„Fortsetzung folgt“: Kinoverein und Kirchengemeinden kooperieren

Filmreihe „Kirchen und Kino“ wird in Schneverdingen fortgesetzt / „Systemsprenger“ zum Auftakt

„Fortsetzung folgt“: Kinoverein und Kirchengemeinden kooperieren

„Kirchen und Kino“ - so heißt die Reihe, in deren Rahmen das Schneverdinger Kino „LichtSpiel“ in Zusammenarbeit mit Kirchengemeinden besondere und mit Preisen ausgezeichnete Filme präsentiert. Nach der Schließung des Soltauer Kinos zum Jahreswechsel hatte der Kinoverein die Reihe in Kooperation mit den Soltauer Kirchengemeinden im Schneverdinger Kino in der Oststraße 31 fortgesetzt (HK berichtete). Nachdem es im Januar und Februar dieses Jahres noch zwei Veranstaltungen gegeben hatte, übernahm die Corona-Pandemie die Regie. In der Folge fielen die weiteren geplanten Vorführungen aus. Die Soltauer Kirchengemeinden haben sich anschließend dazu entschieden, die Filmreihe nicht fortzusetzen. „Fortsetzung folgt“ heißt es trotzdem, denn die Schneverdinger Kirchengemeinden sprangen in die Bresche, damit Filmfreunde auch weiterhin unter dem Titel „Kirchen und Kino“ auf ihre Kosten kommen können. Los geht es am 14. September um 18 Uhr im Saal des Gemeindehauses der Peter-und-Paul-Kirchengemeinde in der Friedenstraße 3.

Kooperationspartner des Kinovereins sind neben der Peter-und-Paul-Gemeinde die Markusgemeinde und Friedenskirchengemeinde Heber, die katholische Pfarrgemeinde St. Marien, die Christuskirche und die Johannes-Gemeinde. Finanziell gefördert wird das Ganze weiterhin von der Kreissparkasse Soltau. „Es ist ein tolles Projekt, das wir sehr gern unterstützen“, betonte Stefan Kreipe vom KSK-Vorstand am vergangenen Montag bei der Präsentation des neuen Programms. Neben Werner Mader vom Vorstand des Vereins „LichtSpiel“ rührten auch Pastor Dr. Harm Cordes (Peter und Paul), Pastor Dr. Kai-Uwe Scholz (Markusgemeinde und Friedenskirchengemeinde), Christine Gevers (St. Marien) und Beate Niederhagemann (Johannes-Gemeinde) die Werbetrommel für die „Kirchen und Kino“-Filmreihe.

„Ich bin auch immer sehr gern ins Soltauer Kino gegangen“, outete sich Kreipe als Filmfreund. Und als ein solcher wisse er das Engagement des Schneverdinger Kinovereins zu schätzen. Dieser biete der Bevölkerung „einen hohen Mehrwert“. Im Zuge der Kooperation mit den Schneverdinger Kirchengemeinden wird nun zunächst versuchsweise die Staffel 2020/2021 fortgesetzt. Dazu haben die Initiatoren wieder ein attraktives Angebot an Filmperlen aus Länden wie Deutschland, Österreich, Frankreich, China und den USA zusammengestellt. Weil zwei sehr lange Filme in die Staffel aufgenommen worden sind, wird der Beginn der Abendvorstellungen von 19 auf 18 Uhr vorgezogen. Und weil das Schneverdinger Kino wegen der Auflagen zur Eindämmung der Corona-Pandemie weiterhin geschlossen bleibt, wird das Programm zunächst am 14. September im Saal des Gemeindehauses der Kirchengemeinde Peter und Paul präsentiert. „Wie es dann weitergehen kann und wird, das müssen wir entsprechend der Entwicklung jeweils aktuell bewerten und entscheiden“, erläuterte Mader.

Zum Auftakt der Reihe wird am 14. September der deutsche Spielfilm „Systemsprenger“ aus dem Jahr 2018 von Regisseurin Nora Fingscheidt gezeigt. Im preisgekrönten Drama geht es um eine gewalttätige Neunjährige, die sich nach Geborgenheit sehnt und im Jugendhilfesystem durch alle Raster fällt. Es ist ein Film, in dem das Schauspielerensemble mit hervorragenden Leistungen glänzt und der lange nachhallt.

