„Das ist ein buntes Land“

Thea Terjung berichtet von ihren Erlebnissen in Brasilien

„Das ist ein buntes Land“

Mit „kulturweit“, dem internationalen Freiwilligendienst der Deutschen UNESCO-Kommission, ist Thea Terjung unterwegs, um sich ein Jahr lang in Brasilien zu engagieren. Dort, in Florianópolis, unterstützt sie Kinder vorrangig im Deutschunterricht (HK berichtete). Welche Erfahrungen die 19jährige Schneverdingerin dabei macht, können unsere Leserinnen und Leser in den kommenden Monaten mitverfolgen, denn sie wird den HK regelmäßig mit Informationen von der anderen Seite der Welt versorgen.

Heute bin ich seit 53 Tagen unterwegs, davon seit 42 Tagen in Brasilien und davon wiederum 39 auf Floripa. Seitdem habe ich Unmengen an Açaí gegessen (eine Art Sorbet, welches meist mit Granola und Bananen gegessen wird), Früchte aller Art probiert und mich regelmäßig auf meinem Handy „getrackt“, um zu schauen, wo ich mich befinde. Denn das Busfahren ist - trotz App und Fahrplan - weiterhin nicht das einfachste. Es gibt keine Anzeigen im Bus, auch die Bushaltestellen selbst sind meist nicht beschriftet. Das führt dazu, dass ich mich während der Fahrt „tracke“, um zu sehen, ob ich mich auf der richtigen Route zu meinem jeweiligen Ziel befinde und um den Augenblick des Aussteigens nicht zu verpassen. Und so sitze ich im Bus und beobachte, wie sich ein kleiner blauer Punkt auf einer Karte von A nach B bewegt.

Im letzten Monat konnte ich nicht nur viele neue Menschen, sondern auch meine neuen Feinde - Moskitos aller Art - ein wenig besser kennenlernen. Nachdem sich meine Knöchelgröße nach einem Mückenstich fast verdreifachte, unternahm ich alles, mich gegen Mücken und sonstige Moskitos bestens auszurüsten und zu schützen.

Es wird immer wärmer auf Floripa! Das hat dazu geführt, dass sich die Population meiner Feinde - Moskitos aller Art - ebenso wie meine Knöchelgröße verdreifacht hat und ich mehr Zeit am Strand verbringen konnte. Das war wunderschön, und ich hatte sogar das Vergnügen, im Meer zu baden.

Meine Einsatzstelle Colegio de Aaplicação gehört zu einer föderalen Universität der Universidade Federal de Santa Catarina. Anfang des Jahres, im Januar 2019, hat die Regierung entschieden zirka 30 Prozent des Budgets, welches für die Bildung vorgesehen war, einzufrieren. Dadurch kam es dazu, das am 3. Oktober zu einem regionalen Streik aufgerufen wurde - für Bildung, Gerechtigkeit und Demokratie. Auch meine Einsatzstelle hat an diesem Tag mitgestreikt.

Der Oberstufenkordinator erinnerte die Schüler und Schülerinnen daran, an diesem Streik teilzunehmen und sagte: „Morgen findet der Unterricht auf der Straße statt.“ Unterricht für Gerechtigkeit, Freiheit und Demokratie.

So zogen am 3. Oktober unzählige Studenten und Studentinnen, Schülerinnen und Schüler, Lehrer und Lehrerinnen und auch Professoren und Professorinnen durch die Straßen Floripas am „Landtag“ vom Bundesland Santa Catarina vorbei. Es war ein Gefühl von Freiheit, welches in der Luft lag, an diesem Tag. Es war sehr bewegend. Es war nicht nur ein Gefühl von Zusammenhalt, sondern auch ein Gefühl von Kraft und Zuversicht der Menschen.

Mir ist an diesem Tag noch einmal mehr bewusst geworden, wie glücklich wir uns schätzen können, in Deutschland eine Bildung zu bekommen, die allen gleichwertig zu Verfügung steht. Soziale Mobilität ist möglich. Dass wir auch in Deutschland Probleme zum Thema Chancengleichheit haben, möchte ich damit nicht verneinen, jedoch ist das mit Brasilien nicht zu vergleichen. Bildung ist eines der höchsten Güter, worüber alle Menschen immer gleichwertig verfügen sollten. Unabhängig von der Herkunft.

Neben einigen neuen Erkenntnissen hatte ich auch die Chance, neue Strände zu erkunden. Am Sonntag habe ich den Norden der Insel ein wenig näher kennengelernt. Eine Deutschlehrerin lud uns zu sich nach Hause nach Canasvieiras ein. Eine touristische Stadt mit vielen kleinen Einkaufsläden, welche sich an einer Art Promenade befinden. Der Strand ist relativ schmal geschnitten, und trotz gemäßigter Temperaturen befanden sich erstaunlich viele Menschen dort. In Brasilien ist es sehr verbreitet, am Strand zu grillen. Somit begleitete uns bei unserem Strandspaziergang eine würzige Brise, bestehend aus dem Duft von Grillkohle und dem Duft des Meeres.

Am 12. Oktober war Kindertag in Brasilien, an diesem Tag bekamen wir, meine Gastschwester und ich, nach einem gemeinsamen Frühstück einen Korb voller Süßigkeiten und frischer Früchte überreicht. Und auch am Tag des Lehrers, welcher am 15. Oktober gefeiert wurde, verteilten die Menschen kleine Geschenke zum Dank an die Lehrer und Lehrerinnen.

Die Brasilianer lieben das Leben - und das liebe ich an diesem Land. Die Menschen sind einfach unglaublich lebensfroh.Ich freue mich auf den nächsten Monat und eine spannende Zeit, hier in Brasilien.

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