Einmütigkeit und Doppelpack

Schneverdingen: SPD-Ortsvereinsvorsitzende Tatjana Bautsch im Amt bestätigt

Einmütigkeit und Doppelpack

Unzählige Veranstaltungen und Aktivitäten sind in der Corona-Krise bislang gestrichen oder verschoben worden, überall wurden die Einträge in Terminkalendern kräftig durcheinandergewirbelt - auch in der Lokalpolitik. Beim Schneverdinger SPD-Ortsverein hieß es nun allerdings „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, zumindest was die diesjährige Jahreshauptversammlung anging. Die war eigentlich für den 17. März angesetzt - und wurde am vergangenen Mittwochabend nachgeholt. Unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln trafen sich die Genossinnen und Genossen im Bürgersaal der Freizeitbegegnungsstätte (FZB). Wichtigster Tagesordnungspunkt war dabei die Neuwahl des Ortsvereinsvorstandes, bei der die Schneverdinger Sozialdemokraten Geschlossenheit demonstrierten. Ortsvereinsvorsitzende Tatjana Bautsch wurde mit 20 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung im Amt bestätigt. Auch bei der Besetzung der anderen Vorstandsposten gab es durch die Bank klare Voten für die Kandidatinnen und Kandidaten.

Neben den Parteimitgliedern begrüßte Bautsch auch Bürgermeisterin Meike Moog-Steffens sowie eine Genossin und einen Genossen „von außerhalb“: Sebastian Zinke und Aynur Colpan. Zinke sitzt für den Wahlkreis Walsrode im Landtag und ist Kreistagsfraktionsvorsitzender, während Colpan als Schriftführerin dem SPD-Unterbezirksvorstand angehört und stellvertretende Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Schwarmstedt ist. Beide bewerben sich als Doppelspitze für den Vorsitz der SPD im Heidekreis. Lars Klingbeil wird nach 14 Jahren als Unterbezirksvorsitzender nicht wieder kandidieren (HK berichtete). „Ich denke, dass wir uns gut ergänzen, weil wir ähnlich ticken und uns aufeinander verlassen können“, meinte Zinke mit Blick auf seine Parteikollegin: „Uns gibt es nur im Doppelpack - oder gar nicht. Wir treten als Team an.“ Klingbeil hatte sich bereits im Februar für dieses Duo als Doppelspitze ausgesprochen. Gewählt wird voraussichtlich am 10. Oktober dieses Jahres, der Ort für den SPD-Kreisparteitag steht noch nicht fest.

In der SPD Schneverdingen indes ist bereits klar, wer die Führungsriege um Vorsitzende Tatjana Bautsch bildet: Zu stellvertretenden Vorsitzenden wählte die Versammlung Hendrikje Köster und Michael Schirmer mit 19 beziehungsweise 20 Ja-Stimmen. Auch Schriftführerin Bianca Baden wurde einstimmig gewählt, ebenso der neue Finanzverantwortliche Felix Menzel, der damit in die Fußstapfen seines Vorgängers Peter Schmidt tritt. Zu Beisitzern bestimmten die Mitglieder Ralf Böhling (21 Ja-Stimmen), André Breitzke (20 Ja-Stimmen) und Johannes Renken (20 Ja-Stimmen). Neue Revisorin ist die einstimmig gewählte Bettina Allzeit.

Bautsch verabschiedete den langjährigen Kassierer beziehungsweise Finanzverantwortlichen Peter Schmidt, der nicht mehr für dieses Amt zur Verfügung gestanden hatte und zum letzten Mal seinen Bericht über die finanzielle Situation des rund 100 Mitglieder zählenden Ortsvereins präsentierte. „Das war mein 22. Kassenbericht. In all den Jahren habe ich mit insgesamt sieben Vorsitzenden zusammengearbeitet. Das sind wenig im Vergleich zu den Wechseln auf Bundesebene. Dort gab es in dieser Zeit 13 Bundesvorsitzende und sechs kommissarische“, so Schmidt. Was Wahlergebnisse und Finanzen angehe, so sollte sich die Bundespartei eine Scheibe vom kleinen Schneverdinger Ortsverein abschneiden, schmunzelte Schmidt: „Wir haben hier gezeigt, dass Sozialdemokraten auch mit Geld umgehen können.“ Seine Arbeit als Kassierer habe er stets gern gemacht: „Mit Euch hatte ich nie Schwierigkeiten“, sagte er in die Runde, „Bauchschmerzen machten mir manchmal nur die Jungs aus Berlin.“

