Alltag hat Karneval wieder abgelöst

Thea Terjung berichtet von ihren Eindrücken aus Brasilien

Alltag hat Karneval wieder abgelöst

Mit „kulturweit“, dem internationalen Freiwilligendienst der Deutschen UNESCO-Kommission, ist Thea Terjung unterwegs, um sich ein Jahr lang in Brasilien zu engagieren. Dort, in Florianópolis (Floripa), unterstützt sie Kinder vorrangig im Deutschunterricht (HK berichtete). Welche Erfahrungen die 20jährige Schneverdingerin dabei macht, können unsere Leserinnen und Leser in diesen Monaten mitverfolgen, denn sie versorgt den HK regelmäßig mit Informationen von der anderen Seite der Welt.

Letztes Wochenende wurde, wie in Deutschland auch, Karneval gefeiert. Ich habe Karneval zusammen mit einer Freundin in Sao Paulo verbracht. Es war das größte Spektakel überhaupt, und ich hatte unglaublich viel Spaß. So viele Menschen, die gemeinsam singen, tanzen und einfach nur Spaß haben. Es war wundervoll. Samba, bunte Kostüme, eine unglaubliche Vielfältigkeit, die man erlebt haben muss.

Diese Bilder werde ich nie vergessen. So sagt man auf Portugiesisch: „Ano novo brasileiro”, direkt übersetzt, das brasilianische Neujahr. Ab jetzt beginnt also das richtige Jahr, da das Karnevalsfieber langsam abnimmt und man sich wieder auf den Alltag konzentrieren kann. So bin ich auch ein bisschen traurig, dass Karneval jetzt vorbei ist.

Somit hat auch das neue Schuljahr begonnen. Mit neuer Energie sind sowohl wir als auch die Schüler aus den Sommerferien zurückgekehrt. Ein neues Schuljahr mit alten und auch neuen Projekten startet.

Im April werden wir mein Taschenprojekt ausstellen, welches wir im Moment nachbereiten. Im Zuge der Ostervorbereitungen werden wir bald Ostereier bemalen. Des weiteren habe ich mir überlegt, Lesezeichen mit den Kindern zu basteln. Nachdem ich letztes Jahr erst zum Ende des Schuljahres in der Lage gewesen bin, die Zeiten des Stundenplanes zu beherrschen, haben sich zum Leidwesen meinerseits dieses Jahr alle Zeiten noch einmal verändert. Mittlerweile kann ich jedoch fast alle Namen der Schüler und Schülerinnen, was die Kommunikation deutlich erleichtert und mich auch ein wenig stolz macht.

Außerdem versuchen wir an einem Bildergeschichten-Wettbewerb zum Thema „Gleiche Rechte“ teilzunehmen, worauf ich mich schon sehr freue.

Der Schulalltag gestaltet sich weiter turbulent, da über die Schulferien erneut Gelder gekürzt worden sind, womit es nun fertig zu werden gilt. Dadurch wird es sehr wahrscheinlich bald wieder zu neuen Protesten für mehr Bildung und Chancengleichheit kommen.

Weiter freue ich mich über den Spätsommer und die wohlig warmen Temperaturen, passend zum neuen Jahr habe ich mit dem Surfen begonnen, was mir großen Spaß macht.

Mitte Februar habe ich gemeinsam mit Freunden für ein Wochenende die Stadt Curitiba besucht. Es war wunderschön. Eine unglaublich bunte Stadt, viele Museen und künstlerische Ausstellungen. Es hat mir wieder einmal gezeigt, wie vielfältig Brasilien ist. Das Klima, die Vegetation, die Architektur, alles war wieder komplett anders. Das beeindruckt mich jedesmal aufs neue, zu oft vergesse ich, wie groß dieses unglaubliche Land ist.

Somit geht der Februar mit wirklich vielen neuen Erfahrungen und Erkenntnissen zu Ende. Leider musste ich mich in diesem Monat von einigen „Mitfreiwilligen“ verabschieden, die ihren Freiwilligendienst bereits nach sechs Monaten beenden werden und mir sehr ans Herz gewachsen sind. Das war wirklich traurig.

Es hat mir vor Augen geführt, wie schnell die Zeit vergangen ist. Es ist quasi März. So viel habe ich schon erlebt, so viele tolle Menschen kennengelernt. Auf Wiedersehen gesagt, neue Begegnungen, neue Freundschaften. Ich bin so dankbar, dass ich hier sein und das alles erleben darf.

So steht für die nächste Hälfte meines Freiwilligendienstes auf jeden Fall auf dem Plan, weitere spannende Projekte durchzuführen. Eine schöne Ausstellung auf die Beine zu stellen, in meine „Surf-Skills“ zu investieren, mein Portugiesisch zu verbessern und einfach weiter die Zeit zu genießen. Das geht mir nämlich alles viel zu schnell. Jetzt ist schon März und die Zeit verfliegt einfach. Até mais (bis bald).

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