30-Millionen-Euro-Projekt in Ehrhorn

Auf dem Gelände der früheren Endo-Klinik Hamburg-Altona in Ehrhorn sollen ein Feriendorf für Reiter und ein Hotel entstehen

30-Millionen-Euro-Projekt in Ehrhorn

Verfallende Gebäude, Graffiti allerorten, wucherndes Grün: Seit vielen Jahren befindet sich das rund 76.000 Quadratmeter große Areal in Ehrhorn, auf dem früher eine Außenstelle der Endo-Klinik Hamburg-Altona ihren Sitz hatte, im Dornröschenschlaf. Doch nun klingelt dort, wo einst Menschen nach Operationen genesen sollten und die Bausubstanz seit langem kränkelt, der Wecker: Auf dem Gelände in der Behringer Straße 100 in Wintermoor, derzeit in Besitz der Wohnungsbau-, Ansiedlungs- und Fremdenverkehrsgesellschaft Schneverdingen mbH, soll ein touristisches Großprojekt realisiert werden, das sich insbesondere an Pferdefreunde und Naturliebhaber richtet. Geplant sind ein Hotel und rund 50 Ferienhäuser mit Pferdeboxen sowie an die Terrassen angrenzenden Paddocks. „Snevern Natur-Hotel“ und „Horse Village Heide-Resort“ - so lauten die Arbeitstitel für die beiden Vorhaben. Die Projektentwickler der „Top Immobilien GmbH“ gehen von einem Investitionsvolumen in Höhe von rund 30 Millionen Euro aus. Ziel der Initiatoren ist eine schrittweise Eröffnung im zweiten Halbjahr 2023.

Das ist durchaus ambitioniert und für die Stadt Schneverdingen ein „Ritt in die Zukunft“. So zumindest war das Pressegespräch im Schneverdinger Ratssaal am heutigen Freitag, dem 21. Juni, überschrieben. Bürgermeisterin Meike Moog-Steffens als Gastgeberin und Thorsten Rupp, geschäftsführender Gesellschafter des Vorhabenträgers „Top Immobilien“, informierten dabei umfassend über das Vorhaben. Angesichts der Bedeutung dieses Projekts nicht nur für die Heideblütenstadt, sondern für die gesamte Region, waren unter anderem auch Landrat Manfred Ostermann, Ulrich von dem Bruch, Geschäftsführer der Lüneburger Heide GmbH, Planer und weitere Vertreter des Vorhabenträgers, Vertreterinnen und Vertreter der Stadtverwaltung, der Wohnungsbau-, Ansiedlungs- und Fremdenverkehrsgesellschaft Schneverdingen sowie der Stadtwerke und der Niedersächsischen Landesforsten mit von der Partie.

„Die Niedersächsischen Landesforsten und die Stadtwerke müssen eng eingebunden werden“, betonte Moog-Steffens und sprach von einem „interessanten, einmaligen Projekt“. Bevor die Beteiligten die konkreten Planungen vorstellten, die seit rund einem Jahr laufen, ließ Moog-Steffens kurz die Geschichte des Areals Revue passieren. Im Jahr 1943, also noch zur Zeit des Zweiten Weltkrieges, habe sich auf dem Gelände ein Hamburger Ausweichkrankenhaus befunden - bis zum Jahr 1975. Anschließend habe die Endo-Klinik Hamburg-Altona dort eine Zweigstelle eröffnet, in erster Linie zur Patientenrehabilitation nach Hüftoperationen. „Hier stand mal der modernste OP-Trakt Europas“, so die Bürgermeisterin. Die Endo-Klinik habe den Standort Wintermoor aber aufgrund der Auswirkungen der Gesundheitsreform in den 90er Jahren aufgegeben. „Die Endo-Klinik war mit der größte Arbeitgeber in Schneverdingen“, berichtete die Bürgermeisterin. Ab 2001 habe eine privat geführte Altenpflegeeinrichtung die Liegenschaft genutzt. Die Betriebsgesellschaft des Pflegezentrums sei rund fünf Jahre später in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Seit der Insolvenz im Jahr 2006 „steht das Gelände leer“, so die Bürgermeisterin.

Unter der Ägide des damaligen Bürgermeisters Fritz-Ulrich Kasch habe die Stadt GmbH das Areal ersteigert, „um möglichen Fehlentwicklungen entgegenzuwirken, damit sich dort nichts ansiedelt, was man dort nicht haben möchte“, erklärte Moog-Steffens. Aktuell stünden auf dem Gelände noch 15 Häuser „mit teils riesigen Trakten.“ Im Jahr 2012 habe die Stadt als Eigentümerin das Areal aufräumen und die Gebäude mit Spanplatten „versiegeln“ lassen. Seitdem aber hätten immer wieder ungebetene Gäste diesen „Lost Place“ aufgesucht, der „eine unglaubliche Anziehungskraft“ auf Fotographen und Abenteuerlustige, die sich für den morbiden Charme verfallender Gebäude interessierten, ausübe. Trotz Betretungsverbots seien immer wieder Vandalen auf dem Grundstück zugange, die die benachbarten Forstleute, die Polizei sowie den eingesetzten Sicherheitsdienst regelmäßig beschäftigten.

