„Das war erst der Anfang“ | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Heimatbund Schneverdingen: Neuer Vorstand und neue Projekte

„Das war erst der Anfang“

Der in den vergangenen Jahren teils bereits totgesagte Heimatbund Schneverdingen hat sich neu aufgestellt – und das passt zur neuen Entwicklung auf dem Theeshof und im Schulmuseum Insel des vergangenen Jahres. Wer den ausführlichen Berichten der Arbeitsgruppen lauschte, bekam schnell den Eindruck: Hier wird nicht verwaltet, hier wird wieder intensiv gestaltet.

Ob Wollverarbeitung, Backhaus, Imkerei, Schulmuseum, Frido-Witte-Haus oder die umtriebige Dienstagsrunde: Nahezu alle Bereiche berichteten von neuen Ideen, wachsender Beteiligung und frischen Projekten. Besonders deutlich wurde das auf dem Theeshof, der sich immer stärker zu einem lebendigen Treffpunkt für den Schneverdinger Sozialraum, für Kultur, Handwerk und Begegnung entwickelt.

Da ist etwa die spontane Idee eines Fotowettbewerbs zum Stadtjubiläum, die direkt aus der ersten Sitzung der Stadtverwaltung mit den Vereinen zur Vorbereitung des Jubiläum-Stadtfests heraus geboren wurde. Oder die Imkerei, die nicht nur traditionelle Korbimkerei präsentiert, sondern aktiv Bildungsarbeit leistet und dazu auch Filmmaterial zur Verfügung stellt – vor allem für Kinder, denen spielerisch die Angst vor Insekten genommen wird. Da ist ein neues Buch des Heimatbunds, das die deutsche Geschichte in der Heideregion greifbar macht. Und im Schafstall, in dem die Wollverarbeitung praktiziert wird, gibt es eine neue Gruppe. Der Stricktreff ist damit die dritte Gruppe, die dort beheimatet ist und bereits 14 Mitglieder hat.

Der Theeshof wird in diesem Zusammenhang ab diesem Jahr auch einen Färbergarten anlegen, in dem in mehreren Hochbeeten klassische heimische Pflanzen zum Färben von Wolle gezeigt werden sollen – ein Stück gelebte Nachhaltigkeit. Und damit nicht genug: Der Heimatbund beteiligt sich auch an dem Projekt 1 Quadratmeter Lein (1qmlein.de), das die Nutzung von Leinsaat als Textil-Lieferant in Erinnerung ruft.

Auch im Schulmuseum wird Zukunft gedacht: Mit QR-Codes sollen digitale Darstellungen zu Ausstellungsbereichen erreichbar sein. Das Projekt mit der Kooperativen Gesamtschule Schneverdingen ist im vergangenen Jahr angestoßen worden, und soll in diesem Jahr realisiert werden. „Das ist erst der Anfang“, so Heimatbund-Vorsitzender Bernhard Knapstein. „Wir wollen selbstverständlich auch die Ausstellungen auf dem Theeshof auf das digitale Level heben und so auch jüngere Generationen erreichen.“

Gleichzeitig wächst die Vernetzung mit anderen Heimatvereinen und Museen – ein deutlicher Schritt in Richtung Modernisierung. Auch beim niedersächsischen Museumsverband (MVNB), in dem vor allem die hauptamtlich geführten Museen dominieren, zeigt der Heimatbund eine neue Präsenz. So soll in diesem Jahr die MVNB-Regionalgruppe Lüneburger Heide im kommenden September auf dem Theeshof tagen. „Ich erhoffe mir davon, dass wir wichtige Tipps für unseren Museumshof bekommen“, erklärt Knapstein, dass er den professionellen Kuratoren bewusst vor allem die Baustellen auf dem Theeshof zeigen möchte. „Wir wollen ja vorankommen, und da zeigt man eher nicht, wo man toll ist, sondern wo noch Hilfe und Tipps gefragt sind.“

Das vergangene Jahr war geprägt von einer Vielzahl an Veranstaltungen: Bauernmarkt, Museumstag, Heideblütenfest, Weihnachtsmarkt und viele weitere Aktionen brachten tausende Besucher auf den Teeshof. Hinter den Kulissen wurde organisiert, gebaut, gebacken, gesponnen und gewerkelt.

Besonders die Dienstagsrunde erwies sich als Rückgrat vieler Aktivitäten. Unterstützt von neu entstandenen Gruppen wie der Eventgruppe gelang es, immer wieder neue Formate auf die Beine zu stellen. Die Aktion Lebendiger Adventskalender und der zweite große Weihnachtsmarkt in Schneverdingen gehen auf den Heimatbund zurück.

Weniger sichtbar, aber im Rücklagenrückgang spürbar, sind infrastrukturelle Maßnahmen gewesen. Neue Computer, ein neuer Traktor, das neue Spülmobil als Ersatz für den bekannten „Sauberen Heinrich“ – jetzt als Anhänger – das alles ist Ausdruck einer neuen Dynamik, wie der Vorsitzende des Vereins erläutert.

Vor diesem Hintergrund wirkten die auf der diesjährigen Mitgliederversammlung beschlossenen Satzungsänderungen wie ein konsequenter nächster Schritt. Der Verein reagiert damit auf seine eigene Dynamik. Kernanliegen war dem bisherigen Vorstand, das Gremium breiter, integrativer und handlungsfähiger aufzustellen. Künftig gibt es einen Vorsitzenden, zwei Stellvertreter sowie zusätzliche Beisitzer. Damit wird die Arbeit auf mehr Schultern verteilt und zugleich die Vielfalt der Aktivitäten besser im Vorstand abgebildet. Auch das Schulmuseum wird stärker berücksichtigt, denn die Satzung sieht jetzt vor, dass nach Möglichkeit immer ein Mitglied der Gruppe des Schulmuseums in das Entscheidungsgremium gewählt werden soll. Die Mitgliederversammlung folgte diesen Vorschlägen zur Satzungsanpassung einstimmig – ein deutliches Zeichen für den Rückhalt im Verein.

Bei den anschließenden Wahlen zeigte sich, dass der Verein nicht nur eine jüngere Generation an der Spitze sehen möchte, sondern bewusst auf einen Übergang des Wissens setzt. So bleibt die bisherige Schriftführerin Ingrid Rösch dem Vorstand als Beisitzerin erhalten. Zudem unterstützt Imker Heiner Inselmann (79) als stellvertretender Vorsitzender den Vorstand unter dessen neuen Vorsitzenden Knapstein an der Spitze. Weiterer Stellvertretender Vorsitzender ist Jörg Pfannkuche. Der Vorstand wird zudem ergänzt durch Jutta Duden als Kassenwartin, Melanie Gerken als Schriftführerin und die Beisitzer Bettina Fack für das Schulmuseum, Thorben Kulbars und Karin Bock. Das passt zur Entwicklung des gesamten Vereins: Neue Mitglieder stoßen hinzu, jüngere Engagierte übernehmen Verantwortung, gleichzeitig bleibt das Erfahrungswissen langjähriger Aktiver erhalten.

„Die Mitglieder haben Spaß an der Entwicklung, bringen sich mit Ideen ein und setzen auf Kommunikation untereinander“, freut sich der Vorstandsvorsitzende. „Wer den Heimatbund in den vergangenen Jahren als sterbenden Verein gesehen haben mag, dem werden wir mit unserer ganzen Vitalität begegnen“, lacht Knapstein.