„AnDENKungEN“ in „Alter Schlachterei“ | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Vernissage am 3. Mai: Ausstellung zum ersten Jahrestag des Schneverdinger Kulturhauses und in Erinnerung an den verstorbenen Schauspieler Rolf Becker

„AnDENKungEN“ in „Alter Schlachterei“

Mit der Vernissage startet am Sonntag, 3. Mai, um 16.30 Uhr die Ausstellung „AnDENKungEN“: Im Schneverdinger Kulturhaus „Alter Schlachterei“ sind im Anschluss an die Vernissage vom 4. Mai bis zum 28. Juni Arbeiten von Dietlind Horstmann-Köpper und Jobst Deventer zu sehen.

Die Ausstellung die die Bereiche Malerei, Installation und Skulptur umfasst, ist dem im vergangenen Jahr verstorbenen Schauspieler Rolf Becker gewidmet und läuft zum ersten Jahrestag des Kulturhauses „Alte Schlachterei“. „Rolf Becker hat den Kulturverein Schneverdingen lange Jahre unterstützt und wollte diese Ausstellung mit einer kurzen Lesung eröffnen. Wir freuen uns, dass Sylvia Wempner, seine Ehefrau, an seiner statt, die Ausstellung mit der Lesung eröffnen wird“, so die Ankündigung des Kulturvereins zur Vernissage am 3. Mai.

„Der Titel der Ausstellung ‚AnDENKungEN‘ lehnt an an ‚Andenken‘ und ‚denken an‘ – wie der Engel von Paul Klee, der gleichzeitig in die Vergangenheit und in die Zukunft blicktDietlind Horstmann-Köpper und Jobst Deventer zeigen in ihren Arbeiten wie persönliche Erinnerungen das gegenwärtige Leben prägen und welche Bedeutung diese Erinnerung für die Zukunft hat. „Wie viele Sinnesreize kann ein Kind aufnehmen? „Ich glaube, dass die Zeit der 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts nicht reizärmer, die Qualität der Einflüsse, aber komplexer war in dem Sinne, dass sie (wie auch die Nahrung) weit weniger vorgekaut und wertend entschlüsselt waren als sie es heute sind. Und doch: Reiz bleibt Reiz und lenkt, gerade in der Kindheit, unser Handeln. In späteren Jahren prägt er die Bilder, vielleicht nicht in den Sujets, wahrscheinlich aber in der Sichtweise“, so Jobst Deventer. „Als ich als Kind meinen Weg zum Kindergarten von der Blumenstrasse zur Bahnhofstrasse ging, kam ich täglich an diesem Haus, dem alten Schlachthof, vorbei. Heute steht hier ein Kulturhaus – was für eine Veränderung“, sagt Dietlind Horstmann-Köpper dazu. „Kunst hat die Aufgabe, Dinge zu reflektieren. Oft spürt sie die Geschichte von Orten auf, deren frühere Bedeutung nicht mehr offensichtlich oder sichtbar ist. So auch hier im Kulturhaus ‚Alte Schlachterei‘.“ Beiden Künstlern sei es wichtig, in Form von Bildern erlebte Erinnerung zu teilen: „Der Betrachter kann mit den Augen spüren und sich mit geschärften Sinnen Gedanken machen und in Beziehung zu den AnDENKungEN‘ der Künstler und natürlich damit auch zu den eigenen AnDENKungEN‘ treten“, sagt die Kunsthistorikerin Angela Holzhäuer, die zu der Finissage am 26. Juni die Moderation des Künstlergespräches übernimmt.

Dietlind Horstmann-Köpper und Jobst Deventer hatten sich vor einigen Jahren zum Projekt „Das Gedächtnis der Dinge“ kennen gelernt. Dieses Kunstprojekt hatte Dietlind Horstmann-Köpper 2018 zusammen mit dem Kunsthistoriker Wolfgang Siano und der Schriftstellerin Tanja Langer aus Berlin im KunstRaum des Kulturvereins Schneverdingen ausgeschrieben, den sie sieben Jahre lang betreut hat. Dies bevor das neue Kulturhauses errichtet wurde. Jobst Deventer aus Rieckenbostel zeigte damals im KunstRaum und in der Friedhofskapelle Schneverdingen eine Videoinstallation aus alten Fotos.

„In der Ausstellung AnDENKungEN‘ zeigt er unter anderen seine Arbeit ‚Zeitlinien‘. Aus Zeichnungen und Skizzen hat er eine Bilderschau erstellt, die einen Zeitraum von 50 Jahren umfasst. Auf dem großen Bildschirm in der Alten Schlachterei spiegeln sich die Zeiten – nicht entlang eines Zeitstrahls sondern in einer scheinbar willkürlichen Abfolge, die einen Raum für eigene Erinnerungen und Zeitbezüge öffnet. So entsteht ein kurzweiliges Kaleidoskop – witzig, melancholisch, sarkastisch und böse, immer aber persönlich, was sich nicht zuletzt in zahlreichen Selbstportraits ausdrückt“, so Jobst Deventer.

Dietlind Horstmann-Köpper arbeitet schon lange zum Thema Erinnerung. Gegen das Vergessen beschäftigt sie sich seit 2009 intensiv mit dem Holocaust. Sie hat eindrückliche Porträts jüdischer KünstlerInnen wie Rose Ausländer, Else Lasker-Schüler und Paul Celan geschaffen. Sie dokumentierte 2022 das Schicksal der eigenen Familie in der Zeit der britischen Besatzung in der Lüneburger Heide in den Arbeiten der Ausstellung „Unvertraute Erinnerungen“ im Dialog mit dem Roman der Schriftstellerin Tanja Langer.

Zusätzlich zu den Arbeiten aus den „Unvertrauten Erinnerungen“ zeigt sie hier Übermalungen von alten Familienfotos, die als Ausgangspunkt für die großformatigen Ölbilder dienten. Hier hinterfragt die Malerin die Grenze zwischen Realität und Illusion, Fotografie und Malerei. „Die pastose Übermalung in mehreren Schichten macht Dinge sichtbar, die sonst nicht wahrgenommen würden. Das Verwischen der Farben mit dem Pinsel oder dem Rakel, drückt die Flüchtigkeit und Brüchigkeit von AnDENKungEN‘ aus und schafft auch Distanz zu dem dargestellten Motiv“, so Angela Holzhäuer, Kunsthistorikerin.

Den Besucher erwartet eine großformatige Bilderschau, Installation und Übermalungen. Am Sonntag, den 7. Juni 11.30 Uhr findet eine Lesung zur Ausstellung aus „Die Rätsel der Alme“, der Schriftstellerin Cornelia Becker statt, die hiermit ihr neues Buch mit Arbeiten von Dietlind Horstmann-Köpper vorstellt.

Am Freitag, den 26. Juni, 18 Uhr findet eine Finissage mit Künstlergespräch zwischen Jobst Deventer und Dietlind Horstmann-Köpper unter Moderation von Angela Holzhäuer, Kunsthistorikerin M.A. statt. Wozu der musikalische Rahmen von Mitgliedern der Band „Ulla& die VielSaitigen“ geboten wird.

Die Ausstellung kann bis zum 26. Juni 2026 während der Öffnungszeiten des Kulturhauses oder nach Absprache besucht werden