„Green Day“ für fünf D-Mark und der Dalai Lama beim Kaffeetrinken

Kulturverein Schneverdingen präsentiert neues Podcast-Projekt

„Green Day“ für fünf D-Mark und der Dalai Lama beim Kaffeetrinken

Sie feierten weltweit Erfolge mit Titeln wie „Basket Case“, „American Idiot“, „Boulevard of Broken Dreams“ und „Wake Me Up When September Ends“: die Punkrock-Stars der Band „Green Day“. In Schneverdingen wird des öfteren darüber gesprochen, dass die US-amerikanische Gruppe, mit der Anfang der 1990er Jahre das große Punk-Revival begann, in der Heideblütenstadt aufgetreten sein soll, bevor ihr international der große Durchbruch gelang. Kann das stimmen? Dieser Frage ging Jan Lohmann aus Schneverdingen nach - und zwar für den neuen Podcast des Kulturvereins Schneverdingen. Unter dem Titel „Snevern Storys“ werden Lohmann und Christian Wildtraut, beide im Kulturverein engagiert, künftig mit Mythen aufräumen, Historisches aus der Heideblütenstadt aufgreifen, Politisches reflektieren sowie über Kuriositäten und tolle sportliche Leistungen berichten. „Die Mischung macht’s“, betont Lena Lohmann, Eventmanagrin des Kulturvereins, am vergangenen Dienstag bei der Vorstellung des neuen Projekts: „Die thematische Bandbreite soll sehr weit gefasst sein, der Aufhänger bei all diesen Geschichten ist jedoch immer, dass Schneverdingen der Ort des Geschehens war oder ist.“

Und das gilt natürlich auch für die Frage, ob die Band „Green Day“ tatsächlich in der Heideblütenstadt aufgetreten ist. Um genau dieses Thema dreht sich alles in der ersten Folge des neuen Podcasts „Snevern Storys“ mit dem Titel „Weltstars in Schneverdingen“. Sie wird ab 17. Juli im „Netz“ verfügbar sein - und zwar auf allen bekannten Streaming-Diensten sowie auf der Internetseite des Schneverdinger Kulturvereins. „Wir arbeiten auch daran, das Angebot über die App des Kulturvereins zur Verfügung zu stellen. Ob das bis zur ersten Folge klappt, können wir jetzt allerdings noch nicht sagen“, so Lena Lohmann. Was sie und die beiden Sprecher des neuen Podcasts allerdings schon beantworten können, ist die „Green Day“-Frage. Die US-amerikanischen Punkrocker waren nämlich tatsächlich live in der Heideblütenstadt zu sehen und zu hören. Das hat Jan Lohmann im Zuge seiner Recherche recht schnell herausgefunden, zumal er als Kulturvereinsmitglied sozusagen direkt an der Quelle sitzt. Einer, der damals dabei war und sogar ein Konzert-Plakat aufgehoben hat, ist der Ehemann der Geschäftsführerin des Kulturvereins Dorothee Schröder.

Im November 1991 war es dem Schneverdinger Andreas Wolf gelungen, die Band aus Kalifornien für einen Auftritt in der Heideblütenstadt zu gewinnen. Sie spielte damals für fünf D-Mark Eintritt in der Bahnhofskneipe „Endstation“. Lohmann sprach mit Jörg Schröder, der sich noch gut an den Sonntagabend in der damaligen „Absacker-Kneipe“ erinnern kann. Auch Andreas Wolf, früher einer der „Macher“ der Schneverdinger Punkszene, kommt im Podcast zu Wort. Im Gespräch verrät Wolf, der mittlerweile in Berlin lebt, wie er es damals geschafft hat, die US-Amerikaner in die Heide zu holen - und was ein von seiner Mutter gemachter Eintopf damit zu tun hatte. Durch die Interview-Schnipsel, die Jan Lohmann immer wieder in seinen Beitrag einstreut, werden die Zuhörerinnen und Zuhörer mit auf eine Zeitreise in die Punkrock-Ära in Schneverdingen in den 1980er und 1990er Jahren genommen, wobei es seinerzeit durchaus auch Probleme in der Stadt gegeben hatte. Oft waren nicht nur die Irokesen-Haarschnitte blau, sondern auch deren Träger. Und wenn damals bundesweit bekannte Bands wie die „Abstürzenden Brieftauben“ in der Freizeitbegegnungsstätte mit einigen Akkorden zum Mitgrölen aufriefen, dann stürzte auch schon mal der eine oder andere Zuhörer ab. Eine größere Gruppe Punks wußte damals das vielfältige Angebot der nicht weit von der Freizeitbegegnungsstätte entfernten Tankstelle zu schätzen, hatte es aber nicht so mit dem Bezahlen. Es gab Polizeieinsätze, und in der Bevölkerung wuchs der Unmut über die bunt frisierten Nietenarmbandträger, von denen viele aus den Großstädten zu den Konzerten „in der Provinz“ anreisten. Diese Auswüchse hatten letztlich zur Folge, dass in der Freizeitbegegnungsstätte keine Punk-Konzerte mehr stattfinden durften.

