Fast 50 Jahre im Aufsichtsrat: Möhrmann übergibt Staffelstab an Weinreich

Scheidender Vorsitzender: „Wir haben die Entscheidungen immer mit großen Mehrheiten getroffen“

Fast 50 Jahre im Aufsichtsrat: Möhrmann übergibt Staffelstab an Weinreich

Rolf Weinreich ist neuer Vorsitzender des Aufsichtsrats der Heidjers Stadtwerke. Die 14 weiteren Mitglieder des Gremiums haben ihn in ihrer jüngsten Sitzung einstimmig bis zur nächsten Kommunalwahl gewählt. Feierlich verabschiedet haben sich die Aufsichtsräte bei diesem Termin von Dieter Möhrmann, der seit 48 Jahren ununterbrochen Aufsichtsrat der Stadtwerke Schneverdingen-Neuenkirchen (Heidjers Stadtwerke) ist und viele Jahre deren Vorsitzender war, so von 1996 bis 2001 sowie von 2011 bis März 2020. Stellvertretender Vorsitzender war er von 1973 bis 1996 und von 2001 bis 2011. Die Aufsichtsräte würdigten seine Verdienste für das Unternehmen: Wie kein anderer habe Möhrmann die großen Umbrüche in der Energiewirtschaft miterlebt und die Zukunft der Heidjers Stadtwerke unter verändernden Bedingungen über fast fünf Jahrzehnte maßgeblich mitgestaltet.

Der Aufsichtsrat bestimmt die Ausrichtung des Unternehmens mit, berät die Geschäftsführung und überwacht deren Tätigkeiten und Entscheidungen. Dr. Karl-Ludwig von Danwitz hatte den Vorsitz des Aufsichtsrats von Dieter Möhrmann im März 2020 kommissarisch übernommen. Nachfolger Rolf Weinreich, Jahrgang 1970, ist ein langjähriger Weggefährte von Dieter Möhrmann, parteipolitisch sowie im Aufsichtsrat der Heidjers Stadtwerke; denn auch er ist bereits seit 2006 ununterbrochen Mitglied des Gremiums. Der Kaufmann und SPD-Parteikollege engagiert sich besonders für die Lebensqualität in der Region; unter anderem ist er seit vielen Jahren stellvertretender Vorsitzender des TV Jahn Schneverdingen.

Weinreich verabschiedete den scheidenden Vorsitzenden mit einer Lobrede, in der er vor allem die Weitsicht des heute 72jährigen hervorhob. „Stets stellte er frühzeitig die richtigen Fragen und hatte so einen wesentlichen Anteil daran, die Stadtwerke immer so weiterzuentwickeln, dass sie als eigenständig am Markt agierendes Unternehmen zukunftsfähig aufgestellt sind“, betonte Weinreich. Das gelte auch für seine Vorreiterposition in umweltbewusstem Denken. So sei bereits 2011 die erste Stromtankstelle am Verwaltungsgebäude der Stadtwerke eingeweiht worden. Heute seien die Stadtwerke ein modernes Versorgungs- und Dienstleistungsunternehmen mit einer breiten Produktpalette und einer Bilanzsumme von 55,5 Millionen Euro, informierte er und fügte hinzu: „Das Unternehmen ist inzwischen auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor vor Ort. Von jedem erwirtschafteten Euro gehen zirka 40 Cent zurück in die Region, was also weitere direkte und indirekte Arbeitsplätze bedeutet.“ Auch das sei ein wichtiges Anliegen von Dieter Möhrmann, der stets daruf geachtet habe, Aufträge - wo möglich - an lokale Firmen zu vergeben, um die regionale Wirtschaftskraft zu stärken.

