Glänzende Erinnerungen zum Jubiläum

Mit einem festlichen Abend im Bürgersaal der Freizeitbegegnungsstätte wurde das 75. Heideblütenfest in Schneverdingen gefeiert

Glänzende Erinnerungen zum Jubiläum

Wäre sie am vergangenen Freitagabend im Bürgersaal der Schneverdinger Freizeitbegegnungsstätte dabei gewesen, sie wäre angesichts der großen Konkurrenz womöglich „not amused“ gewesen, die Queen. Elisabeth II. hätte immerhin 30 ehemalige Heideköniginnen gesehen, die beim Festakt zum 75jährigen Jubiläum des Schneverdinger Heideblütenfestes zu den Klängen des Musikzuges Schneverdinger Stadtfalken in den Saal einzogen. Auch die zu diesem Zeitpunkt noch amtierende Königin Sarah Winkelmann mit ihren jungen Pagen hatte sich eingereiht. Zudem war eine weitere Majestät eigens zum Jubiläumsfest angereist: Waldkönigin Emanuela aus der Partnerstadt Barlinek, die zusammen mit ihrer Ehrendame Nikola inmitten der ehemaligen Majestäten Platz nahm. Auch Barlineks Bürgermeister Darius Zielinski hatte die Einladung gern angenommen.

Neben weiteren Gästen aus der Partnerstadt begrüßte Schneverdingens Bürgermeisterin Meike Moog-Steffens unter anderem Ratsmitglieder um den Ratsvorsitzenden Dieter Möhrmann, Vorstandsmitglieder des Vereins Heideblüte, der das Heideblütenfest mit Unterstützung der Stadt veranstaltet, sowie etliche Schneverdingerinnen und Schneverdinger, die sich, teils seit Jahrzehnten, rund um das Heideblütenfest verdient gemacht haben. Ganz besonders freute sich Moog-Steffens über das Stelldichein der ehemaligen Schneverdinger Heideköniginnen. Sie hatten sich, zum Teil auch von weit her, auf den Weg gemacht, um bei der Jubiläumsveranstaltung mitzufeiern. Musikalisch umrahmt wurde der unterhaltsame Abend vom Trio „True Moods“.

„Im August verwandelt sich die Heidelandschaft in ein Meer aus violetten Blüten. Wenn die Sonne abends langsam untergeht, wird die Landschaft in ein sanftes Purpur getaucht. Dieses bezaubernde Naturschauspiel begeistert jedes Jahr aufs Neue Gäste und Einheimische - in diesem Jahr wieder ganz besonders. Und zu Ehren dieser blühenden Heidelandschaft feiern wir alljährlich unser Heideblütenfest“, so die Bürgermeisterin. Sie ging kurz auf die Geschichte des traditionsreichen Festes ein. Ursprung des Ganzen sei das Kreis-Heimatfest von 1922, genannt das „Fest der weißen Rose“. „Aus dem Festbuch von Juli 1922 geht unter anderem die Beschreibung des Festumzuges hervor. Dort wird im symbolischen Teil der Ritt der Rosenkönigin, Fräulein Marie Röhrs aus Schülern, auf einem Sachsenschimmel beschrieben. 1936 wurde dieses Fest dann zum ersten Mal unter dem Namen Heideblütenfest gefeiert. Erste Heidekönigin war Elsa Ehrhorn, geborene Dehning. Ihr folgten 1937 Erika Zobel, geborene Grambeck, sowie 1938 Elsbeth Petersen, die aufgrund des Zweiten Weltkrieges bis 1948, also zehn Jahre, Heidekönigin war“, berichtete die Bürgermeisterin. Dies sei auch der Grund, warum die Anzahl der Heideköniginnen und die Anzahl der Jahre nicht übereinstimmten.

Im Bürgersaal war eine Ausstellung aufgebaut, in der Fotos aller bisherigen Heideköniginnen zu sehen waren. Als Krönung des Ganzen war der Schmuck zu bestaunen, den die erste Schneverdinger Heidekönigin Elsa Ehrhorn im Jahr 1936 getragen hatte. „Den hüten wir wie einen Schatz“, betonte Moog-Steffens.

Im Laufe der Jahrzehnte hat sich natürlich nicht nur der Schmuck der „Regentin“ geändert, sondern auch das ganze Drumherum. Das wurde insbesondere in den drei Gesprächsrunden deutlich, die KGS-Schülerin Jasmin Arnold moderierte. Zunächst interviewte sie Heidekönigin Sarah Winkelmann und die beiden ehemaligen Würdenträgerinnen Resa Domurath (1986) und Sabine Pretzel, die im Jahr 1978 gekrönt worden war. Letztere berichtete, dass die Auftritte als Heidekönigin ihrem Selbstbewußtsein damals einen Schub gegeben hätten. „Ein wenig Aufregung war immer dabei, aber das ist okay“, so Pretzel. Ähnlich äußerte sich Domurath: „Ich bin mutiger geworden. Ich hätte mir zuvor nicht vorstellen können, im Höpen vor tausenden Menschen eine Rede zu halten, aber es hat funktioniert.“ Und Sarah Winkelmann: „Es ist enorm, wie man wächst mit den Aufgaben, die man als Heidekönigin hat. Es war ein tolles Jahr - und ich habe es sehr genossen.“

Standen die Heideköniginnen früher in erster Linie beim Fest selbst im Mittelpunkt, so sind sie seit Mitte der 1980er Jahre zunehmend als Repräsentantinnen unterwegs, machen Werbung für die Stadt und die Region. „Es gibt um die 80 Auftrittstermine im Jahr“, berichtete Winkelmann.Natürlich waren auch der Festumzug und das Festspiel Thema. Kutschunternehmer Klaus Meyer, der seit 1986 die Kutsche der Heidekönigin steuert, kam ebenso zu Wort wie Bernd Pleiser, der stellvertretend für die Festspieldarsteller aus dem Nähkästchen plauderte. Martina Klein von der Schneverdingen-Touristik betreut Jahr für Jahr die Königinnen und erzählte, dass dabei manchmal auch anhaltende Freundschaften entstehen. Auf die Organisation des Festumzuges und verschärfte gesetzliche Vorschriften ging Resa Domurath ein, die zudem gemeinsam mit Svenja Böhling und Meike Moog-Steffens auch über die weitere Arbeit des Vereins Heideblüte berichtete.

Die Bürgermeisterin würdigte das große Engagement aller am Fest beteiligten Unterstützer, ohne das sich ein Fest dieser Größenordnung nicht realisieren ließe. Ein großes Dankeschön ging auch an diejenigen, die das Fest in Bild und Ton dokumentiert haben beziehungsweise dokumentieren. So hat Karl von Elling 1948 damit angefangen, das Festsowie auch andere wichtige Ereignisse in der Heideblütenstadt zu filmen. Heinz Rieckmann hielt das Heideblütenfest und weitere wichtige Veranstaltungen mehr als 20 Jahre mit seiner Kamera fest. Und dann sind da noch die treuen Heideblütenfestbesucher Ursula und Ingo Ebert aus Bochum, die seit drei Jahrzehnten Jahr für Jahr beim Fest Fotos machen und unter anderem auch Fotobücher für die Heideköniginnen erstellen.

Aus dem vorhanderen gedrehten Material, auch den historischen Aufnahmen, hat Manfred Heinecker einen Film erstellt, den sich die Gäste des Festaktes nach dem gemeinsamen Imbiß anschauten. Im Zuge dieser kurzweiligen „Geschichtsstunde“ konnten insbesondere die ehemaligen Heideköniginnen in Erinnerungen schwelgen.

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