Britische Fachleute aus dem Nationalpark Lake District im Naturschutzgebiet

Auch der „Brexit“ Thema im den Gesprächen mit den deutschen Gastgebern

Britische Fachleute aus dem Nationalpark Lake District im Naturschutzgebiet

In den vergangenen beiden Jahren ist Vieles zu kurz gekommen, auch im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide. Bedingt durch die Corona-Pandemie musste etwa der fachliche Austausch im Naturschutz weitgehend digital erfolgen. Exkursionen und Tagungen waren kaum möglich. Nun jedoch fanden drei Fachleute aus dem britischen Nationalpark Lake District den Weg in das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide.

Der Lake District im Nordwesten Englands ist der größte und bekannteste englische Nationalpark. Ähnlich wie bei der Lüneburger Heide handelt es sich beim Lake District um eine historische Kulturlandschaft. Die Beweidung mit Nutztieren, die Renaturierung von Fließgewässern und Mooren und der Erhalt unzähliger historischer Denkmäler gehören zu den Schwerpunktaufgaben der englischen Naturschutzfachleute. Dazu kommen aktuelle Aufgaben wie die Bewältigung von gewaltigen Tourismusströmen und Tagesgästen in Zeiten von Corona.

Teil des Exkursionsprogrammes der englischen Gäste waren Besuche bei den Schäferinnen und Schäfern der VNP-Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide sowie wie eine Wanderung durch das Pietzmoor bei Schneverdingen. Dort arbeitet der VNP seit vielen Jahren an der Renaturierung der ehemaligen Torfstiche und der Verbesserung des Wasserhaushaltes. Die Entwicklung von blütenreichen Magerrasen und der Schutz von Ackerwildkräutern im Rahmen des gemeinsamen Forschungsprojektes „Ökokult“ von VNP, Leuphana-Universität Lüneburg und Alfred-Toepfer-Akademie für Naturschutz (NNA) waren ebenfalls von großem Interesse für die englischen Fachleute.

Und auch der Brexit war immer wieder Thema bei Diskussionen unter britischen und deutschen Naturschützerinnen und Naturschützern. Der Wegfall der EU-Subventionen stellt sowohl die Landwirtschaft als auch die Naturschutzarbeit in Großbritannien vor große Herausforderungen. Eine neue Einnahmequelle soll in Zukunft die Vermarktung von sogenannten „Ökosystemdienstleistungen“ durch die Landwirtschaft sein. Bereits in zwei Jahren sollen die ersten Verträge zwischen Landwirtschaft und Energie- und Wasserwirtschaft abgeschlossen werden. So sollen die englischen Landwirtinnen und Landwirte im Lake District in Zukunft nicht nur von der Vermarktung ihrer Schafe oder dem Angebot von „Urlaub auf dem Bauernhof“ leben. Viel stärker als bislang sollen auch die Bindung von CO2 durch Humusaufbau und Moorrenaturierung, der Schutz vor Hochwasserkatastrophen durch Fließgewässerrenaturierung oder die Bereitstellung von sauberem Grundwasser für die Trinkwasserversorgung als Leistungen der Landwirtschaft bezahlt werden.

Der Brexit und die damit verbundenen Verwerfungen im Finanzierungssystem von Naturschutz und Landwirtschaft zwingen die britischen Kolleginnen und Kollegen zu ganz neuen Einkommenswegen, über die in Deutschland noch sehr verhalten diskutiert wird.

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