In ihrem Vorstandsbericht ließ Bautsch die vergangenen Aktivitäten Revue passieren, erinnerte unter anderem an gemeinsame Termine mit dem Landtagsabgeordneten Sebastian Zinke in der KGS Schneverdingen und in der Obdachloseneinrichtung in der Heideblütenstadt. Wegen der Corona-Auflagen sei zunehmend über Videokonferenzen und mit digitalen Angeboten gearbeitet worden. Nichtsdestotrotz habe es auch weiterhin persönliche Gespräche gegeben, so zum Beispiel mit Schneverdinger Ärzten zum Thema HKK-Neubau. „Die Ärzte, die dabei waren, haben gesagt, dass Attraktivität und Ruf einer Klinik wichtiger sind als die Fahrzeit“, so Bautsch.

Der HKK-Neubau und die Standortdebatte waren auch Thema einer Aussprache, die sich an den Bericht aus der Stadtratsfraktion des Fraktionsvorsitzenden Rolf Weinreich und an ein Grußwort der Bürgermeisterin anschloss. „In der Standortdebatte war und ist die Geschlossenheit der SPD-Kreistagsfraktion ein großes Thema. Das Wort Fraktionszwang machte die Runde. Es hat aber keinen Fraktionszwang gegeben“, meinte Bautsch, die zwar nicht im Kreistag sitzt, als stellvertretende Unterbezirksvorsitzende aber an den Kreistagsfraktionssitzungen der SPD teilnimmt. Die Ortsvereinsvorsitzende betonte, dass sich die SPD auf Kreisebene schon früh mit einem Gesamtkonzept zur Gesundheitsversorgung im Heidekreis befasst habe und verwies in diesem Zusammenhang auch auf den Beschluss des SPD-Unterbezirks Heidekreis zum „Gesundheitskonzept 2025“ vom 15. Februar vergangenen Jahres. „Für die SPD im Heidekreis geht es um vielmehr, als darum, wo die Krankenwagen hinfahren. Und das hatte Auswirkung auf das Stimmverhalten“, so Bautsch zum Votum der Sozialdemokraten für den Standort westlich von Bad Fallingbostel (F4). „1.200 Menschen arbeiten im HKK, die Tariflohn beziehen und für die es wichtig ist, dass es verfügbaren und bezahlbaren Wohnraum in ihrer Nähe gibt“, unterstrich Bautsch. Zinke wiederholte das, was er jüngst bereits in einem Pressegespräch in Bad Fallingbostel gesagt hatte. Im Zuge der Umstrukturierungsmaßnahmen hätten sich in den Jahren 2011/2012 viele Menschen im nördlichen Teil des Landkreises „über den Tisch gezogen gefühlt - und das wirkt bis heute nach. Dieses Misstrauen ist jetzt wieder getriggert worden.“ Ein Südkreiskomplott indes gebe es nicht, vielmehr sei die Entscheidung aufgrund verschiedener Kriterien sachorientiert getroffen worden. Unter anderem habe dabei neben der Verfügbarkeit auch die Topographie der Grundstücke eine Rolle gespielt. „Wir müssen jetzt für die guten Argumente für den Standort F4 werben“, betonte Zinke.

In der anschließenden Diskussion wurde unter anderem Kritik an der Informationspolitik rund um die HKK-Neubauplanung laut. Die Bürger seien „nicht mitgenommen“ worden, war mehrfach zu hören. „Wer macht sich Gedanken über die Info-Veranstaltungen“, fragte etwa Moog-Steffens. „Man hätte im Vorfeld besser informieren müssen - und auch sofort nach der Entscheidung“, meinte die Bürgermeisterin: „Die Welle, die jetzt losgetreten worden ist, ist wohl von vielen unterschätzt worden.“

„In normalen Zeiten hätte man sicher die Heidmark-Halle füllen können. Doch zum damaligen Zeitpunkt ging das coronabedingt leider nicht - und wir waren in einem engen zeitlichen Korsett, um den Architektenwettbewerb zu starten“, erläuterte Zinke. Er verwies auf eine Reihe von kommenden Info-Veranstaltungen, die bereits in Planung seien.

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