„Am Ende wissen, wie es geht“

Der Hospizdienst Schneverdingen bietet ab März ein Trauercafé und „Letzte Hilfe“-Kurse an.

„Am Ende wissen, wie es geht“

Menschen, deren Angehörige oder Freunde verstorben sind, fallen häufig in ein tiefes, schwarzes Loch und bleiben manchmal auch allein mit ihrer Trauer, etwa wenn sie keine Bezugsperson haben oder weil sie sich mit ihrer Trauer nicht verstanden fühlen. Um Betroffenen die Möglichkeit zu geben, gehört und vielleicht auch verstanden zu werden, bietet der Hospizdienst Schneverdingen ab März dieses Jahres ein monatliches Trauercafé an. An jedem zweiten Sonntagnachmittag im Monat, erstmals am 10. März, sind Betroffene von 15 bis 16.30 Uhr in die Räume des Hospizdienstes in der Harburger Straße 1 eingeladen, um sich bei Kaffee, Tee und Kuchen im Beisein von ausgebildeten Trauerbegleitern auszutauschen. Das Angebot ist kostenlos und steht jedem offen. Darüber hinaus wartet der Hospizdienst mit weiteren „Neuheiten“ auf, unter anderem einem „Letzte Hilfe“-Kurs, in dem das „kleine 1x1 der Sterbebegleitung“ vermittelt wird. In Sachen „Letzte Hilfe“ ist der Hospizdienst Schneverdingen Vorreiter im Heidekreis.

„Ich spreche gern vom kleinen Bruder des Erste-Hilfe-Kurses“, so Vanessa Pahl, Koordinatorin des Hospizdienstes. „Das Thema sollte jeden ab 18 Jahren etwas angehen“, unterstreicht die gelernte Krankenschwester, onkologische Fachkrankenschwester und Palliativ-Care-Fachkraft. „Letzte Hilfe“ richte sich an alle Menschen, die sich über Themen rund um Sterben, Tod und Palliativversorgung informieren möchten. „Am Ende wissen, wie es geht“ lautet dabei das Motto.

Die Idee, „Letzte Hilfe“-Kurse zu entwickeln und anzubieten, stammt vom Palliativmediziner, Notfallmediziner und Forscher Dr. Georg Bollig, der das Thema erstmals im Jahr 2008 im Rahmen seiner „Master-Thesis“ zum „Master of Advanced Studies“ in Palliative Care beschrieben hat. Nach der ersten Beschreibung wurde das Projekt des in Dänemark arbeitenden Mediziners auf zahlreichen Veranstaltungen und Kongressen präsentiert.

Die ersten „Letzte Hilfe“-Kurse gab es bereits 2014 in Norwegen und 2015 in Deutschland und Dänemark. Das Projekt hat im Jahr 2015 den „Anerkennungs- und Förderpreis für ambulante Palliativversorgung“ der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin erhalten und wurde im gleichen Jahr als eines der besten sozialen Projekte des Wettbewerbs „startsocial“ ausgezeichnet, verbunden mit einer Ehrung im Kanzleramt durch Bundeskanzlerin Angela Merkel.

„Das Projekt, das sich in ganz Europa verbreitet, richtet sich nicht an Fachleute wie Ärzte oder Krankenschwestern, sondern an Bürgerinnen und Bürger. Sie können im Kurs lernen, was sie für ihre Mitmenschen am Ende des Lebens tun können“, erläutert Pahl. In dem aus vier Modulen á 45 Minuten bestehenden Kurs werden den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Basiswissen, Orientierungen und einfache Handgriffe vermittelt. Sie sollen ermutigt werden, sich Sterbenden zuzuwenden. „Zuwendung ist das, was wir alle am Ende des Lebens am meisten brauchen“, heißt es dazu im „Letzte Hilfe“-Info-Faltblatt. In den Kursen geht es um „die Normalität des Sterbens als Teil des Lebens“. Auch Themen wie Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht werden angesprochen. Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist „Leiden lindern“: Welche Beschwerden sind Teil des Sterbeprozesses und wie kann etwas zur Linderung beigetragen werden? In der Heideblütenstadt steht der erste Kurs dieser Art am 7. März von 19 bis 22 Uhr in den Räumlichkeiten des Hospizdienstes auf dem Programm. Die Teilnehmerzahl ist auf höchstens 18 Interessierte begrenzt. Es wird eine Aufwandsentschädigung erhoben. Die Leitung übernehmen Vanessa Pahl und Andrea Zickler, 2. Vorsitzende des Hospizdienstes. Anmeldungen werden unter Ruf 0151-54079775 oder per E-Mail an info@hospizdienst-schneverdingen.de entgegengenommen. Informationen rund um die „Letzte Hilfe“-Kurse finden Interessierte im Internet unter www.letztehilfe.info. „Wie bei der Ersten Hilfe gibt es ein Netzwerk, so daß alle Beteiligten auf dem Laufenden und somit auf dem neuesten Stand bleiben“, erklärt Pahl. Die Verantwortlichen des Projekts „Letzte Hilfe“ hätten auch bereits Kurse für professionelle Kräfte sowie später auch speziell für Kinder in Planung.

Im Schneverdinger Hospizdienst sind derzeit 28 Ehrenamtliche tätig, darunter vier Männer. Der früheren Krankenschwester Vanessa Pahl macht die Arbeit als Koordinatorin Spaß: „Es gibt kein Konkurrenzdenken, sondern eine enge Zusammenarbeit mit anderen Hospizdiensten, zum Beispiel in Soltau und Rotenburg. Man arbeitet sozusagen Hand in Hand. Auch andere Einrichtungen ziehen in Betracht, ‚Letzte Hilfe‘-Kurse anzubieten.“ Verstärkung könne das Schneverdinger Team freilich immer gebrauchen. Die Hospizarbeit umfasse viele Bereiche, in denen sich Ehrenamtliche engagieren könnten, in erster Linie aber gehe es um die Begleitung von Menschen in ihrer letzten Lebensphase. Für Interessierte gebe es ab September dieses Jahres einen Vorbereitungskurs in Schneverdingen.

Zudem weist Pahl auf ein Benefizkonzert hin, das bereits am 30. März um 20 Uhr im „La Habana“ in Schneverdingen auf dem Plan steht. Dort spielen Benjamin Ziel (Gesang, Gitarre) und Jan Lohmann (Gesang, Gitarre) Lieder aus verschiedenen Dekaden und Genres. Ziel und Lohmann sind Musiker der Band „Goodwill Intent“, mit der sie in den vergangenen Jahren mehr als 100 Konzerte in ganz Deutschland gegeben haben. Veranstalter des Benefiz-Konzertes zugunsten des Hospizdienstes Schneverdingen sind das Hotel „Heidetraum“ und das „La Habana“. Statt um Eintritt wird am Eingang um eine Spende für den Hospizdienst gebeten.

Weitere Infos gibt es auf der komplett überarbeiteten Internetseite des eingetragenen Vereins unter der Adresse www.hospizdienst-schneverdingen.de.

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