Corona: Schneverdinger Praxis betroffen

Ärzte bemühen sich, um Minimalbetrieb fortzusetzen

Corona: Schneverdinger Praxis betroffen

In der Schnevedinger Hausarztpraxis der Doctores Huss und Mix hat es bei einer Mitarbeiterin einen positiven Test auf das neue Coronavirus gegeben. Entdeckt wurde dieser Fall, weil die Praxis selbst tätig geworden ist. Durch dieses Ergebnis ist die Praxis von einschneidenden Maßnahmen betroffen, die auch andere Praxen treffen können. Darüber berichtet im folgenden Dr. Carlo Huss, der zudem auf andere Lösungsvorschläge hinweist:

In unserer Hausarztpraxis Doctores Huss und Mix in Schneverdingen haben wir einen positiven Test auf das neue Coronavirus bei einer Mitarbeiterin.

Wir haben die Abstrichuntersuchung bei bisher fünf Mitarbeitern unserer Praxis durchgeführt, da wir eine auffällige Häufung von Erkältungserkrankungen mit Fieber unter den Mitarbeitern festgestellt haben, die es so in der Vergangenheit nicht gegeben hat. Keine der Mitarbeiterinnen hatte wissentlichen Kontakt zu einem nachweislich Erkrankten, keine war in einem Risikogebiet.

Nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und der Gesundheitsämter wäre in dieser Situation kein Abstrich erforderlich gewesen. Wegen der genannten Auffälligkeiten haben wir uns dennoch entschlossen die beiden Ärzte und die erkrankten Mitarbeiter zu testen. Die Abstriche bei den beiden Medizinern und bei zwei weiteren Mitarbeitern waren negativ, ein Test jedoch positiv.

Die Folgen dieses positiven Testergebnisses für die Praxis und die Patientenversorgung sind erheblich. Nach den aktuellen Richtlinien des Gesundheitsamtes muss die Praxis zwei Wochen geschlossen bleiben. Eine Wiederholung der Praxisschließung bei zukünftig erkrankten Mitarbeitern ist nicht ausgeschlossen. Wir bemühen uns durch eine Telefonsprechstunde, das Ausstellen von Rezepten und Überweisungen sowie das Krankschreiben von Patienten mit Erkältungssymptomen, die keinen unbedingten persönlichen Kontakt erfordern, einen Minimalbetrieb aufrechtzuerhalten.

Auch eine Videosprechstunde werden wir voraussichtlich in Kürze anbieten können. Darüber hinaus konnten wir für Tätigkeiten, die einen persönlichen Kontakt erfordern, Vertretungen organisieren.

- So übernimmt die Praxis Doctores Renken, aber auch alle anderen Kollegen vor Ort die Vertretung für Patienten, die einen Arzt persönlich aufsuchen müssen.

- Die Praxis Huss/Mix versorgt über das Palliativnetz Heidekreis schwerkranke und sterbende Patienten in Schneverdingen und Bispingen zu Hause. Diese Versorgung wird jetzt, wenn ein persönlicher Kontakt erforderlich ist, von Neuenkirchen und Soltau aus erfolgen.

- Besonders geschulte Mitarbeiterinnen der Praxis machen selbständig Hausbesuche beispielsweise für Blutabnahmen, Vorbereitung von Medikamenten oder für den Wechsel von Verbänden. Diese Aufgabe wird nun von Pflegediensten und von anderen Praxen in Schneverdingen mit übernommen.

Auf längere Sicht, insbesondere wenn weitere Praxen betroffen sind, wird das Schließen von Praxen nicht durchzuhalten sein, ohne dass die Patientenversorgung leidet. Positive Testergebnisse werden auch in anderen Praxen auftreten, insbesondere dann, wenn - so wie bei uns - bei klinischem Verdacht, und nicht nur nach den Regeln des RKI/ Gesundheitsamtes getestet wird.

Wir halten es für erforderlich, dass medizinisches Personal deutlich mehr getestet wird. Wir sollten nicht die Augen verschließen vor einem Problem, dass in der Arztpraxis und in Krankenhäusern nach allen Regeln der Wahrscheinlichkeit deutlich häufiger vorkommt als in der Normalbevölkerung. Auch geht von hier wegen der weiterhin notwendigen, häufig engen Kontakte durch Untersuchung und Behandlung eine Gefahr gerade für ältere und kranke Menschen aus.

Arztpraxen und Krankenhäuser sind „Hotspots des Virusaustausches“, aber sie sind in hohem Maße erforderlich, um die Pandemie zu beherrschen. Daher können für Praxen nicht dieselben Regeln gelten wie für die Allgemeinbevölkerung. Wenigstens bei klinischem Verdacht sollte medizinisches Personal getestet werden. Nach unserem Verständnis ist das auch die Empfehlung führender Virologen wie beispielsweise Professor Christian Drosten von der Charité Berlin. Negativ getestetes Personal sollte weiter arbeiten dürfen, während positiv getestete Mitarbeiter 14 Tage zu Hause bleiben.

Weiterhin stellen wir fest, dass die Kapazitäten für Testungen offensichtlich noch nicht optimal genutzt werden. Die Ergebnisse nach einem Abstrich in Walsrode stehen erst nach zwei, machmal auch erst vier Tagen zur Verfügung. Unser Labor liefert Ergebnisse nach 12 bis 24 Stunden. Unserer Ansicht nach sollten die Kapazitäten aller Labore genutzt werden, um zu testen, und nicht nur die eines einzigen. Zur Entlastung von Walsrode haben mehrere Hausärzte in Soltau und Schneverdingen angeboten, ein zusätzliches Testzentrum im Nordkreis zu besetzen, da der Bedarf in Walsrode offensichtlich nicht ausreichend gedeckt werden kann. Voraussetzung dafür wäre das Bereitstellen ausreichender Schutzkleidung. Wir hoffen, dass es schnell zu einer Entscheidung in dieser Richtung kommt und die Möglichkeiten, Patienten zu testen damit deutlich ausgebaut werden.

Wir werden unsere Patienten per Aushang und auf unserer Internetseite www.hausarzt-Schneverdingen.de über die weitere Entwicklung informieren. Auch darüber, ab wann eine Videosprechstunde zur Verfügung steht. Darüber hinaus werden wir wichtige Informationen auch auf unserem Anrufbeantworter bereitstellen.

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