Drei Millionen Euro investiert - und „echte“ Kröten in Sicherheit gebracht

Erweiterung der Abfalldeponie in Hillern / Reichlich Platz für Bauschutt

Drei Millionen Euro investiert - und „echte“ Kröten in Sicherheit gebracht

„Das ist schon beeindruckend. Das müssen wir uns nochmal mit dem gesamten Verwaltungsrat anschauen“, staunte Landrat Manfred Ostermann am vergangenen Montagvormittag auf dem Gelände der Abfalldeponie in Hillern. Von einer kleinen Erhebung aus zeigten ihm Helmut Schäfer, Vorstand der Abfallwirtschaft Heidekreis (AHK), sowie AHK-Projektleiter Fred Brandt den jüngst fertiggestellten fünften Bauabschnitt auf dem Areal, der nun in Betrieb genommen wurde. Rund drei Millionen Euro hat die Erweiterung des Deponiegeländes gekostet - und die Dimensionen sind in der Tat beeindruckend. Auf rund 16.000 Quadratmetern Ablagerungsfläche können nun zirka 350.000 Kubikmeter mäßig belastete mineralische Abfälle, so genannte „DK I“-Abfälle, deponiert werden. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Bauschutt und Abfälle aus thermischen Prozessen.

„Das vorhandene Deponievolumen in Hillern ist praktisch aufgebraucht. Jetzt können wir für die nächsten 15 bis 20 Jahre Entsorgungssicherheit gewährleisten“, erklärte Schäfer mit Blick auf die 1,6 Hektar große Fläche. Auf dieser mussten die Arbeiter einiges „stemmen“: So trugen sie unter anderem 7.800 Kubikmeter Oberboden ab und bewegten 33.500 Kubikmeter Boden zur Umprofilierung des Versickerungsbeckens. Weitere 24.100 Kubikmeter Boden wurden abgetragen, bewegt und als Ausgleichsschicht genutzt. Insgesamt 575 Meter Rohrleitungen waren zu verlegen. Eine aus mehreren Komponenten bestehende Basisabdichtung sorgt dafür, dass das Grundwasser nicht belastet wird. Bestandteile sind eine geologische Barriere aus 16.300 Kubikmetern Lehm, eine Kunststoffdichtungsbahn, eine Sandschutzschicht, ein Trennvlies und eine Entwässerungsschicht.

„In Deutschland fallen rund 220 Millionen Tonnen mineralische Abfälle pro Jahr an“, berichtete Ostermann. Das Problem: Während der Bedarf an Deponieraum für diese „DK I“-Abfälle spürbar wächst,erreichen viele bestehende Deponien das Ende ihrer vorgesehenen Laufzeit, auch in Niedersachsen. Deshalb hatte das Land bereits im Jahr 2017 in seinem Landesraumordnungsprogramm und auch im Abfallwirtschaftsplan gefordert, die Deponiekapazitäten für mäßig belastete mineralische Abfälle auszubauen.

Über die Erweiterung der Deponie in Hillern wurde ein Jahr später diskutiert und beraten, der entsprechende Beschluss noch im gleichen Jahr gefasst. Nach dem Genehmigungsverfahren und der Ausschreibung konnte das schließlich beauftrage Unternehmen im April vergangenen Jahres mit den Arbeiten beginnen, die rund acht Monate später abgeschlossen waren. Nach weiteren Prüfungen und Genehmigungsverfahren gab das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg am 22. April dieses Jahres grünes Licht für die Inbetriebnahme. „Wir haben hier sehr gute Voraussetzungen geschaffen, um diese Abfälle hier ordnungsgemäß und sicher ablagern zu können“, betonte Schäfer. Und Ostermann: „Der Verwaltungsrat der AHK hat damals grünes Licht gegeben, weil wir hier etwas für unsere Bürgerinnen und Bürger machen. Sie müssen nicht zu weit entfernten Deponien fahren, sondern haben auch künftig kurze Wege, wenn sie ihren Bauschutt entsorgen möchten.“

Von diesem Angebot hatten jüngst Anlieferer Gebrauch gemacht, wie die weißen Säcke auf dem Deponiegelände zeigten. Für asbesthaltige Abfälle, die hauptsächlich bei Baumaßnahmen anfallen, können nämlich bei der AHK staubdichte Beutel, sogenannte „Big-Bags“, erworben werden. Für Asbestzementabfälle stehen zusätzlich Plattensäcke zur Verfügung. So „verpackt“ können die Abfälle auf der Deponie Hillern gebührenpflichtig angeliefert werden. „Wir bieten Häuslebauern die Möglichkeit, ihre mineralischen Abfälle zu günstigen Preisen ortsnah entsorgen zu können“, unterstrich Schäfer.

Für einen „Wegtransport“ hingegen sorgten die Fachleute des Lüneburger Büros „EGL Plan“ im Zuge des Projekts, das für die Umweltbegleitung zum Schutz gefährdeter Tierarten verantwortlich zeichnete. „Eine EGL-Mitarbeiterin hatte vermutet, dass hier Zauneidechsen zu finden sind. Es wurde aber nie eine gesehen. Stattdessen gab es aber an Stellen, an denen sich Wasser sammelt, Kreuzkröten, die ebenfass streng geschützt sind“, berichtete Brandt. Ein Vertreter des Lüneburger Büros sei um die dreißigmal vor Ort gewesen, habe eimerweise Laich abgeschöpft und in „sichere Gewässer“ gebracht. Ebenso habe er zahlreiche Kröten aufgesammelt und an geeigneter Stelle wieder ausgesetzt.

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