Floripa im Weihnachtsfieber

Thea Terjung berichtet von ihren Eindrücken aus Brasilien

Floripa im Weihnachtsfieber

Mit „kulturweit“, dem internationalen Freiwilligendienst der Deutschen UNESCO-Kommission, ist Thea Terjung unterwegs, um sich ein Jahr lang in Brasilien zu engagieren. Dort, in Florianópolis (Floripa), unterstützt sie Kinder vorrangig im Deutschunterricht (HK berichtete). Welche Erfahrungen die 19jährige Schneverdingerin dabei macht, können unsere Leserinnen und Leser in den kommenden Monaten mitverfolgen, denn sie wird den HK regelmäßig mit Informationen von der anderen Seite der Welt versorgen.

Es begann schon im November. Die ersten Lichterketten wurden aufgehängt, bunte Lichterketten, gewickelt um Palmen, Lichterketten in Form von Eiszapfen, an Dächern befestigt. Überall blinkt und leuchtet es. Tannengirlanden umschmücken die Eingänge der Shopping-Malls, in den Eingängen riesige künstliche Tannenbäume. Sie sind so groß und reichen bis in die vierte Etage hoch. Ein Schlitten beladen mit Geschenken. Überall hüpfen verkleidete Weihnachtselfen herum, und für ein paar Real kann man sogar ein Foto mit dem Weihnachtsmann bekommen, wodurch sich ab und zu eine gewaltige Schlange durch die komplette Mall bildet.

Floripa ist eindeutig im Weihnachtsfieber. So richtig ist mir noch nicht nach Weihnachten zumute. Zum Jahresabschluss habe ich mit einer Klasse Kekse gebacken und dazu deutschen Weihnachtsliedern gelauscht. Richtig in Weihnachtsstimmung bin ich aber erst, seitdem ich in Blumenau gewesen bin. Die Stadt Blumenau ist aus einer deutschen Kolonie entstanden. Im Oktober, als ich dort zum Oktoberfest war, kam ich mir ziemlich fremd vor. Ich fand es ziemlich befremdlich, um ehrlich zu sein. So viele Deutschland-Flaggen und Dekoartikel in den Farben der deutschen Flagge hatte ich noch kein einziges Mal in Deutschland gesehen. Überall hingen Girlanden oder Luftballons in Schwarz-Rot-Gold. Ich kam mir fremd und fehl am Platz vor.

Zu sehen, wie dort „Deutsche Kultur“ gelebt und nach außen hin präsentiert und zelebriert wird, hat mich zu diesem Zeitpunkt sehr erschrocken und zum Nachdenken gebracht. Dies hautnah zu erleben, hat mich sehr erschüttert, ein Deutschlandbild, welches mir selbst vertraut, aber auch fremd vorgekommen ist.

Jetzt hatte sich der Ort, an dem das Oktoberfest gefeiert worden war, in einen riesengroßen Weihnachtsmarkt verwandelt, mit Keksen, Tannenzweigen, Lichterketten und roten Schleifen, das Beste überhaupt: Kunstschnee. Auf einmal hatte ich richtig Lust auf Weihnachten. Die Adventszeit wird hier nicht wirklich zelebriert. Auch Adventskalender sind eine wirkliche Seltenheit. Um so mehr habe ich mich gefreut, dass mich noch vor dem 1. Dezember ein Päckchen aus Deutschland mit einem selbstgebastelten Adventskalender erreicht hat.

Nichtsahnend habe ich die einzelnen Päckchen in dem großen Paket gelassen. Jeden Morgen begebe ich mich auf die Suche nach der richtigen Nummer für den jeweiligen Tag, um das richtige Türchen beziehungsweise Päckchen öffnen zu können. Ein Stückchen Heimat und Tradition in Brasilien.

Als ich mich am 7. Dezember auf die Suche nach dem richtigen Paket machte, merkte ich auf einmal wie es überall krabbelte. Ameisen. Überall waren Ameisen. In Päckchen Nr. 14 war leider ein „Nimm 2“ geplatzt. Dadurch hatte sich vor allem in Päckchen Nr.14, aber auch im gesamten Paket eine Ameisenkolonie versammelt. Nachdem ich die Ameisenkolonie aus meinem Adventskalender entfernt hatte, begann ich in meinem Kleiderschrank nachzuschauen. Dort hatte ich ein kleines Süssigkeitenlager errichtet. Auch hier, in meinem Kleiderschrank, hatten sich die Ameisen versammelt. Nach drei Monaten habe ich gelernt, dass man Süßigkeiten am besten im Kühlschrank oder in der Mikrowelle lagert.

Nicht nur Moskitos und Ameisen habe ich mittlerweile den Kampf angesagt. Sondern auch den Kakerlaken. Ich durfte es schon mit verschiedensten Arten von Kakerlaken aufnehmen. Große, kleine, breite, aber eines haben sie alle gemeinsam. Sie sind unglaublich flink. Am besten erwischt man sie von vorne, mit einem Flioflop, denn die sind meistens griffbereit. Erlegt man sie von oben, endet es meistens ziemlich unschön und in einer Sauerei.

Ich freue mich also schon auf nächstes Jahr, wenn ich mir keine Sorgen um meinen Adventskalender und meine Süßigkeiten mehr machen muss.

Fröhliche Weihnachten, Feliz Natal

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