„Das ist am Ende Kaffeesatzleserei“

Hohe Infektionszahl in Schneverdingen bleibt ohne verlässliche Erklärung

„Das ist am Ende Kaffeesatzleserei“

Was die Zahl der Coronafälle betrifft, steht die Bevölkerung des Heidekreises verglichen mit anderen Landkreisen insgesamt noch relativ gut da: Mit Stand vom 22. April gibt es 64 laborbestätigte Covid-19-Erkrankungen. Bei der Verteilung auf die Kommunen gibt es allerdings einen Ausreißer: 29 Erkrankte kommen allein aus Schneverdingen. Das lässt aufhorchen, doch eine verlässliche Erklärung dafür scheint es nicht zu geben. Das zumindest meint der Landkreis als „Herr der Daten und Zahlen“ auf HK-Anfrage.

Seitdem es ab Mitte März die er­sten nachgewiesenen Infektionen im Heidekreis gab, zumeist nach Ansteckung im Österreich-Urlaub, erhöhten sich die Zahlen nach und nach. So verteilen sich mit Stand vom 22. April die 64 Infektionen folgendermaßen auf die Kommunen: Eine in Bad Fallingbostel, zwei in Munster, drei in Rethem, vier in Soltau, sieben in Schwarmstedt, neun in Bispingen und ebenfalls neun in Walsrode sowie hervorstechende 29 in Schneverdingen.

Ob diese deutlich erhöhte Zahl auch darauf zurückzuführen sein könnte, dass in der Heideblütenstadt möglicherweise mehr Personen getestet worden sind als anderswo und auf diese Weise mehr Infektionen entdeckt wurden, hält der Landkreis zwar für möglich: „Aber negative Testergebnisse sind nicht meldepflichtig. Weder dem Gesundheitsamt noch der Kassenärztlichen Vereinigung liegen genaue Vergleichsdaten vor.“

Dass sich eventuell vermehrt Familienmitglieder betroffener Personen angesteckt und die Zahl der Infektionen damit nach oben getrieben haben könnten, wäre eine weitere Erklärungsmöglichkeit. Dazu meint der Landkreis: „Es liegt in der Natur jeder Infektionserkrankung, das sich enge Kontaktpersonen oft infizieren. Weitere Angaben sind aufgrund des Datenschutzes nicht möglich. Alle Infizierten und deren Kontaktpersonen konnten isoliert werden. In fast allen Fällen wurde die Infektionsquelle ermittelt.“

Könnte es nicht aber so sein, dass es in Schneverdingen gleich zu Anfang mehr „Erstinfizierte“ (aus dem Urlaub) als in anderen Heidekreis-­Kommunen gegeben hat, die dann schon rein zahlenmäßig für eine größere Verbreitung von Covid-19 gesorgt hätten? Der Landkreis hält eine solche Annahme für reine Spekulation. Als reine Spekulation bezeichnet er auch die Möglichkeit, dass sich infizierte Personen vielleicht nicht an die Quarantäneregeln gehalten und damit zu einem Anstieg der Fallzahlen beigetragen haben könnten. Tatsächlich hält sich in Schneverdingen hartnäckig das Gerücht, einer der frühen Infizierten habe sich auch nach einem positiven Coronatest noch weiter in der Öffentlichkeit bewegt. Aber Gerüchte sind eben nur Gerüchte.

Und auf die mag auch Meike Moog-Steffens nichts geben: „Aber wir machen uns natürlich auch darüber Gedanken, warum die Zahl der Covid-19-Erkrankungen in Schneverdingen soviel höher ist als in anderen Kommunen des Heidekreises“, betont die Schneverdinger Bürgermeisterin.

Allerdings, so räumt sie ein, gebe es darauf wohl keine wirklich Antwort. „Wir haben überlegt, woran dies möglicherweise liegen könnte. Und da gibt es für uns die Frage nach der Anzahl der Schneverdinger, die nach Hamburg pendeln und vielleicht eine Infektion aus der Hansestadt mitbringen“, so Moog-Steffens. Auch eine möglicherweise größere Zahl der Testungen in Schneverdingen mit entsprechenden Ergebnissen und eine weitere Verbreitung durch mehr „Erstinfizierte“ zieht sie als eventuelle Ursachen in Betracht.

Insgesamt muss allerdings auch die Schneverdinger Bürgermeisterin resümieren: „Wir wissen es nicht. Und so bleiben diese Erklärungsmöglichkeiten am Ende nur Kaffeesatzleserei.“

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