Crowdfunding soll Geld in Kasse bringen

Alte Schlachterei: Kulturverein Schneverdingen startet Kampagne

Crowdfunding soll Geld in Kasse bringen

Sie sind schon mächtig gespannt, Lena Lohmann und Benjamin Ziel vom Kulturverein Schneverdingen, denn am 14. November geht es los: Am kommenden Samstag startet der Kulturverein seine Crowdfunding-Kampagne (www.startnext.com/kulturhaus), die die beiden betreuen. Und worum es dabei geht, dürfte inzwischen auch kulturinteressierten Nicht-Schneverdingern klar sein - um das „Kulturhaus Alte Schlachterei“. Gemeinsam mit Geschäftsführerin Dorothee Schröder und Schauspieler Rolf Becker stellten Lohmann und Ziel die neue Kampagne am vergangenen Montag vor.

Viele Schneverdingerinnen und Schneverdinger freuen sich schon auf das „Kulturhaus Alte Schlachterei“, das Am Markt 2 entstehen soll. Betrieben vom Kulturverein, soll dort „ein Raum für qualitativ hochwertige Veranstaltungen und Soziokultur entstehen, der auch von anderen Vereinen und Firmen genutzt werden kann“, heißt es vom Kulturverein. Ein ehrgeiziges Projekt, das in enger Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung umgesetzt werden soll und vom Rat bereits im Juli abgesegnet worden ist. Der Kulturverein selbst muss über die Umsetzung noch entscheiden. Hier rechnet Schröder aber nicht mit Problemen.

Alle sind begeistert, aber das beste Konzept nutzt nichts, wenn es nicht bezahlt werden kann. Hier hat die Stadt bereits einen Zuschuss in Höhe von 1.432.000 Euro zu den investiven Kosten zugesagt. Damit verbleiben dann aber noch rund 700.000 Euro an Investitionskosten, die der Kulturverein beisteuern muss, Verteuerungen nicht ausgeschlossen.

Dass dies nicht aus den Beiträgen der mehr als 1.000 Mitglieder bezahlt werden kann, liegt natürlich auf der Hand. Und so hat sich der Verein Gedanken darüber gemacht, wie Geld in die Kasse kommen könnte. Da sind zum einen Fördermittel des Landes, die eingeworben werden sollen, und Sponsorengelder, um die sich der Verein bemüht. Darüber hinaus aber, so Schröder, „wollen wir unser unterschiedliches Publikum auf verschiedenen Kanälen ansprechen und dabei alle mitnehmen.“ So verweist die Geschäftsführerin etwa auf die „klassische“ Spende, die vermutlich eher die älteren Unterstützer ansprechen dürfte.

Hinzu kommt jetzt das Crowd­funding: „Wir wollen hier ein Leuchtturm-Projekt auf den Weg bringen und möchten dazu auch diese Möglichkeit nutzen“, meint Ziel. Jeder kann hier geben, soviel er oder sie will. Damit möchte der Kulturverein natürlich möglichst viel Geld einnehmen, es gibt aber noch einen weiteren Aspekt: „Es liegt uns auch am Herzen, möglichst viele Menschen zu erreichen, denn es geht hier nicht um ein Prestigeprojekt des Kulturvereins, sondern um ein Vorhaben für die Stadt Schneverdingen und darüber hinaus“, unterstreicht Ziel. Und Lohmann ergänzt: „Uns ist es wichtig, die breite Masse und dabei vor allem auch junge Leute anzusprechen.“ Dafür gebe es ein breites Kommunikationsnetz mit verschiedenen Kanälen, um auch alle zu erreichen - vom Newsletter bis hin zur Facebookseite. Für die jüngere Generation sind im Verlauf der Kampagne unter dem Hashtag #mehralsschnuckengucken regelmäßig neue Informationen zum Crowdfunding zu finden: „Und wir möchten mit unserer Kampagne auch ins Radio“, so Lohmann weiter.

Das Crowdfunding selbst läuft unter www.startnext.com/kulturhaus auf der Plattform Startnext: Auf dieser eigens eingerichteten Spendenseite erhalten alle Interessierten Informationen zum Projekt und über den Spendenfortschritt. Wer spenden möchte, kann dies vom 14. November bis zum 23. Dezember 2020 tun. Mindestens 25.000 Euro müssen in diesem Zeitraum gesammelt werden. Diese Größe, so die Geschäftsführerin, sei für die Crowdfunding-Infrastruktur erforderlich. Deshalb werden die Gelder erst dann eingezogen, wenn diese Summe generiert werden kann. Andernfalls erhalten die Geber ihr Geld zurück.

Dem „Kulturhaus Alte Schlachterei“ damit auf die Beine zu helfen, ist für viele sicherlich Anlass genug, hier mitzumachen. Zudem gibt es aber auch Anreize in Form von „Dankeschön-Prämien“ - vom Pfund Kaffee über Kleidung mit regionaler Note bis hin zu lebenslang freiem Eintritt zu Veranstaltungen des Kulturvereins. Diese Prämien sind limitiert und richten sich nach Höhe der zur Verfügung gestellten Summe.

Erschöpft ist damit der Einfallsreichtum des Kulturvereins aber noch nicht. Wie die Geschäftsführerin berichtet, wird auch ein „Gabentisch“ zusammengestellt: Spender und Sponsoren können sich dann aussuchen, welche der dort aufgelisteten „Gaben“ sie dem Kulturverein schenken möchten, also beispielsweise Türen, Fenster und ähnliches.

Klappern gehört ja bekanntlich zum Handwerk, aber für den Verein ist es derzeit nicht einfach, die Werbetrommel für all dies zu rühren, liegt doch der Kulturbereich durch die Corona-Regelungen am Boden: „Wir sind dadurch sehr eingeschränkt und können keine Veranstaltungen anbieten, um die Leute direkt anzusprechen. Wir hoffen, dass dies bald wieder möglich ist“, so Becker. Eine Hoffnung, die auch Schröder teilt: „Wenn es irgend geht, wollen wir in der Vorweihnachtszeit noch ein paar Veranstaltungen zur Alten Schlachterei organisieren.“

Ob diese Hoffnung auf Aktionen wahr wird, vermag jetzt noch niemand zu sagen. Was Becker, der bereits seit 35 Jahren in Wintermoor wohnt und den Kulturverein schon lange nach Kräften unterstützt, aber sicher weiß: „Schneverdingen hat dem Kulturverein in den vergangenen Jahrzehnten viel zu verdanken. Und wenn jetzt ein kulturelles Zentrum entsteht, wird das auch die Position der Stadt positiv verändern.“

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