Die Gruppe „Green Day“ hingegen landete nicht auf dem Abstellgleis, nach dem Gastspiel in der „Endstation“ waren die Weichen vielmehr auf Erfolg gestellt. Ihr 1994 erschienenes drittes Studioalbum „Dookie“ brachte der Band schließlich den internationalen Durchbruch. Laut Internet-Lexikon Wikipedia verkaufte es sich allein in den USA mehr als zehn Millionen Mal. Auch die beiden folgenden Alben „American Idiot“ und „21st Century Breakdown“ stürmten weltweit die Charts. Gefragt sind auch aus dem Internet als Audiodaten herunterladbare Reportagen und Beiträge: Podcasts erfreuen sich stetig wachsender Beliebtheit. Laut Statista, einer deutschen Online-Plattform für Statistik, hält der Podcast-Boom in der Bundesrepublik an und erreichte im vergangenen Jahr einen neuen Rekordwert: Nach Umfrageergebnissen hätten sich annähernd vier von zehn Deutschen (38 Prozent) zumindest selten Podcasts angehört. Im Jahr 2016 seien es noch 14 Prozent der Menschen in Deutschland gewesen, die zumindest selten solche abonnierbaren Video- oder Audiobeiträge über das Internet genutzt hätten.

„Wir möchten eine neue Zielgruppe erschließen und unseren Verein vor allem bei den jüngeren Einwohnerinnen und Einwohnern Schneverdingens bekannter machen“, sagt Dorothee Schröder. Zum Erfolg des Vereins könne nur eine nachhaltig aufgebaute Mitgliederstruktur beitragen. In der Heideblütenstadt und im Heidekreis gebe es aktuell kein vergleichbares Projekt. „Wir möchten also wie schon oft mit innovativen Ansätzen vorangehen und unsere Strahlkraft im ländlichen Raum ausbauen“, unterstreicht die Geschäftsführerin des Kulturvereins.

Das Podcast-Team des Kulturvereins wird unterstützt von Andreas Voigt, der in Schneverdingen über ein Tonstudio verfügt und den Machern in Sachen Technik und Schnitt unter die Arme greift. Um einen gewissen Wiedererkennungswert zu erzielen, hat die Gruppe auch einen Jingle, also eine kurze, einprägsame Erkennungsmelodie, „gebastelt“. „Es wird nichts mit dem Handy-Mikrofon aufgenommen. Die Podcasts haben technisch hohe Qualität“, unterstreicht Lena Lohmann. Geplant ist, dass es zwölfmal im Jahr jeweils zur Mitte jedes Monats eine Episode geben wird. Alle Interessierten können sich die Beiträge über die verschiedenen Kanäle kostenfrei anhören.

Die beiden Sprecher werden im Wechsel jeweils etwas Interessantes ausarbeiten. Beide sind seit Jahren im Vorstand beziehungsweise im erweiterten Vorstand des Kulturvereins aktiv. „Wir werden darüber hinaus oft mit Gästen arbeiten, die wir zu den Podcast-Aufnahmen einladen. Das soll immer dann geschehen, wenn dem Verein zu sehr speziellen Themen Expertinnen und Experten in Schneverdingen bekannt sind“, so Lena Lohmann. Rund 20 Ideen für Themen habe die Podcastgruppe bereits gesammelt.

Ob Renaturierung der „Roten Flächen“ oder Heidebahn - spannenden „Stoff“ zum Aufarbeiten für das Audio-Format gibt es sicherlich reichlich. Wer Themenvorschläge machen möchte, kann diese per E-Mail an podcast@kulturverein-schneverdingen senden. Apropos: Ein weiteres Thema hat sich Jan Lohmann bereits fest vorgenommen. Er wird in einem seiner Beiträge darüber sprechen, warum der Dalai Lama bei seiner Mutter Kaffee getrunken hat.

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