Weiter geht es am 12. Oktober mit dem österreichischen Dokumentarfilm „Erde“ (2019, Regie: Nikolaus Geyrhalter). Mit schneidend scharfen Bildern protokolliert der Dokumentarfilmer die Zerstörung der Erde, die rational kaum mehr gerechtfertigt werden kann. Auch die Interviews mit Arbeitern, Ingenieuren und Wissenschaftlern zeigen eine fatale Resignation auf, da weder der Einzelne noch die Gesellschaften dieser Dynamik einer sich verselbständigten Ausbeutung Einhalt gebieten können.

„Sorry we missed you“ heißt der britische Film von Ken Loach aus dem Jahr 2019, der am 9. November präsentiert wird. In diesem geht es um eine kleine, liebevoll verbundene Familie, die mit prekären und unmenschlichen Arbeitsbedingungen zu kämpfen hat. Mit großer Zärtlichkeit sammelt Loach feine Beobachtungen des Arbeits- und Familienalltags, macht aber auch den ungeheuren Druck spürbar, der dieser hart arbeitenden Familie die Luft zum Atmen nimmt.

Audiovisuelle Erlebnisse sind die Filme von Regisseur Terrence Malick. In Schneverdingen läuft am 7. Dezember sein Film „Ein verborgenes Leben“ (Deutschland/USA 2019). In seiner jüngsten Arbeit erzählt er vom Bauern Franz Jägerstätter, der während der NS-Diktatur den Kriegseinsatz verweigerte, weil der Kampf mit der Waffe für ihn nicht mit seinem christlichen Glauben vereinbar war.

Am 11. Januar kommenden Jahres läuft der Film „Gott existiert, ihr Name ist Petrunya“ (Nordmazedonien, Belgien, Slowenien, Kroatien, Frankreich). Regisseurin Teona Strugar Mitevska nimmt in ihrer temporeichen Komödie eine arbeitslose Historikerin aus der nordmazedonischen Stadt Stip in den Fokus, die nach erniedrigenden Erfahrungen bei der Jobsuche in eine religiöse Prozession gerät und sich spontan gegen die ehernen Regeln der Tradition auflehnt. Ohne Bitterkeit hinterfragt der Film mit gebotener Schärfe die patriarchalen Effekte monotheistischer Religionen.

„Porträt einer jungen Frau in Flammen“ heißt der französische Film von Céline Sciamma, der am 8. Februar 2021 gezeigt wird. Der konzentriert und äußerst präzise inszenierte Liebesfilm aus dem Jahr 2019 reflektiert im historischen Rahmen über diverse Perspektivwechsel gesellschaftliche Zwänge.

Weiter geht es am 15. März kommenden Jahres mit dem Film „Vergiftete Wahrheit“ (USA, 2019) von Todd Haynes. Das bestechende „Whistleblower“-Drama erzählt, basierend auf einem wahren Fall, die Geschichte eines Mannes, der Leben und Karriere riskierte und im Alleingang den sogenannten Teflon-Skandal ans Licht brachte.

Den Abschluss bildet der Film „Bis dann, mein Sohn“ (Volksrepublik China, 2019) von Wang Xiaoshuai. Thema ist die Freundschaft zwischen zwei jungen Familien, deren Schicksal von der Ein-Kind-Politik unwiderruflich geprägt wurde. Ein Epos über Schuld, Vergebung und Versöhnung, das die Menschen in ihrer Zerbrechlichkeit und Stärke in den Mittelpunkt stellt.

Karten im Vorverkauf gibt es freitags von 10 bis 12 Uhr an der „LichtSpiel“-Kinokasse und online unter www.lichtspiel-schneverdingen.de. Restkarten sind vor den Vorstellungen an der Kasse vor Ort in der Friedenstraße 3 ab 17 Uhr erhältlich.

Logo