Die Bürgerreise der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Schneverdingen führte die 36 Teilnehmer vom 5. bis 9. Juni zunächst nach Posen und dann nach Barlinek. Fünf Tage lang erlebte die Gruppe nicht nur Großstadt und Kleinstadt im Nachbarland Polen, sondern konnte auch die Gastfreundschaft erleben, wie sie seit über 30 Jahren typisch ist für Empfänge von Gästen aus Schneverdingen.
Als Reise für Jedermann angeboten, hatten sich Teilnehmer aus Schneverdingen, Soltau und Wietzendorf angemeldet und waren gespannt auf das, was sie erwarten sollte.
Posen, mit über einer halben Million Einwohnern die fünftgrößte Stadt in Polen, gilt als eine der Wiegen des polnischen Staates. Hier befand sich im 10. Jahrhundert eines der wichtigsten Machtzentren der ersten polnischen Herrscher aus der Dynastie der Piasten. Auf der Dominsel steht die älteste Kathedrale Polens.
Die Reisegesellschaft kam gut gelaunt und ohne Verkehrsstau nach acht Stunden Busfahrt in ihrem stadtnahen Hotel an und hatte auf dem Weg zum Abendessen noch Zeit genug, das schönste mittelgroße Einkaufszentrum Europas zu besichtigen, das in der „Alten Brauerei“ mit circa 200 Ladengeschäften zum Bummeln und verweilen einlud. Das Abendessen selbst gab es im Gewölbekeller des Restaurants „Ratuszowa“, was sich am besten mit „Ratskeller“ übersetzen lässt. Unmittelbar auf dem Altmarkt gegenüber dem Rathaus gelegen, bot das historische Ambiente des Lokals einen Vorgeschmack auf die Stadtführung am folgenden Vormittag.
Diese zeigte bei einer Busrundfahrt und einem anschließenden Spaziergang die zahlreichen Sehenswürdigkeiten und touristischen Attraktionen, die Museen und historischen Stätten Posens: die Dominsel, den künstlichen See Malta mit seinen Sportanlagen, das Schlossviertel und zuletzt den historischen Marktplatz, welcher erst im vergangenen Jahr grundlegend saniert worden war. Pünktlich um 12 Uhr konnte die Gruppe auf dem Rathausturm das Schauspiel erleben, wie sich zwei Ziegenböcke zwölfmal an den Hörnern stoßen. Dies ist auf eine Legende aus dem 16. Jahrhundert zurückzuführen. Nach einem Mittagessen in einer Seitengasse mit polnischer saurer Suppe und Entenbraten hatten die Teilnehmer am Nachmittag freie Zeit, um ihren Schwerpunkt für den Aufenthalt in Posen selbst zu setzen.
Am dritten Tag der Reise ging es zunächst zum nahe gelegenen Schloss Rogalin, das in den 1770-er Jahren vom polnischen Magnaten Razimierz Racynski als Familiensitz der Familie Racynski errichtet wurde. Es gilt als eines der bedeutendsten spätbarocken Schlossensembles Polens. Auch die Bildergalerie und die Kutschenausstellung sowie der Schlosspark beeindruckten die Besucher. Ein Landgasthof lud zu einem feinen Drei-Gänge-Menü ein, danach ging es weiter in die Partnerstadt Barlinek.
Es war Sonntagabend und der Heimatverein in Dziedzice erwartete die Gruppe, um zunächst das Heimatmuseum zu zeigen, das sowohl Kriegsgeschichte als auch Handwerk und Leben auf dem Lande zeigt und auch eine Abteilung „Schulmuseum“ sowie seit neuestem eine Ausstellung über den „modernen Haushalt“ nach dem Krieg beinhaltet: erste Haushaltsmaschinen sowie Radio und Fernseher zogen in die Haushalte ein.
Dann gab es ein rustikales Abendessen und beste Unterhaltung mit Musik und Tanz, bei dem auch die älteren Teilnehmer der Reise, die deutlich auf die neunzig zugingen, auf die Tanzfläche gelockt wurden, um bei Tanz und Polonäse dem Takt der Musik zu folgen. Der Abend endete mit einem großen Stehkreis, 50 Wunderkerzen und Bodenfeuerwerk in der späten Abenddämmerung, so dass es allen schwerfiel, sich voneinander zu verabschieden.
Der vorletzte Reisetag gehörte der Stadt Barlinek: ein Besuch im Heimatmuseum, welches die deutsche Geschichte von Barlinek und das Wirken von Emanuel Lasker zeigte, der von 1894 bis 1921 siebenundzwanzig Jahre lang Schachweltmeister war. Der Besuch der Marktkirche und ein kleiner Rundgang am See zeigten die Schönheit der Stadt. Der Blick auf die historische Badeanstalt am See, auf die vier Vogelinseln im See und den Campingplatz auf der anderen Seite gegenüber der Stadt, der kleine Bootshafen für Ruder- und Segelboote – das alles lud zum Verweilen ein.
So konnte der Stadtrundgang gut beim Mittagessen in einem Restaurant ausklingen, das ebenfalls einen Blick auf den Barlineker See bot. Dann kam ein kleines Shuttle und holte die Gäste zum Bootsanleger am Campingplatz ab, wo eine Rundfahrt auf dem See startete, was die beste Perspektive auf Barlinek, die Hotels am See und die wunderbare Natur bot.
Am Abend gab es ein feines Buffet und Saxofon-Musik, meistens ruhig, manchmal flott, so dass die Gruppe sich gut unterhalten, aber auch noch einmal das Tanzbein schwingen konnte. Besonders freuten sich die Gäste über den Besuch der Waldkönigin mit ihrer Ehrendame, die es sich nicht nehmen ließ, auch einen Tanz aufs Parkett zu legen.
Am Abreisetag ging es nicht direkt zurück nach Schneverdingen, sondern auf dem Weg gab es noch eine Stadtrundfahrt durch Stettin. Mit 400.000 Einwohnern ist Stettin die siebtgrößte Stadt Polens und der größte Seehafen Polens, obwohl die Stadt 60 Kilometer von der Ostsee entfernt ist. Die Stadt hat eine ungewöhnliche, an Paris erinnernde Stadtplanung mit großen Plätzen, sternförmig verlaufenden Alleen und vielen Parks.
Nach einem guten Mittagessen in einem Vier-Sternehotel trat die Reisegruppe – mit vielen Eindrücken versehen – die Heimreise an, mit dem Versprechen, dass es nicht die letzte Reise nach Polen gewesen sein sollte.
„Die Deutsch-Polnische Gesellschaft organisiert Bürgerreisen in regelmäßigen Abständen, um die Schönheit und Vielseitigkeit des Nachbarlandes hautnah zu zeigen, für die Gastfreundschaft unserer polnischen Partner und Freunde zu werben und zu zeigen, wie schön es ist, Teil der europäischen Familie zu sein.“ Dies sei, so meint Peter Plümer als Vorsitzender des Vereins und Organisator der Reise, auch diesmal wieder gut gelungen.