Bienenrettung per Münzeinwurf: Wer den Dreh raus hat, dem blüht was

Schneverdingen: Umgebauter Kaugummiautomat jetzt ein „Saatgut-Spender“

Bienenrettung per Münzeinwurf: Wer den Dreh raus hat, dem blüht was

Knallgelb ist er und hat es in sich, der Kaugummiautomat, den die Stadt Schneverdingen beschafft hat und der jetzt an der „Alten Schule“ neben dem Eingang zur Musikschule hängt. Wer als Kind die Zeichentrickserie Biene Maja gesehen hat, der wird sich an den Freund der „Hauptdarstellerin“ erinnern: Willi begleitete Maja bei vielen Abenteuern, meistens jedoch nur widerwillig. Vor allem hatte der ängstliche Faulpelz ständig Hunger. Er wäre zweifelsfrei ein großer Fan des gelben Kastens, der jetzt in der Heideblütenstadt auf 50-Cent-Stücke wartet, handelt es sich doch um einen Bienenfutterautomaten. Wer eine Münze einwirft und am schwarzen Griff den Dreh raus hat, dem blüht was: Statt bunter Kugeln zum Kauen landen nämlich mit Saatgut gefüllte Kapseln im Ausgabefach.

Flächenversiegelung, Pestizideinsatz und Monokulturen - Bienen wird es hierzulande zunehmend schwer gemacht, zu überleben. Sebastian Everding, ein junger Unternehmer aus Dortmund, wollte etwas gegen den Insektenschwund tun und hatte eine gute Idee. Er baute einen ausgemusterten Kaugummiautomaten um und befüllte ihn mit Samenmischungen und Blumenzwiebeln zum Mitnehmen, mit dem Ziel, „mehr Blütenvielfalt für heimische Bestäuber-Insekten in die Stadt zu bringen.“ Das war im Jahr 2019. Die Saat ging auf: Seine Kreation stieß auf Begeisterung, Presse und Fernsehen berichteten darüber und auch in den sozialen Netzwerken wurde die Idee gefeiert. Grund genug für Everding, weitere Automaten umzufunktionieren. Seitdem arbeitet er in liebevoller Handarbeit Original-Kaugummiautomaten der 1960er bis 1980er Jahre auf, wobei er aus Gründen der Nachhaltigkeit ausschließlich gebrauchte Teile verwendet, um die urigen „Saatgut-Spender“ herzustellen. Seit Anfang vergangenen Jahres gibt es diese bundesweit, um, wie es auf der Internetseite www.bienenautomat.de heißt, „alle Orte der Republik aufblühen zu lassen.“

Wie so oft gilt auch hier: „Die Mischung macht’s“. Deshalb kooperiert der Jungunternehmer mit der „Bienenretter Manufaktur“, die Füllware mit Samen liefert, sowie mit dem Bienenretter-Projekt des Frankfurter Institut für nachhaltige Entwicklung (FINE). Ein Teil der Einnahmen fließen dem Bildungs- und Ökologieprojekt „Bienenretter“ zu. Wie das Saatgut, so breitet sich auch die Idee aus, so dass inzwischen ein regelrechtes Netzwerk von Bienenfutterautomaten entstanden ist. Eine Übersicht über alle Standorte finden Interessierte unter www.bienenautomat.de.

Das Exemplar in Schneverdingen ist übrigens mit Saatgut von heimischen Wildpflanzen aus der Region Nordwestdeutsches Tiefland befüllt. Der Name der Mischung ist Programm: „Lass deine Stadt aufblühen!“

„Da außer gebietsheimischen Pflanzen einzelne Kulturarten aus der Mischung hervorgehen können, ist eine Ausbringung lediglich im Siedlungsbereich und nicht in der freien Landschaft zulässig“, heißt es vonseiten der Schneverdinger Stadtverwaltung. Die Aussaat sollte vorzugsweise im Frühjahr bis Mitte Mai oder aber im Spätsommer bis Mitte September erfolgen. „Der Inhalt einer Kapsel lässt sich gut in ein bis zwei Balkonkästen, entsprechend großen Blumentöpfen oder an einer freien sonnigen bis halbschattigen Stelle im Garten unterbringen. Es empfiehlt sich die Mitnahme des kostenlosen Flyers mit Tipps zur Aussaat, damit auf dem Weg zur Blühwiese im Kleinen möglichst nichts schief geht“, rät die Verwaltung. Zudem werde um Rückgabe der leeren Saatgutkapseln in den dafür vorgesehenen Behälter gebeten, denn: „Die Kapseln werden neu befüllt und gelangen anschließend zurück in den Automaten.“

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