Auch in diesem Jahr kein Heideblütenfest

Schneverdinger Verein Heideblüte sagt größtes Heimatfest der Region ab

Auch in diesem Jahr kein Heideblütenfest

Freunde und alte Bekannte treffen, in fröhlicher Runde an einer der vielen Buden ein Kaltgetränk genießen, originell kostümierte Fußgruppen und kreativ geschmückte Festwagen beklatschen, der alten und der neuen Heidekönigin zuwinken - all dies wird es in Schneverdingen am letzten Augustwochenende auch in diesem Jahr nicht geben. „Das Heideblütenfest 2021 wird nicht stattfinden - leider“, erklärte Schneverdingens Bürgermeisterin Meike Moog-Steffens in ihrer Funktion als Vorsitzende des Vereins Heideblüte, der das größte Heimatfest in der Region veranstaltet, am vergangenen Mittwoch in einem Pressegespräch.

„Die Vorstandsmitglieder haben es sich nicht leichtgemacht. Wir haben zweimal intensiv getagt und auch drei Nächte darüber geschlafen“, so Moog-Steffens. Angesichts der Entwicklungen in der Corona-Pandemie jedoch „können wir die Verantwortung nicht tragen.“ Nachdem bereits das Fest im vergangenen Jahr hatte vom Terminkalender gestrichen werden müssen, hofft das Organisationsteam nun auf 2022. Dann soll das Jubiläum „100 Jahre Heideblütenfest“ besonders gefeiert werden.

Bei insgesamt um die 40.000 Besuchern, allein sonntags rund 25.000, sei die Veranstaltung in Corona-Zeiten „nicht beherrschbar“, betonte Moog-Steffens: „Wir können nicht für Abstände sorgen, nicht für Dokumentationen und auch nicht dafür, dass die Besucher Masken tragen. Das funktioniert einfach nicht.“ Die Gefahr sei groß, dass aufgrund der Veranstaltung ein Corona-Hotspot entstehe, „und wir müssen uns fragen, wer dann dafür geradestehen wird“, so die Vereinsvorsitzende. Natürlich habe es Überlegungen gegeben, im Höpen im kleinen Rahmen zumindest die Krönung der Heidekönigin vorzunehmen - ohne Umzug und ohne Aktivitäten in der Stadt. Eine Idee sei es gewesen, berichtete Moog-Steffens, dass das Ensemble der Calluna-Bühne ein kleines Stück aufführt, eventuell auch in mehreren Durchgängen, und dieses sowie die Zeremonie über das Internet übertragen wird. Dazu hätte jedoch, wie beim „HöpenAir“, ein Bauzaun aufgestellt werden müssen, zudem wäre kaum zu verhindern gewesen, „dass die Leute trotzdem in den Höpen strömen.“ Außerdem stelle sich die Frage, „wie wir das Heideblütenfest feiern wollen“, betonte Moog-Steffens. Höhepunkt des Festes sei die Krönung der Heidekönigin. Die amtierende Majestät Johanna Stuhlmacher und ihre bereits benannte Nachfolgerin, die in diesem Jahr die Regentschaft übernehmen sollte, hätten sich laut der Vorsitzenden beide gegen eine „virtuelle Zeremonie“ ausgesprochen. „Eine Heidekönigin möchte im Höpen gekrönt werden, auf der Kutsche sitzen und in der Menge baden. Das können wir verstehen. Das gehört einfach dazu und ist Tradition“, so Moog-Steffens.

Einen weiteren Aspekt nannte Resa Domurath, Geschäftsführerin des Vereins Heideblüte. Vor jedem Heideblütenfest müsse ein umfangreiches Sicherheitskonzept vorgelegt werden. „Landkreis, Feuerwehr, Deutsches Rotes Kreuz, Polizei - alle müssen mitentscheiden. Wir würden wohl keine Genehmigung bekommen.“ Ferner habe es bereits Gespräche mit den Spielmannszügen und Wagenbauern gegeben. „Viele haben da bereits von sich aus gesagt, dass das doch nichts wird“, erklärte Domurath. Aufgrund der erforderlichen Vorbereitungen und Planungen sei es nun an der Zeit gewesen, eine Entscheidung zu treffen. Und diese ist nun gefallen. Damit wird die amtierende Majestät Johanna Stuhlmacher ein weiteres Mal in die Verlängerung gehen. Ihre Nachfolgerin hat zugesagt, auch im kommenden Jahr zur Verfügung zu stehen. Wenn alles gutgeht, wird sie dann im Zuge des Jubiläumsheideblütenfestes gekrönt. Das Heideblütenfest geht bekanntlich auf das „Fest der weißen Rose“ zurück, das erstmals im Jahr 1922 gefeiert wurde. „Die Region Lüneburger Heide wollte damals unbedingt ein Heimatfest etablieren und hat sich Schneverdingen als Veranstaltungsort ausgesucht“, erläuterte Moog-Steffens.

Die weiße Rose findet sich im Schneverdinger Stadtwappen, das wiederum aus dem Wappen der Adelssippe von Schneverding hervorgagangen ist. Im Jahr 1936, ein Jahr vor der Verleihung des heutigen Stadtwappens, wurde das „Fest der weißen Rose“ in Heideblütenfest umbenannt. Seitdem wird es am letzten Augustwochenende gefeiert. Erste Heidekönigin war damals übrigens Elsa Ehrhorn. „Wir vom Vorstand hoffen sehr, dass wir die Pandemie im Jahr 2022 überstanden haben und das Fest dann so feiern können, wie wir alle uns das vorstellen“, betonte Moog-Steffens. Bitter ist die nunmehr zweite Absage des Festes in Folge nicht nur für diejenigen, die gern in großer Gemeinschaft feiern, sondern auch für all jene, die gerade in den Wochen rund um das Fest wirtschaftlich profitieren. Tourismus, Gastronomie, Hotellerie und Einzelhandel haben in ohnehin schwierigen Zeiten weitere Einbußen zu verkraften. „Zum Heideblütenfest ist Schneverdingen sonst ausgebucht“, unterstrich Moog-Steffens.

Damit die Heideblütenstädter zumindest einen Hauch von Heideblütenfest spüren können, sind - wie im vergangenen Jahr - einige kleinere Maßnahmen vorgesehen. „Wir werden die Stadt ein bisschen schmücken, es wird Lichter geben und auch die Krone kommt wieder auf das Dach“, berichtete Domurath: „Außerdem hat sich der Vorstand überlegt, dass die amtierende Heidekönigin etwas machen wird. Eventuell hält sie eine kleine Ansprache, die über das Internet gezeigt wird.“ Laut Domurath und Moog-Steffens werde es auch keinen Volkslauf zum Heideblütenfest geben. Die Organisatoren der Sportveranstaltung arbeiteten derzeit an möglichen Alternativen.

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