Räumlichkeiten in der „Alten Schule“ in der Schulstraße mit. Diese wiederum soll im Rahmen eines von der Investitions- und Förderbank Niedersachsen geförderten Projektes umgebaut werden, um laut Verwaltung „die Funktion der städtischen Bücherei als zentrale Integrations- und Bildungseinrichtung zu sichern und zu stärken.“ Der Ausbau solle zudem die Voraussetzungen schaffen, die Tourist-Information und das Stadtmarketing ebenfalls in die „Alte Schule“ zu verlegen (HK berichtete).

Was die Unterbringung der Kreismusikschule im früheren Pfarrheim angeht, so hatte sich ein Anlieger innerhalb des Beteiligungsverfahrens gegen das Bauleitverfahren ausgesprochen, da er zusätzliche Lärmbelastungen befürchtet. Laut Björn Ove Landahl, der die Planung im Rat vorstellte, werde es im Zuge des Umbaus entsprechende Lärmschutzmaßnahmen geben, so dass beim Üben der Musikschuler „die zulässigen Grenzwerte eingehalten werden.“

Ein für die Stadt Schneverdingen immens wichtiges Projekt ist die Erweiterung des Gewerbegebietes Südring um rund 13 Hektar zur Schaffung von 11,8 Hektar Nettobauland. Mit einstimmigen Satzungsbeschlüssen für die 54. Änderung des Flächennutzungsplanes sowie des Bebauungsplanes Nr. 83 „Erweiterung des Gewerbegebietes Südring“ stellte der Rat die Weichen für die Realisierung dieses Vorhabens. Schließlich gibt es bereits Anfragen von Unternehmen, aber die Stadt verfügt nur noch sehr eingeschränkt über gewerbliche Reserveflächen, nämlich lediglich rund 1,16 Hektar in planungsrechtlich ausgewiesenen Gewerbegebieten mit bebaubaren Gewerbegrundstücken. „Die nahezu erschöpften Flächenreserven sind zurückzuführen auf eine seit dem Jahr 2013 nicht mehr erfolgte Neuausweisung von Gewerbebauland“, so Bürgermeisterin Meike Moog-Steffens.

Weil es bereits Anfragen von Unternehmen gebe, „brauchen wir dringend Flächen für die endogene Entwicklung, können aber außer kleineren Flächen in Heber nichts anbieten“, betonte die Bürgermeisterin. Für die Stadt werde bis zum Jahr 2033 ein Bedarf an Gewerbeflächen in der Größenordnung von rund 15,27 Hektar prognostiziert, erläuterte Moog-Steffens. Dieser Bedarf setze sich zusammen aus einem prognostizierten Neubedarf von rund 10,58 Hektar und einem „Nachholbedarf“ wegen vorliegender Kaufanfragen von etwa 4,69 Hektar. „Danach ergibt sich ein Bedarf an einer Neuausweisung von Gewerbeflächen in einer Größe von 14,11 Hektar“, rechnete Moog-Steffens vor.

Die Stadt habe verschiedene Standortalternativen zur Neuausweisung gewerblicher Bauflächen geprüft. Als beste Option für eine Gewerbeentwicklung im Kernort habe sich die geplante Erweiterung des Gewerbegebietes Südring herauskristallisiert. „Wir arbeiten bereits seit Ende 2012, Anfang 2013 an dieser Erweiterung“, berichtete Moog-Steffens: „Nach Verhandlungen mit den Eigentümern der Flächen sind wir im Jahr 2015 in das Verfahren eingestiegen“.

Kompliziert ist das Ganze, weil sich das Areal, das im Flächennutzungsplan der Stadt als Fläche für Landwirtschaft ausgewiesen ist, in einem Vorrangebiet für Trinkwassergewinnung befindet. Deshalb hatte die Stadt vor rund vier Jahren beim Landkreis einen Antrag auf Genehmigung einer Ausweisung von Baugebieten in einem Wasserschutzgebiet erstellt. Dieser forderte ein geohydrologisches Gutachten. Aufgrund positiver Prüfergebnisse gab der Landkreis im Jahr 2016 grünes Licht. Mit Blick auf Umweltschutz, Immissionsschutz und Verkehr war aber eine Reihe weiterer Untersuchungen erforderlich, was das Verfahren nicht nur in die Länge zog, sondern es aufgrund der verschiedenen Gutachten auch kostspielig macht. Die Erschließungsmaßnahmen sollen durch die Wohnungsbau-, Ansiedlungs- und Fremdenverkehrsgesellschaft Schneverdingen mbH erfolgen.

Laut Landahl („Das hat viel Zeit und Schweiß gekostet“), der auch diese Planung im Rat vorstellte, rechne die Verwaltung im Februar kommenden Jahres mit der Genehmigung. „Es werden Baulandgrundstücke in der Größe von rund 1.500 bis 7.000 Quadratmeter für etwa 40 Gewerbebetriebe entstehen“, so Moog-Steffens.

Wie es seitens der Verwaltung heißt, sollen mit der Ausweisung der neuen Flächen, die vom Gallhorner Flatt und vom Gallhorner Weg aus erschlossen werden, „die Belange der regionalen Wirtschaft unterstützt sowie die Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen für die Bevölkerung der Stadt Schneverdingen gefördert werden.“

Logo