„Fliege ich - oder fliege ich nicht?“

Thea Terjung berichtet von ihren ersten Tagen in Brasilien

„Fliege ich - oder fliege ich nicht?“

Mit „kulturweit“, dem internationalen Freiwilligendienst der Deutschen UNESCO-Kommission, ist Thea Terjung unterwegs, um sich ein Jahr lang in Brasilien zu engagieren. Dort, in Florianópolis, unterstützt sie Kinder vorrangig im Deutschunterricht (HK berichtete). Welche Erfahrungen die 19jährige Schneverdingerin dabei macht, können unsere Leserinnen und Leser in den kommenden Monaten mitverfolgen, denn sie wird den HK regelmäßig mit Informationen von der anderen Seite der Welt versorgen.

Am 1. September war es endlich soweit: Meine große Reise sollte beginnen. Ich verabschiedete mich am Morgen von meiner Familie und stieg in den Zug nach Berlin. Vor mir standen zehn Tage Seminar am Werbellinsee. Danach sollte es für mich nach einer weiteren Nacht in Berlin nach São Paulo gehen. Jedoch hatte ich noch immer kein Visum. Die Seminartage verbrachte ich somit vor allem damit, darüber nachzudenken, ob ich mein Visum noch rechtzeitig bekommen würde oder nicht.

Während des Seminars beschäftigten wir uns vor allem mit Themen wie Intersektionalität und Kolonialismus. In dieser Zeit wurde mir bewusst, welche Aufgaben in den nächsten Monaten auf mich zukommen und welche Rolle ich als Kulturweit-Freiwillige haben werde. Wir machten außerdem einen Ausflug nach Berlin, bei dem wir im Auswärtigen Amt begrüßt wurden und die Möglichkeit hatten, uns Berlin ein wenig näher anzuschauen.

Nach zahlreichen E-Mails stellte sich heraus, dass noch immer keine Genehmigung für meinen Aufenthalt bei der Brasilianischen Botschaft eingegangen war. Die Brasilianische Botschaft sicherte mir zu, mich sofort zu kontaktieren, sobald sie eine Nachricht aus Brasilien erhielte. Am Montagmorgen, dem 9. September, war es endlich soweit: Ich erhielt einen Anruf aus Berlin, die Genehmigung für meinen Visumsantrag sei eingegangen. Zwei Tage vor meinem geplanten Abflug. So kam es, dass ich am Mittwoch um 10 Uhr mein Visum in Berlin abholte und um 19:45 in den Flieger nach São Paulo, Brasilien, stieg. Am 12. September früh morgens wurde ich am Flughafen abgeholt und ins Hotel gebracht. In São Paulo standen mir zwei Tage Seminar im Goethe-Institut bevor. Wir lernten den Leiter aller Goethe-Institute für die Region Südamerika kennen und erhielten eine Menge Informationen darüber, wie es sein kann, Deutsch als Fremdsprache zu unterrichten und welche Hilfsmittel uns bei dieser Aufgabe zur Seiten stehen würden.

Am 15.September sollte meine Reise dann endlich ein Ende haben. Ich flog zu meiner Einsatzstelle nach Florianópolis. Dort wurde ich von meinen Gasteltern herzlich in Empfang genommen. Wir fuhren gemeinsam in den Norden der Insel nach Rio Vermelho. Am selben Tag fuhren wir noch gemeinsam an den Strand. Ich hatte die Möglichkeit, mir die unglaubliche Natur der Insel ein wenig näher anzuschauen. Die Insel ist wirklich wunderschön. Das leuchtend blaue Wasser, feiner Sand, umgeben von Bergen, welche in einem satten Grün erstrahlen.

Am Dienstag, den 17. September, war es dann endlich soweit. Ich lernte meine Einsatzstelle, die Schule: „Colegio de Aplicação“ kennen. Ich erhielt meinen Stundenplan und wurde sowohl von den Lehrerinnen und Lehrern als auch von den Schülerinnen und Schülern herzlich in Empfang genommen.

Seitdem hatte ich fast in jeder Stunde die Möglichkeit brasilianische Süßigkeiten zu probieren und Neues über die brasilianische Kultur zu erfahren, da wir uns vor allem über die Unterschiede von Brasilien und Deutschland unterhielten. Die Brasilianer lieben es süß, man kann fast behaupten, dass fast alle Süßspeisen doppelt so süß sind wie in Deutschland. Die Menschen hier auf der Insel sind super lieb und hilfsbereit. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist es ein wenig wie beim Lottospielen: Man muss Glück haben, viel Durchhaltevermögen und Geduld. Dagegen ist die Deutsche Bahn wirklich mein bester Freund.

Die frischen Früchte und das frische Gemüse sind wirklich unglaublich, so eine Auswahl habe ich noch nie erlebt. Meine Gastfamilie hat einen riesigen Mango und Avocado Baum in ihrem Garten. Kulinarisch hat Brasilien und vor allem Florianópolis einiges zu bieten, worauf ich mich die nächste Zeit am meisten freue. Nächste Woche werde ich meine erste richtige Arbeitswoche haben, nachdem ich letzte Woche die Chance hatte, alles langsam kennenzulernen. Des weiteren wird es meine Aufgabe sein, meine Portugiesischkenntnisse schnellstmöglich weiter auszubauen, da hier wirklich fast niemand Englisch spricht. Ich habe jedoch letzte Woche auch gelernt, dass es nicht immer Not tut, die gleiche Sprache zu sprechen. Man kann sich nämlich auch mit Händen und Füßen richtig gut beziehungsweise zumindest halbwegs zielführend verständigen.

Até logo (Bis zum nächsten Mal)

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