Bronzemedaille nach wechselvoller Saison | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Dritter Platz für Schneverdinger Faustballerinnen bei Deutscher Meisterschaft

Bronzemedaille nach wechselvoller Saison

Nach einer Saison mit Höhen und Tiefen wurden die Mühen des Teams aus der Heideblütenstadt jetzt mit der Bronzemedaille belohnt: Die Faustballerinnen des TV Jahn Schneverdingen haben die Deutsche Meisterschaft in Bardowick auf dem dritten Platz beendet. Nach einem dramatischen Viertelfinalsieg gegen den TSV Pfungstadt, der Halbfinalniederlage gegen den TSV Dennach und einem überzeugenden Erfolg im Spiel um Bronze gegen den TV Brettorf kehren die Heidschnucken mit einer weiteren DM-Medaille nach Hause. Es ist der verdiente Abschluss einer Saison, in der die Mannschaft immer wieder Rückschläge wegstecken musste – und sich dennoch erneut auf nationaler Bühne behauptete.

Schon vor dem ersten Ballwechsel schien das Turnier unter keinem guten Stern zu stehen. Beim Aufwärmen verletzte sich Mannschaftsführerin Laura Kauk am Knöchel. Mit einem kurzfristig getapten Fuß biss sie zwar auf die Zähne und stand dennoch in der Startformation, die Verletzung war ihr jedoch während des gesamten Spiels deutlich anzumerken. „Ich habe schnell gemerkt, dass ich der Mannschaft nicht so helfen konnte, wie ich es eigentlich wollte. Das war unglaublich frustrierend. Umso glücklicher bin ich, dass wir als Team Lösungen gefunden haben“, berichtete Kauk später.

Diese Lösungen waren zunächst allerdings nicht in Sicht. Gegen den TSV Pfungstadt fand der TV Jahn überhaupt nicht in die Partie. Vor allem die gebürtige österreichische Angreiferin Teresa Thomas stellte die Schneverdingerinnen mit ihren druckvollen und präzisen Angaben immer wieder vor unlösbare Aufgaben. Mit zahlreichen Assen Pfungstadts und einer selbst ungewohnt hohen Eigenfehlerquote geriet der TV Jahn schnell mit 7:11 und 8:11 in Rückstand. Auch spielerisch blieb die gesamte Mannschaft zunächst weit unter ihren Möglichkeiten.

Doch dann in der Mitte des dritten Satzes – als die Rot-Weißen bereits kurz vor dem vorzeitigen DM-Aus standen – gelang Trainerin Christine Seitz der entscheidende taktische Kniff. Die Jahnlerinnen lösten ihre klassische X-Formation auf und stellten auf eine W-Formation um. Alina Karahmetovic rückte dabei im Spielaufbau einige Meter weiter nach hinten, während Kauk und Luca von Loh die Spielfeldecken konsequent schlossen. Die Umstellung zeigte sofort Wirkung. Pfungstadt verlor seine größte Stärke, Schneverdingen gewann Sicherheit und kämpfte sich Punkt für Punkt zurück. Mit 11:8, 11:9 und 11:6 drehten die Heidschnucken den Nervenkrimi tatsächlich noch zu ihren Gunsten. Es war sinnbildlich für die gesamte Saison: Rückschlag, Umstellung, Comeback. Nicht immer schön, oft wackelig – aber am Ende erfolgreich.

Die Euphorie über das Comeback hielt allerdings nicht lange an. Nur wenige Stunden später wartete im Halbfinale der ungeschlagene Südmeister TSV Dennach. Trotz ihrer Verletzung stellte sich Kauk erneut in den Dienst der Mannschaft. Nach einem umkämpften ersten Satz (8:11) riss der Spielfaden der Schneverdingerinnen im zweiten Durchgang (5:11) ab. Zu viele Angabenfehler, Unsicherheiten in der Abstimmung und fehlende Konsequenz ermöglichten den Pink Ladies die Kontrolle über die Partie. Im dritten Satz kämpfte sich der TV Jahn mit einem 11:8 noch einmal eindrucksvoll zurück. Vor allem Annika Kriger zeigte nach nur drei Trainingseinheiten eine bemerkenswert starke Leistung und knüpfte phasenweise an ihr früheres Niveau an. Im vierten Satz (7:11) spielten die Favoritinnen ihre Klasse aus und zogen verdient ins Finale ein. Helle Großmann wurde nach der Partie als wertvollste Spielerin (MVP) ausgezeichnet.

Die Enttäuschung über das verpasste Finale hielt sich nach diesem Saisonverlauf aber in Grenzen. Am Sonntag bot sich den Schneverdingerinnen im Spiel um Platz drei jedoch noch einmal die Chance auf einen versöhnlichen Abschluss – und diese nutzten sie eindrucksvoll. Kauk musste aufgrund ihrer Verletzung passen und unterstützte ihre Mannschaft stattdessen von der Seitenlinie. Von Loh bildete gemeinsam mit Annika Kriger ein kaum zu überwindendes Defensivduo. Kriger kämpfte sich im Verlauf der Meisterschaft immer besser hinein und überzeugte mit großem Einsatz und sehenswerten Rettungsaktionen. Alina Karahmetovic war einmal mehr der ruhende Pol im Spielaufbau, während Helle Großmann konsequent im Angriff punktete. Vor allem Aniko Müller zeigte jedoch ihre vielleicht beste Leistung der gesamten Saison. Mit einer Vielzahl druckvoller Angaben erzielte sie zahlreiche direkte Punkte und führte den TV Jahn zu einem ungefährdeten 11:6, 11:9 und 11:4 gegen den TV Brettorf. Dafür wurde sie ebenso wie Großmann am Vortag als MVP ausgezeichnet. Entsprechend erleichtert fiel das Fazit der Schneverdingerinnen aus. „Diese Medaille fühlt sich in diesem Jahr besonders wertvoll an“, sagte die Mannschaftsälteste Müller nach dem Turnier. „Wir hatten eine Saison mit unglaublich vielen Veränderungen, mussten ständig improvisieren und haben trotzdem nie aufgehört, an uns zu glauben. Dass wir uns am Ende mit Bronze belohnen konnten, macht uns unglaublich stolz.“

Auch Trainerin Seitz zog ein positives Fazit: „Natürlich fragt man sich nach dem Halbfinale, ob vielleicht noch mehr möglich gewesen wäre. Umso schöner war aber die Reaktion der Mannschaft am Sonntag. Genau diesen Charakter hat unser Team die gesamte Saison ausgezeichnet.“ Damit spiegelte die Deutsche Meisterschaft den gesamten Saisonverlauf wider: Es gab Verletzungen, Rückschläge und schwierige Phasen, aber ebenso große Moral, taktische Lösungen und einen beeindruckenden Zusammenhalt. Die Nachwuchsspielerinnen Greta Baden, Merle Mund und Nina Karahmetovic sammelten erstmals Endrunden-Erfahrung und unterstützten ihre Mannschaft unermüdlich von der Bank. Am Ende steht für den TV Jahn Schneverdingen erneut eine Medaille bei einer Deutschen Meisterschaft – vielleicht nicht die insgeheim immer erhoffte goldene, aber eine, die nach dieser außergewöhnlichen Saison einen ganz besonderen Wert besitzt.

Zum Einsatz kamen: Aniko Müller, Helle Großmann, Alina Karahmetovic, Luca von Loh, Annika Kriger und Laura Kauk.