„Das ist nicht mehr tragbar“

Schneverdingen: Skateranlage bis auf Weiteres gesperrt

„Das ist nicht mehr tragbar“

„Grabs“, „Flips“, „Grinds“, „Flandlands“ - Begriffe wie diese dürften nur wenigen Nichteingeweihten etwas sagen, handelt es sich doch um die Bezeichnungen verschiedener Tricks in der Skaterszene. Wer in seiner Freizeit zum „Rollbrett“ greift, arbeitet kontinuierlich an seinem Können, seinen „Skills“. Übung macht bekanntlich den Meister, und wer fleißig trainiert, kann mit seinem Skateboard schon bald spektakuläre Tricks auf den Asphalt oder Beton zaubern. Wie so oft benötigen Skateboarder und Inline-Skater, die besondere Manöver üben und perfektionieren wollen, ein entsprechendes Terrain. Daher erfreuen sich Skateranlagen großer Beliebtheit, auf denen sich spezielle Hindernisse wie zum Beispiel Kanten, Geländer und Rampen befinden. Auch in Schneverdingen gibt es so ein Areal, das sehr zum Verdruss der dortigen Skater-Szene jedoch aktuell geschlossen ist. Die Stadt reagierte damit auf zunehmend zu beobachtende Verstöße Jugendlicher und junger Erwachsener gegen das Infektionsschutzgesetz. Aber auch Vandalismus und die Vermüllung des Bereichs bereiteten zunehmend Probleme.

Auf dem Gelände der Grundschule am Osterwald befinden sich die Hindernisse der Skateranlage derzeit hinter Gittern. Am Bauzaun, mit dem der Bereich abgesperrt ist, hängen Schilder: „Die Skateranlage ist bis auf Weiteres gesperrt - Stadt Schneverdingen - Die Bürgermeisterin“ ist darauf zu lesen. In den sozialen Netzwerken wird über diese Maßnahme teils heftig diskutiert.

Schneverdingens Bürgermeisterin Meike Moog-Steffens erläutert, warum dieser Schritt unumgänglich war: „Wir haben die Skateranlage vorerst gesperrt, da wir unter anderem massive Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz hatten.“ Insbesondere in den Abendstunden gebe es dort immer wieder Ansammlungen junger Menschen, die die Corona-Bestimmungen zur Eindämmung der Pandemie ignorierten. Einher gehe das Ganze mit Vandalismus und einer Vermüllung des Areals: „Wir haben auf dem Grundschulgelände täglich haufenweise Kippen, leere Alkoholflaschen, Müll ohne Ende, Glasscherben in den Sandkisten und vieles mehr. Die Polizei kontrolliert regelmäßig, genauso wie unser Ordnungsamt und das Schulpersonal. Ich selbst habe Platzverweise erteilt. Zigaretten und Alkohol sind auf einem Grundschulgelände grundsätzlich verboten“, so die Bürgermeisterin: „Das ist ganz, ganz schlimm und nicht mehr tragbar. Aber man kann dort natürlich nicht rund um die Uhr Sicherheitsleute hinstellen.“

Das „Publikum“ vor Ort zeige sich aber teils wenig einsichtig: „Die jungen Leute handeln unverantwortlich. Das beobachten wir schon länger. Deshalb appelliere ich an ihre Vernunft. Gerade Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz sind kein Spaß, denn es werden Bußgelder verhängt“, unterstreicht die Bürgermeisterin. Obwohl es ausreichend Mülleimer direkt vor Ort gebe, so Moog-Steffens, müsse der Hausmeister oder anderes Personal der Grundschule dort jeden Morgen Unrat aufsammeln und Glasscherben aus dem Sand fischen, damit sich die Grundschüler beim Spielen in den Pausen nicht verletzten. Hausmeister Matthias Hergt bestätigt dies: „Das ist der absolute Horror manchmal. Hier liegen auch Essensreste, zum Beispiel Pizza. Das ist für die Kinder natürlich alles andere als angenehm.“ Auch Hergt warnt eindrücklich vor der Verletzungsgefahr durch Glasscherben. „Bis wir abgesperrt haben, ist es in der Corona-Zeit stetig schlimmer geworden und hier unheimlich viel angefallen. Das ist nicht schön, das ist einfach nur ärgerlich.“ Der Hausmeister weiter: „Das ist wirklich schade, denn es gibt ja auch vernünftige Nutzer, die sich benehmen können.“

In Corona-Zeiten fehle im Bereich der Skaterbahn teils die „soziale Kontrolle“, die sonst bei regulärem Schulbetrieb und durch die Turnhalle nutzenden Sportlerinnen und Sportler gegeben sei, erklärt Moog-Steffens. Um dem Vandalismus und der Vermüllung gerade in den Abendstunden etwas entgegenzusetzen, sei rund um die Schule zusätzliche und mit Bewegungsmeldern versehene Beleuchtung installiert worden. Der „Abschreckungseffekt“ scheint sich allerdings in Grenzen zu halten.

Darunter leiden müssen mal wieder all jene, die sich nichts zu Schulden haben kommen lassen: „Ich habe jüngst erst drei etwa acht- bis elfjährige Jungen getroffen, die auf der Skateranlage gern mit ihren Rollern gefahren sind. Sie sind jetzt sehr traurig, dass sie diese momentan nicht nutzen können. Um diejenigen, die tatsächlich skaten möchten und sich vernünftig verhalten, tut es mir sehr leid“, betont Moog-Steffens. Die Skateranlage werde wieder geöffnet, wenn sich das Infektionsgeschehen abschwächt habe.

Grundsätzlich ist die Bürgermeisterin der Meinung, dass für die Skateranlage ein geeigneterer Platz gefunden werden sollte. Sie gehöre nicht auf den Hof einer Grundschule. „Das ist meine Intention, die Entscheidung hat letztlich natürlich die Politik zu treffen.“

Logo