„Attraktive Lebens- und Arbeitsräume“

SPD/Grüne Schneverdingen: Arbeitsgruppe zur Bau- und Stadtentwicklung stellt Ergebnisse vor

„Attraktive Lebens- und Arbeitsräume“

Baugrund ist nach wie vor stark nachgefragt in Schneverdingen, wie sich gerade erst wieder gezeigt hat: Für das am Zahrenser Weg entstehende Baugebiet Halmsrahde hat die Stadt GmbH Schneverdingen die ursprünglich für Dezember vergangenen Jahres geplante Grundstücksverlosung vorgenommen. 21 Interessenten können sich nun an die Planung ihrer Einfamilienhäuser machen (HK berichtete). An der hohen Nachfrage wird sich wohl auch künftig nichts ändern. Politik und Stadtverwaltung stehen vor der großen Herausforderung, für eine ausreichende Infrastruktur zu sorgen und attraktive Lebens- und Arbeitsräume für alle Einwohnerinnen und Einwohner zu entwickeln, zu verändern und zu begleiten. Es geht aber nicht nur um die Siedlungsentwicklung, sondern auch um die Versorgung mit Wasser, Energie und Wärme, um öffentlichen Verkehr, das Straßennetz und vieles mehr. Mit diesem Themenkomplex hat sich eine Arbeitsgruppe der Mehrheitsgruppe SPD/Grüne im Stadtrat intensiv beschäftigt und diverse Ideen und Anregungen erarbeitet. Jan-Kosta Recksiek und Hendrikje Köster, beide Mitglieder der SPD-Fraktion im Schneverdinger Stadtrat, berichten über die Ergebnisse.

Die Gesellschaft sei im stetigen Wandel, so die beiden Ratsmitglieder. Eine wachsende Urbanisierung und der Einfluss der Großstädte seien überall sichtbar und hinterließen Spuren. In den vergangenen Jahrzehnten seien die ökologischen Herausforderungen immer deutlicher geworden. Beton und Asphalt drängten die Natur zurück. „Der Trend, Innenstädte zu verdichten, ist rechtlich vorgeschrieben, aber auch sinnvoll, um den Flächenfraß zu verringern“, erläutern die Sozialdemokratin und ihr Genosse: „Derzeit werden 60 Hektar Land täglich in Deutschland versiegelt. Diese globalen Trends und gesellschaftlichen Veränderungen sind seit einigen Jahren auch in Schneverdingen angekommen.“

Wegen dieser Veränderungen hat sich die Mehrheitsgruppe SPD/Grüne umfassend mit diesen Themen beschäftigt. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger hätten Kontakt zu den Vertretern der Kommunalpolitik aufgenommen, engagiert ihre Meinung kundgetan. Im Frühjahr vergangenen Jahres hätten einige Mitglieder der SPD und von Bündnis 90/Die Grünen dann eine Arbeitsgruppe (AG) ins Leben gerufen, die wiederum Ideen gesammelt und dabei auch die Anregungen zahlreicher Bürgerinnen und Bürger aufgegriffen habe.

Die Ergebnisse stellten die Mitglieder der AG zunächst allen Ratsmitgliedern der Mehrheitsgruppe zur Verfügung, um die Anregungen und Vorschläge im größeren Kreis zu diskutieren. Die Essenz des Ganzen präsentierte der Arbeitskreis schließlich Bürgermeisterin Meike Moog-Steffens und den Mitarbeitern der Verwaltung, die sich zu diesem Themenkomplex mit Blick auf das nächste Baugebiet ebenfalls bereits Gedanken gemacht hatten.