Mitglied des Aufsichtsrats ist Dieter Möhrmann im Herbst 1972 geworden. Fast 50 Jahre hat er sich für die Bürgerinnen und Bürger im Versorgungsgebiet sowie für das Wohl der Stadtwerke engagiert. „Als Unternehmen, das zu 100 Prozent in kommunaler Hand liegt und mit Aufgaben der Daseinsvorsorge betraut ist, sind wir den Bürgerinnen und Bürgern verpflichtet“, erklärt der ehemalige Bürgermeister der Heideblütenstadt. Die Heidjers Stadtwerke sollten effizient und modern wirtschaften, um ihren Kunden günstige Preise sowie nützliche Produkte und Dienstleistungen bieten zu können. „Die preisgünstige Versorgung der Menschen mit Energie und Trinkwasser war mir stets wichtig“, ergänzt Möhrmann. Bei der Liberalisierung des Energiemarktes im Jahr 1998 kam diese Philosophie den Stadtwerken entgegen. Denn fortan galt es, auch preislich im Wettbewerb zu bestehen: „Aus Verbrauchern wurden Kunden mit Wahlmöglichkeiten. Das hat zu einem gesunden Wettbewerb unter den Energieversorgern geführt und die Strukturen der Versorgungsunternehmen total umgekrempelt. Wer seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, war weg aus dem Markt“, erklärt Möhrmann, unter anderem auch ehemaliger Vizepräsident des Niedersächsischen Landtages. Er hat Meilensteine der Heidjers Stadtwerke mitgestaltet: ob mit dem Neubau des Hallenbads Heidjers Wohl 1974, das 2019 für den jüngsten Umbau mit dem German Design Award ausgezeichnet worden ist, oder dem Aufbau des Geschäftsfelds Erdgas in den 1980er-Jahren, dem Gewinn der Erdgas-Konzessionen 1988 mit Fintel und Vahlde oder der sukzessiven Erweiterung des Strom-Versorgungsgebiets. Seit 1999 obliegt zudem sowohl die Trinkwasser- als auch die Abwasserversorgung von Schneverdingen und Neuenkirchen den Heidjers Stadtwerken. Der Startschuss für den Aufbau der Telekommunikationssparte fiel 2017 mit dem Spatenstich für den Ausbau in Schneverdingen statt. Auch intern schreitet aktuell die Digitalisierung massiv voran. „Das Arbeiten in einem Gremium, das stets die Zukunft des kommunalen Unternehmens und die Lebensqualität in der Region im Fokus hat und diese mit großer Einigkeit gestaltet, hat mir immer sehr viel Freude bereitet“, resümiert Möhrmann, „niemand verfolgt hier Eigen- oder Fraktionsinteressen, wir haben die Entscheidungen immer mit großen Mehrheiten getroffen.“

„Unsere Aufgabe im Aufsichtsrat ist es darauf zu achten, dass die Stadtwerke auch in Zukunft wirtschaftlich und im Sinne der Gemeinden und ihrer Einwohner handeln, die sie mit lebenswichtigen Elementen wie Strom, Gas, Trinkwasser und Telekommunikation versorgen“, unterstreicht Rolf Weinreich. Die wirtschaftliche Situation des Dienstleistungsunternehmens sei stabil, seine Ertragslage konstant gut. „Bei sinkenden Margen im Energievertrieb und höherer Komplexität in der Verwaltung - auch durch regulatorische Rahmenbedingungen - sehe ich als Herausforderung, die eigenständige Wirtschaftlichkeit des Unternehmens zu erhalten“, so der neue Aufsichtsratsvorsitzende. Und weiter: „Neben dem Aufbau neuer Geschäftsfelder wie Telekommunikation und E-Mobilität spielen hierfür eine hohe Effizienz der internen Prozesse, persönliche Kundennähe und maßgeschneiderte Produkte für die Menschen vor Ort eine Rolle. Die unter Lars Weber begonnene Neuausrichtung kommt gut voran. Ich bin sehr zuversichtlich, wenn ich an die Zukunft des Unternehmens denke.“

Auch wenn die Herausforderungen der Energiewende und des fortschreitenden Klimawandels groß seien, freue er, Weinreich, sich auf seine neue Aufgabe. „Ich bin sicher, dass wir gemeinsam weiterhin an einem Strang ziehen werden, um das Unternehmen im Sinn der Kommunen voranzubringen und deren Versorgung mit Energie und Trinkwasser langfristig zu sichern. Die Konsistenz ist gewährleistet“, informiert der Kaufmann. Und abschließend: „Wichtig ist mir deshalb, die Energiewende bei den Stadtwerken weiterhin ganzheitlich und Schritt für Schritt anzugehen. Wir werden als Aufsichtsrat diesen Weg in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung fortsetzen.“

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