25.000 Fahrgast im Schneverdinger Bürgerbus: „Das ist ein Segen“

Kreissparkasse Soltau unterstützt Schneverdinger Verein / Vorstand mit Fahrgastzahlen zufrieden / Zwei Fahrerinnen ergänzen Team

25.000 Fahrgast im Schneverdinger Bürgerbus: „Das ist ein Segen“

„Er läuft und läuft und läuft ...“ - der berühmte Werbeslogan für den VW Käfer aus vergangenen Zeiten trifft in Schneverdingen auch auf ein moderneres Fahrzeug zu, das nicht nur deutlich mehr Pferdestärken unter der Haube hat als das Kultauto aus dem Hause Volkswagen, sondern auch wesentlich mehr Mitfahrer befördern kann: der Bürgerbus. Der im Jahr 2013 gegründete Verein aus der Heideblütenstadt, der ihn ins Leben gerufen hat, um die Mobilität insbesondere von älteren Bürgern zu erhöhen und die Ortschaften durch Buslinien mit der Kernstadt zu verbinden, hat jetzt gleich zwei frohe Botschaften zu verkünden: Zum einen unterstützt die Kreissparkasse Soltau die Arbeit der Ehrenamtlichen mit finanziellen Mitteln für die nächsten drei Jahre, zum anderen konnte am heutigen Freitag der nunmehr 25.000 Fahrgast begrüßt werden.

Zur Feier des Tages standen in der Mittagszeit sowohl Mitglieder des Bürgerbusvereins als auch Schneverdingens stellvertretende Bürgermeisterin Karin Meyer an der Bushaltestelle „Am Brink“, um der 25.000 Mitfahrerin persönlich zu gratulieren. Dies war Susanna Toicic, die sich nicht nur über Glückwünsche, sondern auch einen Präsentkorb voller Leckereien aus der Region und einen Blumenstrauß freute. Sie stammt ursprünglich aus Kroatien, lebt in Schneverdingen und kümmert sich regelmäßig um einen Senioren aus Zahrensen. „Ich kaufe für ihn ein und fahre dreimal in der Woche mit dem Bürgerbus. Die Fahrer sind immer sehr nett. Vielen Dank an den Bürgerbusverein, das ist ein Segen“, sagte Toicic und strahlte mit den Vereinsmitgliedern bei sonnigem Herbstwetter um die Wette.

Am Vortrag hatte der Bürgerbus ein Ziel angesteuert, das auf dem regulären Fahrplan nicht zu finden ist. Heinrich Mahnken, Vorsitzender des Bürgerbusvereins, sowie Wolfgang Schubert, geschäftsführender Vorstand, hatten sich auf den Weg zur Kreissparkasse Soltau gemacht, um dort eine Spende entgegenzunehmen. Weil in diesem Jahr kostenintensive Reparaturen am Fahrzeug erforderlich waren, die den Verein natürlich finanziell belastet haben, hatte sich der Vorstand mit der Bitte um finanzielle Unterstützung an die KSK Soltau gewandt. Um das hohe ehrenamtliche Engagement des Vereins zu würdigen und die Reparaturen zu ermöglichen, spendete das Geldinstitut 1.000 Euro aus dem örtlichen Reinertrag der Lotterie „Sparen+Gewinnen“. KSK-Vorstandsvorsitzender Dr. Matthias Bergmann und Christoph Nolting, Leiter Vorstandsstab, übergaben die Spende symbolisch an die Vereinsvertreter. „Wir engagieren uns für die Region und möchten hier vor Ort etwas bewegen. Den Bürgerbus Schneverdingen haben wir deshalb gern unterstützt“, betonte Bergmann und setzte sich für das obilagotrische Übergabefoto spontan hinter das Steuer des rot-weißen Fiat Ducato. „Unser Angebot kommt gut bei der Bevölkerung an und hat sich inzwischen etabliert. Einige Hausärzte vergeben bereits Termine nach den Fahrzeiten unseres Bürgerbusses“, berichtete Mahnken. Er freute sich zudem über die Ankündigung des Vorstandsvorsitzenden, dass die Kreissparkasse Soltau den Bürgerbusverein Schneverdingen auch künftig fördern werde. Die KSK werde den Schneverdinger Verein auch bei der Beschaffung des neuen Fahrzeugs im kommenden Jahr unterstützen und den Ehrenamtlichen zudem in den kommenden drei Jahren finanziell unter die Arme greifen.

