Bronze mit dem TV Jahn, Gold mit der Nationalmannschaft: Für Helle Großmann und Aniko Müller setzte sich der Medaillenregen in Reiden (Schweiz) fort. Mit einer makellosen Turnierleistung verteidigte Deutschland den Europameistertitel eindrucksvoll und unterstrich einmal mehr seine Ausnahmestellung in Europa. Für Aniko Müller war es bereits der vierte EM-Titel ihrer Karriere, Helle Großmann durfte sich über ihre zweite Goldmedaille auf europäischer Bühne freuen.
Bereits der Freitag zeigte, warum Deutschland als Titelfavorit nach Reiden gereist war. Trotz vier Vorrundenspielen innerhalb von nur neun Stunden ließ die deutsche Auswahl zu keinem Zeitpunkt Zweifel an ihrer Qualität aufkommen. Gegen Serbien gelang ein ungefährdeter 2:0-Erfolg (11:2, 11:2), anschließend folgte ein ebenso souveränes 2:0 (11:1, 11:3) gegen Namibia. Auch den Dauerrivalen Österreich bezwang Deutschland mit 2:0 (11:5, 11:9), ehe zum Abschluss des langen Tages Gastgeber Schweiz mit 2:0 (11:7, 11:3) besiegt wurde. Ohne Satzverlust und mit 8:0 Punkten zog die Auswahl beeindruckend souverän und hochverdient als Vorrundensieger ins Halbfinale ein. „Vier Spiele an einem Tag sind körperlich und mental eine echte Herausforderung. Umso wichtiger war es, dass wir unseren Kader so gut nutzen konnten“, so die Jahnlerin Helle Großmann. Genau darin lag über das gesamte Turnier hinweg eine der größten Stärken der deutschen Mannschaft. Auf nahezu jeder Position standen mehrere Spielerinnen auf internationalem Spitzenniveau bereit. Dadurch konnte das Trainerteam jederzeit wechseln, ohne dass das Spielniveau abfiel. Nach dem intensiven Freitag richtete sich der volle Fokus auf den Finaltag. Im Halbfinale dominierte Deutschland Serbien von Beginn an und zog mit einem deutlichen 3:0 (11:1, 11:2, 11:4) souverän ins Endspiel ein.
Dort wartete mit Gastgeber Schweiz der erwartet stärkste Gegner des Turniers. Im Finale demonstrierte Deutschland noch einmal eindrucksvoll die außergewöhnliche Qualität seines Kaders. Alle zehn Spielerinnen kamen zum Einsatz – ein auf diesem Niveau eher ungewöhnliches Bild, das die enorme Breite der deutschen Mannschaft eindrucksvoll unterstrich. Aniko Müller gehörte zunächst zur „Starting Five“ und setzte auf der Position vorne rechts mit ihren druckvollen Angaben immer wieder wichtige Akzente. Mitte der Partie reagierte das Trainerteam mit einem Doppelwechsel: Während Müller vom Feld ging, rückte Großmann auf der linken Angriffsseite ins Spiel. Die Schneverdingerin fügte sich nahtlos ein und sorgte mit einer cleveren Mischung aus langen Angriffsbällen sowie präzisen, druckvollen Schlägen auf die Vorderpositionen immer wieder für direkte Punkte. Deutschland kontrollierte das Finale über die gesamte Spielzeit und gewann verdient mit 3:0 (11:7, 11:7, 11:4). Den ersten Matchball nutzte Großmann direkt selbst: Mit einem platzierten Ass über die Schweizer Hauptangreiferin verwandelte sie ihn zum umjubelten Europameistertitel.
„So ein Finale macht einfach unglaublich viel Spaß. Jeder hat seinen Teil dazu beigetragen und genau das hat uns in diesem Turnier ausgezeichnet“, freute sich Großmann nach dem Titelgewinn. Auch Aniko Müller hob die Stärke des deutschen Kaders hervor und richtete gleichzeitig ein besonderes Lob an ihre Vereinskollegin, die sie im Finale nach dem Doppelwechsel ersetzte: „Wir hatten auf jeder Position mehrere Spielerinnen auf höchstem Niveau. Helle hat nach ihrer Einwechslung ihr Spiel einfach durchgezogen. Sie hat überragend gespielt, ich bin sehr stolz auf sie.“
Mit dem erneuten Triumph setzt Deutschland seine beeindruckende Erfolgsserie bei Europameisterschaften fort. Nach den Titeln 2015, 2017, 2019 und 2023 ging auch 2026 die Goldmedaille an die deutsche Auswahl. Für Helle Großmann und Aniko Müller krönen damit zwei Medaillen innerhalb kurzer Zeit einen sportlich erfolgreichen Sommer. Einmal mehr tragen zwei Spielerinnen des TV Jahn Schneverdingen den Europameistertitel nach Hause.