Abzocker abblitzen lassen

Schneverdingerin fällt nicht auf Anruftrick herein

Abzocker abblitzen lassen

Nicht jeder behält in einer solchen Situation den Überblick, bleibt cool und tut das Richtige. Doch bei Gisela Hansen waren die Telefonbetrüger an die falsche Adresse geraten: Die Schneverdingerin ließ sich nicht von einem hohen Gewinnversprechen ködern und trat nicht in „Vorleistung“, sondern ließ die Abzocker abblitzen.

Überrascht war die 78jährige schon, als bei ihr am vergangenen Montag das Telefon klingelte: „Am anderen Ende war angeblich eine Anwaltskanzlei aus Österreich“ erinnert sich Gisela Hansen. Eine vorgebliche Notarin - Dr. Jansen - eröffnete ihr, sie bekomme aus einer Ausschüttung von Zeitschriftenverlagen stolze 151.000 Euro. Eine Nachricht, die einem erst einmal den Atem nehmen könnte, doch die Schneverdingerin behielt einen kühlen Kopf: „Ich habe gesagt, das könne nicht sein, denn ich habe an keinem Gewinnspiel teilgenommen. Daraufhin meinte die ‚Notarin‘, ich hätte doch mal eine Zeitschrift bestellt. Daher rühre jetzt die Ausschüttung.“ Das mit der Zeitschrift, so die 78jährige, stimme zwar, „doch das ist drei Jahre her und längst erledigt.“

Durch welchen Adressenhandel die vermeintliche „Notarin“ an ihren vollen Namen und die nicht registrierte Telefonnummer gekommen sein könnte, fragte sich Gisela Hansen zwar auch, hörte aber zunächst einmal weiter zu, denn „Frau Dr. Jansen“ erklärte dann, wie die Schneverdingerin an die 151.000 Euro kommen sollte: Dazu hätte sie zwei 100-Euro oder vier 50-Euro-Gutscheine von Amazon kaufen und anschließend die Gutschein-Codes telefonisch an die „Notarin“ durchgeben sollen.

„Die Frau war geschult und hat pausenlos geredet. Angeblich seien die Gutscheine nötig, um bei der Sparkasse ein Konto für die sichere Überweisen des hohen Betrages von 151.000 Euro zu eröffnen. Dann erhielte ich auch die Ausgaben für die Gutscheine zurück. Außerdem diene das der Steuerersparnis“, berichtet die Schneverdingerin. Und weiter: „Um ihre Seriosität zu unterstreichen, hat sie noch betont, daß sie von mir gar keine persönliche Kontonummer haben wolle. Außerdem sei dieser Vorgang registriert und verfüge deshalb auch über ein Aktenzeichen. Das hat mir die vorgebliche Notarin ebenso durchgegeben wie ihre österreichische ‚Privatnummer‘, damit ich mich nicht nur in der ‚Kanzlei‘, sondern auch direkt bei ihr hätte melden können.“

Das hat Gisela Hansen dann allerdings nicht getan: „Wenn man in einer solchen Sache angerufen und direkt namentlich angesprochen wird, dann bewegt das schon etwas beim Angerufenen. Aber ich bin nicht darauf hereingefallen.“ Die 78jährige hat statt dessen zunächst eine gute Freundin und danach die Polizei angerufen. Ein Strafanzeige mochte sie indes nicht erstatten - das erschien ihr zu aussichtslos. Sie möchte lieber vor derartigen Betrugsmaschen warnen: „Man sollte auf solche Anrufe nicht eingehen und erst recht kein Geld investieren - sei es auch nur die vergleichsweise niedrige Summe von 200 Euro, denn die versprochenen 151.000 Euro gibt es garantiert nicht.“

So sieht es auch Olaf Rothardt, Pressesprecher der Polizeiinspektion (PI) Heidekreis in Soltau, denn wie etwa der Enkeltrick oder andere gemeine Praktiken, um zumeist Senioren um ihr Erspartes zu bringen, so ist auch diese Masche der Polizei schon untergekommen: „Dieses Vorgehen ist uns bekannt. Das gibt es in verschiedenen Varianten und mit unterschiedlichen Geschichten. Ob ein solcher Anruf und das Erzählen dieser Geschichten selbst schon strafbar sind, ist oft die Frage. Gewinnversprechen am Telefon aber sind meist betrugsbehaftet. Wer einen derartigen Anruf erhält, sollte also am besten auflegen und sich dann eventuell an eine Vertrauensperson oder auch an die örtliche Polizei wenden. Geld sollte man aber auf keinen Fall investieren, denn das ist am Ende weg.“

Giesela Hansen hat also alles richtiggemacht. Am vergangenen Dienstag hat sie übrigens schon wieder einen Anruf von derselben Nummer erhalten, um an die Amazon-Gutscheine zu erinnern: „Diesmal habe ich gleich aufgelegt.“

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