Der Schneverdinger Bürgerbus fährt seit 1. März 2015 auf drei Linien montags bis freitags, legt täglich - an 250 Tagen im Jahr - 315 Kilometer zurück. Seit der Inbetriebnahme haben sich die Fahrgastzahlen laut Vereinsvorstand von 1.838 in den ersten zehn Monaten auf in diesem Jahr bislang 6.345 (Stand 30. Oktober) erhöht. „Das ist eine Steigerung um das dreieinhalbfache“, freut sich Fahrdienstleiter Andreas Kurock. Für dieses Jahr rechne der Verein mit einer Zahl von rund 7.500 Fahrgästen. „In den ersten zehn Monaten dieses Jahres haben wir täglich gut 30 Fahrgäste gezählt, was einem Monatsdurchschnitt von 635 Fahrgästen entspricht“, berichtet Kurock.

Der tägliche Einsatz fordert natürlich seinen Tribut, zumal der Bus inzwischen rund 322.000 Kilometer auf dem Tacho hat. Somit häufen sich Reparaturen, die zudem teurer werden. Weil aber im Linienverkehr Verlässlichkeit das A und O ist, hatten mehrere Mitglieder dem Verein aus eigener Tasche ein Darlehen gewährt. Mit dem Geld konnte ein gebrauchtes Ersatzfahrzeug beschafft werden. „Wenn wir das nicht gemacht hätten, hätten wir 2018/2019 für 89 Tage den Betrieb einstellen müssen“, betont Mahnken. Inzwischen habe auch das Ersatzfahrzeug 54.000 Kilometer zurückgelegt. „Diese Maßnahme hat wesentlich zum Erfolg des Bürgerbusvereins Schneverdingen beigetragen“, unterstreicht Kurock.

Mitte Februar kommenden Jahres wird der Verein voraussichtlich einen neuen Bus in Empfang nehmen und ab 1. März einsetzen. Finanziert wird das Fahrzeug vom Land Niedersachsen und vom Heidekreis. Wichtig sind auch künftig die Zuschüsse vom Landkreis und der Stadt Schneverdingen sowie die Gelder, die Sponsoren, zum Beispiel durch Werbung am und im Bus, beisteuern. „Diese Einnahmen sind ganz wesentlich für den zuverlässigen Betrieb“, macht Kurock deutlich. Und weiter: „Sehr erfreulich sind die Beschlüsse der Stadt, den Bürgerbus im kommenden Jahr mit 11.000 Euro plus 6.000 Euro Reparaturkostenzuschuss zu fördern. Außerdem übernimmt die Stadt die Kosten für die Verlängerung der Fahrerlaubnis der Fahrerinnen und Fahrer.“

Der Bürgerbusverein, der Mitglied im Verein „Pro Bürgerbus Niedersachsen“ ist, hat derzeit 85 Mitglieder, von denen 34 aktiv mitarbeiten. 24 Mitglieder wechseln sich hinter dem Steuer ab. Sehr zur Freude des Teams konnten mit Jutta Duden und Lissy Dettmering zwei neue Fahrerinnen gewonnen werden. „Wir machen das alle gern“, so Mahnken zum ehrenamtlichen Engagement der Mannschaft. Von diesem profitieren insbesondere ältere Einwohnerinnen und Einwohner. „Allein im September haben wir 109 Fahrgäste, die auf Rollatoren angewiesen sind, befördert“, erklärt Mahnken. Auch er freut sich über die steigenden Fahrgastzahlen: „Mit 635 im Monatsschnitt können wir uns sehen lassen.“

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