Aus fürs „HöpenAir“ in Schneverdingen | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Zu hohe Kosten und zu wenige Besucher: Stadtjugendring zieht Reißleine

Aus fürs „HöpenAir“ in Schneverdingen

Schlechte Nachrichten für Festival-Fans und Live-Musik-Freunde aus der Heideregion: Der Stadtjugendring teilte am vergangenen Donnerstag mit, dass es in Schneverdingen künftig kein „HöpenAir“ geben wird. „45 Jahre Festivalgeschichte in Schneverdingen gehen leider zu Ende. Mit großem Bedauern müssen wir heute das Aus unseres geliebten ‚HöpenAir‘-Festivals bekanntgeben. Nach fast einem halben Jahrhundert voller Kultur, Leidenschaft und unzähligen Begegnungen zwingen uns die aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die Entwicklungen in der Festival- und Booking-Branche und massiv gestiegene Produktionskosten zu diesem schweren Schritt“, so Michel Baden von der Festivalleitung: „Es war uns eine Ehre, die Kulturlandschaft in der Heide über so viele Jahrzehnte mitzugestalten. Unser tiefster Dank gilt allen Künstlern, Partnern, dem gesamten Team hinter den Kulissen und natürlich unserem fantastischen Publikum.“

Die Entscheidung habe man schweren Herzens getroffen. In mehreren Krisensitzungen mit dem geschäftsführenden Vorstand habe sich der Stadtjugendring Schneverdingen jetzt eingestehen müssen, dass es mit seiner größten Musikveranstaltung in der jetzigen Form nicht weitergehen könne. Steigende Produktionskosten stünden sinkenden Gästezahlen gegenüber. Das habe bei den Organisatoren des Festivals auf der Freilichtbühne im Höpen bereits seit Jahren für Sorgenfalten und eine unsichere Planungslage gesorgt.

„Für das diesjährige ‚HöpenAir‘ hatten wir vorsichtig 2.200 zahlende Gäste kalkuliert. Am Ende waren es trotz eines deutlich größeren Werbeaufwandes als bisher lediglich 1.400 Besucher“, heißt es in der Mitteilung des Stadtjugendrings zum Aus der Veranstaltung. Unabhängig vom Wetter seien die Ticketverkäufe seit elf Jahren konstant rückläufig. Eine Bundesförderung habe in diesem Jahr dafür gesorgt, dass man „mit einem blauen Auge davongekommen“ sei. Dennoch stehe unter dem Strich ein deutliches Minus von um die 40.000 Euro „und die Erkenntnis, dass es nicht ausreicht, an kleineren Rädchen zu drehen, um Kosten zu sparen.“

Die Produktionskosten der Veranstaltung liegen laut Stadtjugendring bereits seit vielen Jahren im sechsstelligen Bereich. Auch wenn Sponsoren und Helfer das „HöpenAir“ über die vielen Jahre immer in großem Maße finanziell oder mit „Hardware“ unterstützt hätten, seien die Preise für Logistik, Bühne, Bauzäune, Aggregate, Technik, Security, Toiletten und ähnliches rasant gestiegen. „Das fällt besonders auf, wenn eine Veranstaltung, wie das ‚HöpenAir“, nur alle zwei Jahre ausgerichtet wird und macht eine frühzeitige Kalkulation der Ticket- und Getränkepreise für die Veranstaltung schwierig“, so die Festivalleitung.

Auch wenn ein Großteil des Personals, immerhin bis zu 120 Helfer am Veranstaltungstag, ehrenamtlich tätig seien, fielen beispielsweise für den Sicherheitsdienst, Techniker oder Bühnenbauer erhebliche Personalkosten an. Außerdem stelle das Veranstaltungsgelände, so schön die Freilichtbühne im Höpen auch sei, extreme Herausforderungen an zusätzlichem Equipment und Arbeitszeit. Letztlich stünden „auch diese anstrengenden Tage des Auf- und Abbaus in keinem Verhältnis zu einer eintägigen Veranstaltung mit den aktuellen Gästezahlen.“ Weiter heißt es: „Besonders lokal scheint das ‚HöpenAir‘ zudem seit Jahren an Stellenwert zu verlieren. Zuletzt wurden nur noch etwa 400 Tickets vor Ort verkauft, während knapp 1.000 Gäste aus weiter als 40 Kilometern Entfernung angereist kamen.“

In den 1990er Jahren war das Festival im Höpen Treffpunkt für alle Generationen von Musikliebhabern und hatte zu dieser Zeit regelmäßig an die 10.000 Besucher. Große Namen wie Achim Reichel, Spider Murphy Gang oder H-BlockX kamen in die Heideblütenstadt und begeisterten tausende Musikfans. „Namen an die in den vergangenen Jahren nicht mehr zu denken war. Nicht allein, weil die Gagen nicht bezahlbar waren, sondern vor allem aufgrund des Gebietsschutzes, den die großen Veranstalter standardmäßig in die Gastspielverträge übernehmen. Durch die Nähe zum Hurricane-Festival und zu den Konzertlocations in Hamburg ist eine Unterschrift von aktuell angesagten Bands und Künstlern fast nicht möglich“, erklärt der Stadtjugendring: „Mehrfach hatte es in den letzten Jahren aussichtsreiche Gespräche mit Agenturen gegeben, die dann aber doch abgesagt haben, um die Chance zu haben, dass ihre Künstler auf dem Hurricane gebucht werden.“ Nun reihe sich das „HöpenAir“ traurigerweise ein in die Liste der kleineren und mittelgroßen Festivals und Veranstaltungen, die aus ähnlichen Beweggründen die Reißleine hätten ziehen müssen.

„Beinahe alle aus dem Team sind mit dem ‚HöpenAir‘ aufgewachsen und haben viele Jahre ehrenamtlich für das Festival gearbeitet, viele Urlaubstage dafür geopfert und unzählige Geschichten rund um das Event erlebt. Eine emotionale Bindung haben alle, jedoch wäre ein weiterer Versuch, das Festival am Leben zu erhalten, äußerst fahrlässig und würde die Existenz des gesamten Vereins gefährden“, unterstreicht Baden. Der Stadtjugendring organisiere immerhin noch viele weitere Veranstaltungen wie das „AcoustiX“-Festival, den Dämmerschoppen, das Kneipen-Quiz, den Ferienpass und sei bei der Reihe „Musik am Mittwoch“ und beim Weihnachtsmarkt dabei. Das bisherige „HöpenAir“-Team wolle nach Möglichkeit eine neue Veranstaltung entwickeln, „die Menschen bei Musik zusammenbringt. Ideen und Konzepte werden bereits diskutiert.“

Baden abschließend: „Das Ende dieses Kapitels bedeutet natürlich nicht, dass unsere gemeinsame Reise hier endet. Unsere Leidenschaft für Kultur, Begegnung und besondere Erlebnisse ist weiterhin da – und wir freuen uns darauf, zu schauen, was sich daraus entwickeln kann. Aktuell richten wir unseren Blick erst einmal auf unsere bestehenden Veranstaltungen.“