„Seit 2011 hatten wir Gespräche mit einem Investor, doch dieses Vorhaben hat sich zerschlagen“, so die Bürgermeisterin weiter. Dann aber sei der Kontakt mit der „Top Immobilien GmbH“ zustande gekommen. Diese ist seit 25 Jahren im Immobilienbereich aktiv und hat Quartiersentwicklung, Konversionsprojekte sowie die Planung von Hotel- und Ferienimmobilien im Portfolio. „Wir sind spezialisiert auf Sonderimmobilien“, so Rupp. Bei einer Besichtigung des Areals in Ehrhorn sei der Funke zwar nicht gleich übergesprungen. Die unmittelbare Nähe des Geländes zu Europas größtem zusammenhängenden Reitwegenetz habe dann aber die Phantasie der Projektentwickler angeregt „und wir sind auf das Thema Reiten gekommen.“ Nach entsprechenden Marktanalysen habe das Unternehmen die Zielgruppe genau definiert und Wirtschaftsberechnungen angestellt. Rund elf Millionen Deutsche hätten Interesse am Reiten.

Für Pferde- und Naturfreunde solle mit dem „Horse Village Heide-Resort“ und dem „Snevern Natur-Hotel“ eine attraktive Urlaubsmöglichkeit der Vier-Sterne-Kategorie oder auch „Vier Sterne plus“ geschaffen werden. Mit der Realisierung von gleich zwei Projekten auf dem Areal könnten Synergieeffekte erzielt werden, von denen die Gäste profitierten, so Rupp, der von „einem einzigartigen Konzept in Europa“ sprach.

Das „Horse Village Heide-Resort“ soll laut Planung 50 Ferienhäuser umfassen. Vorgesehen ist, daß sich an jedem Haus eine Pferde-Doppelbox und ein an die Terrasse angrenzender Paddock befindet. Angedacht sind zudem zwei Reithallen und überdachte Longierzirkel. Das „Snevern Natur-Hotel“ soll über rund 75 Zimmer verfügen, einen komfortablen Wellnessbereich erhalten sowie mit attraktiven gastronomischen Angeboten auch die Urlauber des „Horse Village Heide-Resorts“ ansprechen. „Es entsteht ein Reiter-Resort mit kompletter Infrastruktur“, so der geschäftsführende Gesellschafter der „Top Immobilien“ weiter. Laut Rupp hätten Umfragen bestätigt, daß Urlauber mit eigenem Pferd auch Wellnessangebote und gute gastronomische Versorgung wünschten und dafür auch bereit seien, mehr Geld auszugeben. Als Vier-Sterne-Haus solle das „Snevern Natur-Hotel“ einen anspruchsvollen und kaufkräftigen Gästekreis ansprechen, der in jeder Hinsicht zu einer Bereicherung der Region führen solle. Das Hotel richte sich auch an Wanderer und Themen-Touristen und solle sich auch für Tagungen eignen. Baulich solle es sich in die Natur hineinschmiegen, die Höhe der umgebenden Bäume nicht überschreiten, mit einem Gründach versehen werden und energetisch auf dem neuesten Stand sein. Angedacht sei, daß es für Hotel und Resort jeweils einen Betreiber geben solle. „Wir wünschen uns natürlich, daß die regionale Wirtschaft eingebunden wird - vom Tierarzt bis hin zu Firmen für anfallende Reparaturarbeiten“, betonte Rupp.

Als „Meilenstein für den modernen Tourismus, verbunden mit der Schaffung von Arbeitsplätzen“, bezeichnete Moog-Steffens das Vorhaben, „ein Projekt nicht nur für die Stadt Schneverdingen, sondern für die ganze Region Lüneburger Heide.“ Der Landkreis mit unterer Naturschutzbehörde sei von Beginn an in die Planungen einbezogen gewesen, ebenso die Niedersächsischen Landesforsten. Mit Blick auf Fledermäuse und Amphibien hätten sich Gutachter das Gelände bereits angesehen. „Der Landkreis begleitet das Projekt konstruktiv, alle ziehen an einem Strang“, betonte Moog-Steffens. Und Ostermann: „Das sind alles Dinge, die lösbar sind.“

Alle Beteiligten scheinen also auf Trab zu sein - und nun soll es in vollem Galopp weitergehen. Sollten alle zuständigen Gremien grünes Licht geben, dann könnte es laut Rupp im zweiten Halbjahr 2021 mit dem Bau losgehen, um im zweiten Halbjahr 2023 schrittweise Eröffnung zu feiern. „Die Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden ist sehr kooperativ und lösungsorientiert“, betonte Rupp: „Ich bin daher sehr zuversichtlich, daß die ehrgeizige Terminplanung eine gute Chance hat.“

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