Recksiek erklärt: „Die Arbeitsgruppe hat einige Vorschläge erarbeitet, wie zukünftige Baugebiete und Bauvorhaben ökologisch und gestalterisch aufgewertet werden können. So ist es beispielsweise wünschenswert, dass Wohngebiete nicht durch zu hohe, undurchsichtige Zäune einzelner Grundstücke eingeengt werden. Die Einzäunung zur Straße sollte in ihrer Höhe begrenzt werden, mit Ausnahme von heimischen Hecken. Außerdem ist einigen Grundstückseigentümern oder Bauherren nicht bewusst, dass sogenannte Schottergärten verboten sind.“ Und Köster ergänzt: „Wir möchten die Grundstückseigentümer und zukünftigen Bauherren für das Thema sensibilisieren.“

Beide machen zugleich deutlich, dass die bisher großzügige Gestaltungsfreiheit in den Baugebieten Schneverdingens für Bauherren ein großer Vorteil sei. Daran solle sich auch nichts ändern, allerdings müsse die Entwicklung ganz genau im Blick behalten werden: „Wenn Beton und Stein heimische Pflanzen und Gewächse verdrängen, müssen wir unserer ökologischen Verantwortung gerecht werden und eingreifen.“

Ein Hauptthema der Arbeitsgruppe ist die „ökologisch wertvolle Quartiersentwicklung“, auch unter gestalterischen Gesichtspunkten. Neben der Anordnung und Ausrichtung öffentlicher Flächen unter ökologischen und sozialen Gesichtspunkten gehöre zur Entwicklung auch eine quartiersbezogene und moderne Energieversorgung, etwa durch ein Blockheizkraftwerk, das gegebenenfalls Wärme aus klimaneutralem Wasserstoff gewinnen könnte. Eine ausreichende Versorgung für künftige E-Mobilität und schnelle Breitbandversorgung seien ebenfalls unabdingbar.

Flachdächer, Garagen und Carports ab einer Größe von 20 Quadratmetern sollen nach Vorstellung der Arbeitsgruppe zukünftig begrünt werden, sofern darauf nicht eine Photovoltaik-Anlage installiert werde. Hier appellieren Köster und Recksiek auch an die Investoren von großen Mehrfamilienhäusern, „ihrer Verantwortung für die biologische Vielfalt gerecht zu werden“, denn: „Jeder erhaltene Baum zeugt von Verantwortungsbewusstsein für das Stadtbild und die Umwelt.“ Vorstellbar sei zum Beispiel auch, dass die Stadt GmbH beim Verkauf künftiger Baugrundstücke die Anpflanzung eines Baums bezuschusse, den jeder Bauherr dann in seinen Garten pflanzen sollte.

Diverse Schneverdingerinnen und Schneverdinger haben ihre Vorschläge bereits an die Kommunalpolitiker herangetragen, die Arbeitsgruppe möchte jedoch weitere Meinungen aus der Bevölkerung einholen. „Ohne Pandemie hätten wir zu diesem Thema längst eine öffentliches Gruppensitzung gemacht, denn natürlich wollen wir wissen, ob die Bürgerinnen und Bürger die gleiche Meinung haben wie wir. Wir wünschen uns einen regen Austausch“, unterstreicht Köster.

Sobald die Pandemie wieder Veranstaltungen in einem geeigneten Rahmen zulässt, möchte die Gruppe die Öffentlichkeit über ihre Ergebnisse informieren und mit den Einwohnerinnen und Einwohnern diese und auch weitere Themen, so zum Beispiel die nächtliche Beleuchtung von Gärten und Nachbargrundstücken, diskutieren. Die Ratsmitglieder von SPD und Grünen freuen sich auf entsprechende Anregungen der Schneverdinger.

Was die Arbeitsgruppe in Sachen Bau- und Stadtentwicklung in der Heideblütenstadt erarbeitet hat, soll laut Köster nicht als Antrag in den Stadtrat eingebracht werden, sondern der Stadtverwaltung Impulse geben. Die SPD-Ratsfrau: „Natürlich ist uns klar, dass nicht jede Idee umsetzbar ist, zum Beispiel wegen gesetzlicher Regelungen. Deshalb sind wir im Austausch mit der Verwaltung und bleiben mit ihr natürlich auch weiterhin im Gespräch.“

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