„Wunderschöne Zeit in Rio“

Thea Terjung berichtet von ihren Eindrücken aus Brasilien

„Wunderschöne Zeit in Rio“

Mit „kulturweit“, dem internationalen Freiwilligendienst der Deutschen UNESCO-Kommission, ist Thea Terjung unterwegs, um sich ein Jahr lang in Brasilien zu engagieren. Dort, in Florianópolis (Floripa), unterstützt sie Kinder vorrangig im Deutschunterricht (HK berichtete). Welche Erfahrungen die 19jährige Schneverdingerin dabei macht, können unsere Leserinnen und Leser in den kommenden Monaten mitverfolgen, denn sie wird den HK regelmäßig mit Informationen von der anderen Seite der Welt versorgen.

Ich habe mich ein wenig verspätet. In der letzten Zeit ist einfach zu viel passiert, so dass ich eigentlich gar nicht genau weiß, womit ich anfangen soll.

Ich habe meine Gastschwester aus Estland in Chile besucht. Sie lebt dort mit ihrem chilenischen Freund. So kam es dazu, dass ich auch dieses Weihnachtsfest nicht auf estnische Süßigkeiten verzichten musste.

Ein Mix aus Estnisch, Englisch, Portugiesisch und Spanisch: Meine zwar immer besser werdenden, aber noch etwas gebrochenen Portugiesischkenntnisse waren genau richtig, um alles Nötige auf Spanisch/Portugisisch zu regeln, wie etwas zu „bezahlen“ oder zu „bestellen“ oder auch „nach dem Weg zu fragen“.

Es war eine wunderschöne Zeit. Ich hab es sehr genossen. Chile hat eine atemberaubende Landschaft. Es war unfassbar interessant, einen weiteren Einblick in die lateinamerikanische Kultur zu bekommen. Die noch immer anhaltenden Proteste in Chile haben mich sehr bewegt, es war eine super aufregende Zeit.

In Chile habe ich bemerkt, wie sehr mir Brasilien schon ans Herz gewachsen ist. Ich habe es irgendwie vermisst. Pünktlich zu Weihnachten war ich zurück. Ich hatte ein wunderschönes Weihnachtsfest. Mit meinen Freunden habe ich direkt an der Lagoa in Florianópolis in einem Hostel gefeiert. Das werde ich so schnell nicht vergessen.

Am 28. Dezember ging es dann weiter nach Rio de Janeiro, wo wir gerade noch rechtzeitig in meinen Geburtstag ’reinfeiern konnten. Durch viel Stau und eine nicht ganz optimale Zeitplanung kam es dazu, dass wir um genau 14.50 Uhr den Flughafen erreichten, obwohl unser Flug bereits um 15.15 Uhr ging. Vorheriges Einchecken kann Leben retten und ein wenig mehr Zeit einplanen definitiv auch. Fast einen Monat haben meine Freunde und ich uns gemeinsam in Rio aufgehalten. Silvester verbrachten wir gemeinsam an der Copacabana. Atemberaubend. Fast nicht zu beschreiben. Es war eine wunderschöne Zeit. Rio ist definitiv eine Stadt der Gegensätze, gleichzeitig unfassbar bunt, vielseitig und einfach großartig. Noch nie hat mich eine Stadt so sehr beeindruckt.

Die Vor-Karnevalsaison hat begonnen. Und es ist ein unglaubliches Spektakel. Die Menschen kommen auf den Straßen zusammen, spielen Samba, feiern und tanzen zusammen. Bunt, schrill und viel Glitzer. Ich kann es schon gar nicht mehr abwarten, bis der „wirkliche“ Karneval endlich losgeht.

Ich freue mich, nach fast einem Monat reisen, wieder sehr auf etwas Routine und vor allem auf Floripa. In dieser Zeit habe ich gemerkt, wie angekommen ich eigentlich schon gewesen bin, ohne es wirklich bewusst bemerkt zu haben. Ankommen, ein Nach-Hause-Kommen an einem Ort, an dem man doch eigentlich noch gar nicht so lange zu Hause gewesen ist. Es macht mich sehr glücklich, dieses Gefühl von Heimat hier zu spüren.

Brasilien ist einfach bunt, kein Ort gleich dem anderen, und trotzdem fühle ich mich in diesem großen Land mittlerweile zu Hause. Um so mehr freue ich mich auf die Zeit, die noch vor mir liegt. Ich glaube, diese wird noch einmal ganz besonders intensiv.

Dies alles hier sind meine Erfahrungen. Alles andere als objektiv, super subjektiv, meine Gefühle, Erfahrungen und Emotionen, aus meiner Perspektive und aus meinem Blickwinkel. Gleichzeitig ist es nur ein Funke von dem, was ich täglich erlebe, fühle und neu entdecke. Eine Art Mitschnitt aus meiner Zeit hier in Brasilien.

Gleichzeitig finde ich es wichtig, sich dessen bewusst zu werden, dass das alles nicht im Ansatz wiedergibt, wie Brasilien wirklich ist. Meine Berichte beschreiben einen Teil beziehungsweise meinen Teil, meinen Blickwinkel auf bestimmte Ereignisse. Individuell.

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