„Den Schulalltag so sicher wie möglich machen“: 1.500 Masken für die KGS

Coronakrise: Unternehmer spendet Masken und 1.500 Paar Einweghandschuhe

„Den Schulalltag so sicher wie möglich machen“: 1.500 Masken für die KGS

Aus der „dringenden Empfehlung“ wird am morgigen Montag nun auch in Niedersachsen eine Pflicht: Ab 27. April müssen Bürgerinnen und Bürger, die den öffentlichen Personennahverkehr nutzen oder Einkaufen gehen, eine Mund-Nasen-Bedeckung beziehungsweise eine sogenannte Alltagsmaske tragen. Niedersachsen hat sich gemeinsam mit anderen Bundesländern darauf verständigt, dies vorzuschreiben. Weil Masken Mangelware sind, dürfen auch Schals und Tücher getragen werden. Dazu Ministerpräsident Stephan Weil (SPD): „Wir unterstützen damit auch zukünftige Lockerungen, die zu einer weiteren Belebung führen können. Entscheidend bleibt aber: der Infektionsschutz durch Alltagsmasken ist sinnvoll, damit andere Menschen nicht angesteckt werden können.“ Am wichtigsten sei und bleibe indes „eine strikte Einhaltung von Abstandsregeln und Hygienevorschriften.“ Am Montag öffnen in Niedersachsen auch wieder die ersten Schulen und stehen dabei vor großen Herausforderungen. Um der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Schneverdingen zumindest ein wenig unter die Arme zu greifen, hat ein Unternehmer der Schule jetzt 1.500 Einmalmasken und 1.500 Paar Einweghandschuhe gespendet. Die sehr willkommene Lieferung übergab Frank Künnecke am vergangenen Dienstag.

Wo sonst Schülerinnen und Schüler in den Pausen für „Leben in der Bude“ sorgen, herrschte am Dienstag gespenstische Ruhe. Unter Einhaltung der Abstandsregeln und im Freien übergab Künnecke seine Spende. Er ist Betreiber des Unternehmens „Heideperlen.de“, das Haushaltshilfe und Entlastung für pflege- und hilfsbedürftige Personen anbietet. Künnecke ist Chef von 70 Mitarbeitern, 15 davon arbeiten ausschließlich im Bereich Schneverdingen und betreuen dort um die 200 meist ältere Klientinnen und Klienten. Viele der „Heideperlen“ sind Mütter. Weil Schneverdingen im Heidekreis in Sachen Coronavirus ein „Hotspot“ sei, so Künnecke, „und Kinder einiger Mitarbeiter die KGS besuchen, möchte ich der Schule einen Gefallen tun.“ In Zeiten der Coronakrise sei es mehr denn je wichtig, dass sich seine Kräfte an die Hygienestandards hielten. „Natürlich tragen unsere Damen Masken und desinfizieren sich vor und nach jedem Besuch die Hände“, unterstrich Künnecke. Über seinen Lieferanten hat er für das Personal ausreichend Masken bestellt und erhalten: „Wir sind für die nächsten Monate versorgt.“ Er betonte, dass es sich bei den aus dem Ausland importierten und „selbstverständlich verzollten“ Exemplaren nicht um medizinischen Schutz handele, „sondern um Mundbehelfsmasken, die den Tröpfchenausstoß minimieren.“ Er stellte 5.000 weitere Exemplare für die KGS in Aussicht und betonte in diesem Zusammenhang: „Ich helfe hier gern, aber verantwortlich ist meiner Meinung nach eigentlich die Regierung.“

KGS-Schulleiter Mani Taghi-Khani und Gymnasialzweigleiter Axel Witt nahmen die Spende als Ergänzung der anderen von der Schule auf den Weg gebrachten Maßnahmen erfreut entgegen. „Ab Ende Mai werden wir voraussichtlich 600 Schüler plus Personal hier haben, also rund 700 Leute. Da ist jede Form von zusätzlicher Unterstützung einfach großartig“, betonte Taghi-Khani. Die Kooperative Gesamtschule hat ihren schuleigenen Hygieneplan bereits erweitert. Dieser ist im Internet unter der Adresse www.kgs-schneverdingen.com zu finden und enthält eine lange Liste von Verhaltensregeln und Hygienetipps. „Wir haben empfohlen, dass unsere Schülerinnen und Schüler eigene Masken mitbringen, um den schulischen Alltag so sicher wie möglich zu machen“, erläuterte Taghi-Khani. Eigene Mund-Nase-Bedeckungen, auch selbstgenähte, sollten spätestens beim Betreten des Schulgebäudes getragen werden. Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte, die noch nicht über derartige Masken verfügten, könnten zu den Einmalmasken greifen. „Diese werden zu Beginn des jeweiligen Schultages im Klassenraum in Spenderboxen verfügbar sein“, so der Schulleiter. Wer die Schulbusse nutze und keine Mund- und Nasenbedeckung habe, erhalte laut Taghi-Khani „am Ende des jeweiligen Unterrichtstages auf Wunsch eine zweite Schutzmaske, um diese am nächsten Schultag im Bus tragen zu können.“ Dies könne die Schule gewährleisten, bis der Bestand aufgebraucht sei. „Das Land Niedersachsen hat meiner Kenntnis nach nicht vorgesehen, dass Schulen mit Schutzmasken versorgt werden“, so Taghi-Khani. Auch Desinfektionsmittel seien der KGS bislang nicht zur Verfügung gestellt worden.

„Wir Schulen stehen vor schweren Aufgaben, die wir bewältigen müssen“, hob der Schulleiter hervor. Am morgigen Montag gehe es in der KGS mit rund 200 Schülerinnen und Schülern täglich los. Schwierig werde es bereits ab Ende Mai. Dann nämlich seien um die 600 Schüler in 47 Lerngruppen zu unterrichten. Dabei sei zu bedenken, dass etwa ein Fünftel der KGS-Lehrkräfte laut Definition des Robert-Koch-Instituts zur sogenannten Risikogruppe zähle. „Und wir wissen immer noch nicht, ob Lehrkräfte in den Präsenzunterricht kommen müssen, wenn ein im Haushalt lebender Angehöriger zur Risikogruppe zählt“, berichtete der Schulleiter. Es könnten schlagartig Lücken entstehen - „und dann können wir keinen Unterricht mehr erteilen.“ Zusätzliche Herausforderungen seien die Organisation der Pausenaufsicht und die Abstimmung der Stundenpläne auf die Schülerbeförderung. „Wir arbeiten intensiv daran, all dies zu organiseren. Da raucht dann auch schon mal der Kopf“, sagte der KGS-Leiter. Auch für die rund 150 Schülerinnen und Schüler, die jetzt für die Prüfungen lernten, sei das Ganze „im Coronavirus-Hotspot Schneverdingen“ eine schwierige Situation.

Taghi-Khani hegt Zweifel daran, dass die Öffnung der Schulen in dieser Form und zu diesem Zeitpunkt der richtige Schritt ist: „Wenn mehr und mehr Schüler sukzessive in die Schulen gelassen werden, dann ist es nur eine Frage der Zeit, wann das System implodiert - nicht nur in Schneverdingen, sondern landesweit. Ich hoffe natürlich, dass das nicht passiert - aber das ist meine Befürchtung.“

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